Helden mit Macken

20.06.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Diese Helden haben Macken: In antiker Siegerpose stehen sie da, bekleidet mit Badehose und Tigerprint-Bikini, mit kleinen Speckrollen und großen Narben. Jens Nieth und Arno Schidlowski fotografierten die «Heroen» aus dem Dortmunder Arbeitermilieu im Hoeschbad. Ihre Bilderserie gehört zu den im Rahmen des Fotoprojekts emscher:zukunft ausgezeichneten Arbeiten.

Sieben von 65 eingesendeten Fotoserien wählte die Emschergenossenschaft für eine Ausstellung in der Kokerei Hansa aus. Zur Eröffnung wurden gestern Abend insgesamt 20 000 Euro Preisgeld an die Fotografen übergeben und 5000 Euro an die Träger von drei Konzeptideen.

«Mit diesem 2005 initiierten Projekt wollen wir die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Emscherumbau anstoßen», sagt Projektleiter Thomas Heiser. Die prämierten Bilder werden in eine kontinuierliche Sammlung aufgenommen, die mit der Zeit die Impulse für die Region dokumentiert.

Mario Lombardo, Artdirektor und Jurymitglied, sieht vor allem das Poetische in den Bildern. Für ihn bedeuten sie die Suche nach Spuren, die Menschen hinterlassen. «Die Fotos zeigen Orte, die eine Geschichte erzählen.» Wie die Serie «Garten Ebel» von Maurice Kohl, der im Bottroper Stadtteil Ebel Menschen in ihrem persönlichen kleinen Paradies hinter dem Haus fotografierte. Oder Winfried Labus´ «Freilandarchitektur auf dem Grabeland» mit anrührend zusammengezimmerten Gartenlauben. Die Serie «Der 2. Ort» von Norbert Weke hingegen weckt Ängste und Erinnerungen: Nächtliche Stadtlandschaften zeigen in künstliches Licht getauchte Tunnel, eine verlassene Bushaltestelle, den nackten Beton einer kalt ausgeleuchteten Unterführung.

Billie Erlenkamps «Wasserspiegel» bilden idealisierte Landschaften auf der Wasseroberfläche ab, in denen alles Technische verschwimmt. Dem Ausgangsthema am nächsten kommt Etta Gerdes mit ihrer Serie «Renatur»: Im dichten Grün sucht sich die Emscher ihren Weg. Susanne Riese

Die Fotoserien sind bis zum 26. Juli auf der Kokerei Hansa Huckarde, Emscherallee 11, zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

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