Autos mit Chanukka-Leuchtern auf dem Dach fuhren zu Beginn des jüdischen Lichterfests im Platz der Alten Synagoge aus durch Dortmund. © Stephan Schütze
Religiöses Fest

Heute endet Chanukka: Wie Juden in Dortmund trotz Corona feierten

Wie feiert man ein hohes religiöses Fest ohne persönlichen Kontakt? Dortmunder Juden standen zu Chanukka vor dieser Herausforderung. Sie haben sie gemeistert, waren sich aber nicht immer einig.

Am 18. Dezember endet eines der höchsten Feste im jüdischen Glauben. Das Lichterfest Chanukka erstreckt sich über acht Tage. Das rituelle Entzünden von acht Kerzen dient dem Gedenken eines überlieferten Wunders aus vorbiblischer Zeit, als Juden für ihre Freiheit kämpften und ein Leuchter im Tempel acht Tage lang brannte.

Chanukka ist normalerweise ein besonderes Ereignis für Menschen jüdischen Glaubens in Dortmund. Das Fest ist außerdem seit Jahren Anlass, den Dialog zwischen den Glaubensgemeinschaften in einer öffentlichen Veranstaltung am Phoenix-See sichtbar zu machen. Doch Chanukka 2020 war das alles nicht möglich.

Feierliche Kerzen-Entzündung am Phoenix-See fällt kleiner aus

Die feierliche Entzündung der Channukia, dem siebenarmigen Kerzenleuchter, war in diesem Jahr am Phoenix-See auf wenige Personen mit Abstand reduziert. Die großen Feierlichkeiten innerhalb der jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund, wo es sonst acht Tage am Stück Veranstaltungen und Treffen gibt, konnten nicht in gewohnter Form stattfinden.

Der Dortmunder Rabbiner Baruch Babaev sagt: „Wir haben uns lange den Kopf zerbrochen, wie wir es machen können.“ Das Ergebnis dieser Überlegungen waren unterschiedliche Wege, auf denen die Gemeindemitglieder erreicht wurden.

Chanukka-Feiern über Zoom

So wurde das Entzünden der Kerzen ins Internet verlegt. Über die Plattform Zoom konnten sich Gläubige zuschalten, Rabbiner Baruch Babaev hielt dazu kurze Predigten. „Eine weitere Idee war: Statt eines Festes machen wir 1000 Feste“, sagt Baruch Babaev. Freiwillige brachten 1000 Chanukka-Pakete mit kleinen Leuchtern und Überraschungen zu den Gemeindemitgliedern nach Hause.

Das Entzünden der Chanukka-Kerzen am Phoenix-See fand in diesem Jahr in einem kleineren Rahmen und mit Abstand statt. © Roland Gorecki/Stadt Dortmund © Roland Gorecki/Stadt Dortmund

Dazu gab es Online-Kochkurse für Chanukka-Krapfen. Und statt einer eigentlich geplanten Reise von Gläubigen in die israelische Stadt Netanya am Jahresende wird es von einem Menschen vor Ort eine digitale Tour durch Dortmunds Partnerstadt geben.

Autos mit Chanukka-Leuchtern auf dem Dach

Einen weiteren Weg, das jüdische Lichterfest zu feiern, zeigten Mitglieder des Vereins „Chabad Lubavitch“ am zweiten Chanukka-Tag. Vom Platz der Alten Synagoge vor dem Opernhaus starteten fünf Autos mit Chanukkia-Leuchtern auf dem Dach, um das Licht durch Dortmund zu tragen.

Auf der digitalen Leuchttafel des Dortmunder Opernhauses waren Chanukka-Wünsche in mehreren Sprachen zu sehen. Die leuchtenden Autos selbst sorgten für Aufmerksamkeit.

Dem Coronavirus „einen Fight“, einen Kampf, liefern, beschrieb Rabbi Menahem Vilenkin den Gedanken hinter der Tour, die in alle Himmelsrichtungen durch Dortmund führte. „Wenn die Menschen nicht zusammenkommen können, bringen wir das Licht zu den Menschen“, sagt er.

Aktion eines jüdischen Vereins ist innerhalb der Kultusgemeinde umstritten

Innerhalb der jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund war die Aktion der Gruppe mit einer sehr orthodoxen Glaubensauslegung nicht unumstritten. Rabbiner Baruch Babaev, der die Dortmunder Gemeinde am Jahresende verlässt, sagt: „Wir möchten uns davon distanzieren. Wir sind stolz auf die Einheitsgemeinde, die wir in Dortmund haben. Aber so etwas ist der Versuch, unsere Gemeinde zu spalten.“

Chabad Lubavitch ist eine weltweite Bewegung innerhalb des jüdischen Glaubens. Sie steht für eine sehr basisorientierte religiöse Arbeit. Es gibt aber zugleich Kritik am missionarischen Charakter der Gruppierung und Vorwürfe einer sektenähnlichen Struktur.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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