Dogewo-Mieter der Häuser an der Kemminghauser Straße beklagen „unhaltbare Zustände“. Der Teufel steckt im Detail. Eine Geschichte über Missverständnisse, Versäumnisse und Denkmalschutz.

Eving

, 19.08.2019, 09:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mehrfach sei Inge Kaute den Tränen nahe gewesen, wenn sie den Ärger über die Zustände im Haus Kemminghauser Straße 39 habe schlucken müssen, wie sie erzählt „Egal, wie oft Handwerker aufgekreuzt sind – danach war's noch schlimmer“, sagt die 63-Jährige. Die Mängelliste, die die Mieterin der Dogewo21 aufzählt, ist lang. Richtig lang. Kaute führt rum, will zeigen, wo's brennt. So habe sie wiederholt angemahnt, dass Türen und Fenster nicht richtig schließen, undicht seien. „Da kamen Arbeiter. Immer wieder rückten die aus. Sieben Mal. Nur die Mängel haben die nicht behoben.“ Dreck hätten die Mitarbeiter der beauftragten Firma gemacht, weitere Schäden verursacht. Einer soll, so Inge Kaute, „stockbesoffen gewesen“ sein.

Zieht wie Hechtsuppe

Ob der Handwerker mehr dem Alkohol als der Arbeit zugetan war, lässt sich im Nachhinein nicht belegen. War an besagtem Tage auch niemand mit dem Alko-Tester zur Stelle, der das hätte prüfen können. Bei den Türen und Fenstern ist das anders. Das lässt sich nachvollziehen. Die sind nicht dicht. Und die Schließmechanismen sind defekt, Hebel lassen sich überdrehen, die Wohnungstür fliegt ab und an auf, wenn der Schlüssel nicht im Schloss steckt. Die Zugluft sei im Winter schlimm. Eine Schafskälte herrsche dann im Haus, so Kaute. Im vergangenen Winter habe sie mehrere Pullover überanander anziehen müssen, um nicht zu frieren.

Herrschen wirklich desolate Zustände in Evinger Häusern der Dogewo?

Die Rollladenkästen sind fragwürdig montiert worden. © Fabian Paffendorf

Inge Kaute hatte sich von der Dogewo Rollladen gewünscht. Die hat sie bekommen. Nur die machen einen seltsamen Eindruck. Die Rollladenkästen passen nicht in die Rahmen, da klaffen große Lücken. Und wie die Konstruktion verschraubt ist, ist eigenartig. Das passt nicht, da stehen Schraubenköpfe weit raus, die sind nicht einmal abgedeckt worden. Ist aber nicht nur in der Wohnung was faul. Auch im Keller soll's Seltsames geben. Inge Kaute geht vor. Im Flur trifft sie Nachbar Ahmed Taskin. Der ist dabei, mit seinen Familienmitgliedern Lebensmittel aus dem Keller nach oben in seine Wohnung zu bringen. Fastenbrechen ist bei der muslimischen Familie angesagt. Da wird groß aufgetischt. Bei der Familie soll es in der Wohnung auch undichte Fenster geben, wie Taskin erzählt. Das habe er bei der Objektbetreuung angemahnt, passiert sei aber bisher nichts.

Baracke im Garten

Im Keller des Hauses wurden laut Kaute weitere Missstände „verschlimmbessert“. Da sind Holzbalken zu sehen, die wohl als Stützen für ein Kellerfenster dienen könnten. „Und eine Brandschutztür für die Waschküchenräume haben die bisher nicht eingebaut. Da ist nur so eine Holztür, die sieht aus, als wäre sie von 1923“, sagt Kaute. Raus hier. Die Treppen im Hausflur hoch - bei Kleemanns klingeln. Die hätten da noch eine Sache. Rentner Herbert Kleemann hat da tatsächlich was. Was ihm missfällt, das steht hinterm Haus: eine Art Baracke. Zugewuchert, in Teilen eingefallen. Obdachlose sollen sich dort einquartiert und Partys gefeiert haben. Ein anderes Thema: Herbert Kleemann habe mehrfach bei der Dogewo nachgefragt, wann die Malerarbeiten im Hausflur beendet werden würden. Notwendig sind die geworden, weil es einen Wasserschaden gab.

Herrschen wirklich desolate Zustände in Evinger Häusern der Dogewo?

Die Arbeiter der Baufirma hatten vergessen, die Stützbalken nach getaner Arbeit zu entfernen. © Fabian Paffendorf

Da kommen viele Mängel zusammen. Das macht so den Anschein. Ist aber ein wenig komplizierter, was da wirklich ist. Das muss im Detail betrachtet werden. Der Meinung ist man bei der Dogewo21, wo man sich erschreckt und verwundert zeigt, dass die schiere Masse an vermeintlichen Ärgernissen so bisher nicht kommuniziert worden sei. Auf Anfrage unserer Redaktion räumt man Mängel ein und, dass einige Arbeiten nicht befriedigend ausgeführt wurden. Aber es gab da auch ein Problem mit der Kommunikation. Denn die Häuser der Dogewo an der Kemminghauser Straße haben einen ganz besonderen Status - sie stehen unter Denkmalschutz und deshalb gebe es zusätzliche Dinge zu beachten.

Das sagt die Dogewo

Eine Mängelmeldung zu den Fenstern habe die Dogewo im Mai 2018 erreicht, die Reparatur sei erfolgt. Die Information, dass Türen und Fenster weiter undicht seien, wolle man jetzt prüfen, um nachzubessern. „Dass die Rollladenkästen von den Maßen nicht für die Rahmen passend und nicht vernünftig verschraubt worden sind, ist zutreffend. Die Passgenauigkeit in der Laibung lässt sich bei einem denkmalgeschützten Objekt nicht einwandfrei herstellen. Die Feststellung, dass die Schraubköpfe weit heraus stehen, teilen wir ausdrücklich. Wir werden dies im Rahmen der Gewährleistung korrigieren lassen.“

Herrschen wirklich desolate Zustände in Evinger Häusern der Dogewo?

In dieser Baracke sollen sich laut der Mieter schon Obdachlose einquartiert haben. © Fabian Paffendorf

Zum Keller: Die Holzstützen hätten als Montagehilfe für den Einbau eines Fenstersturzes gedient. Durch die Arbeiter sei versäumt worden, sie nach dem Aushärten zu entfernen. Dass es keine Brandschutztür gibt, liege am Denkmalschutz. Der steht hinsichtlich der Auflagen über dem Brandschutz, der Erhalt der originalen Tür, über dem eines Stahltüreinbaus. Dass die Flurwand nicht gestrichen wurde, hat laut Dogewo den Grund, dass Malerarbeiten in der Wohnung dahinter notwendig sind. Der Mieter der Wohnung habe bislang auf Terminvereinbarungsversuche nicht reagiert. Weiterhin handele es sich beim Areal der Baracke um einen „wilden Mietergarten“. Dieser soll verschwinden. „Aufgrund des Vogelschutzes werden die Arbeiten zum Rückbau und zur Rodung erst ab Mitte Oktober durchgeführt“.

Am Samstag (17.8.) meldete Inge Kaute per E-Mail an unsere Redaktion: Die Rollläden wurden verdichtet und das Treppenhaus wurde angestrichen: Es tut sich was in den Dogewo-Häusern an der Kemminghauser Straße.

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