Heizpilze als Klimakiller verpönt

DORTMUND Umweltschützer befürchten, dass das drohende Rauchverbot in Gaststätten Gas-Heizstrahler bis zum nächsten Winter wie Pilze aus dem Boden schießen lässt. Bei Umweltdezernent Wilhelm Steitz stehen die CO2-Schleudern jetzt auf der Abschussliste.

von Von Susanne Riese

, 27.01.2008, 19:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ivonne  Albrecht   vom  "Di  Vinum", Kleppingstraße 28, wärmt sich unter einem  Gas- Heizstrahler mit Glühwein auf.

Ivonne Albrecht vom "Di Vinum", Kleppingstraße 28, wärmt sich unter einem Gas- Heizstrahler mit Glühwein auf.

Manche Städte – Köln beispielsweise – verbannten die Heizstrahler bereits von öffentlichen Flächen. Auch in Dortmund wird hinter verschlossenen Türen über die Daseinsberechtigung der Wärme spendenden Pilze diskutiert, wie Umweltdezernent Wilhelm Steitz verriet. "Uns war klar: Für diesen Winter ist die Sache gelaufen, aber jetzt denken wir verstärkt darüber nach." Für das künstliche mediterrane Klima auf Caféterrassen und an Glühweinständen kann er sich nicht recht erwärmen.

Eine Reise nach Paris Anfang Januar befeuerte zusätzlich seine Zweifel an den Geräten: "Da stehen die Dinger an jeder Ecke", sagt Steitz, und es ist nicht zu überhören, dass der Stadtrat sich solche Zustände für die Dortmunder Innenstadt nicht wünscht. "Das kann nicht sein: Wir betreiben einen Riesen-Aufwand zum Klimaschutz mit Niedrigenergiehäusern usw. und heizen auf der anderen Seite die Außenluft." Schließlich hielten es die Menschen im Skiurlaub auch ohne Strahler draußen aus. "Man braucht eben nur wärmere Kleidung."

An Klimaschutzziele denken

Zudem befürchten die Skeptiker, dass durch das Rauchverbot in der Gastronomie die Strahler wie Pilze aus dem Boden schießen werden. Deshalb will die Verwaltung auch möglichst schnell einen Beschluss fassen, bevor die Wirte Investitionen für die Herbst-/Wintersaison angehen, so Steitz. "Wir wollen den Sommer nutzen, um uns zu informieren und in Ruhe zu entscheiden." Dabei wird auch die Schädlichkeit der Außenheizungen zu klären sein. Laut Greenpeace setze ein einziger Strahler bei einer 36-Stunden-Woche bis zu vier Tonnen Kohlendioxid im Jahr frei – vergleichbar dem Ausstoß eines Kleinwagens bei 20 000 Kilometern Fahrleistung. "Wenn man Klimaschutzziele hat, die man mit hohem Aufwand verfolgt, dann muss man darüber nachdenken, wie ungehemmt man solche Geräte zulassen kann", sagt Steitz. Freunde der Außengastronomie müssen sich also warm anziehen ...

Alternative Infrarotkurzwelle

Björn Lepke, gemeinsam mit Falko Husmann Chef der beiden angesagten Adressen "Barrock" an der Lindemannstraße und "Strobels" neben dem Stadion, setzt alternativ auf Infrarotkurzwelle aus der Steckdose - nicht nur wegen der Platzersparnis.  Der Hersteller verspricht: "Keine Emmissionsbildung und kein Sauerstoffverbrauch.“ Weil sie außerdem billiger sind, ließ Lepke fünf Strahler an der Hauswand vom "Barrock" installieren sowie weitere 15 an der Fassade des "Strobels".

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