Bei Tönnies werden zu normalen Zeiten durchschnittlich 45.000 Schweine am Tag geschlachtet. In Dortmund gibt es einige Metzgereien, die kein Fleisch von ihm beziehen. © picture alliance/dpa (Archiv)
Blitzumfrage

Hier gibt es in Dortmund Fleisch, das garantiert nicht von Tönnies kommt

Nach dem großen Corona-Ausbruch bei Tönnies haben viele Menschen keine Lust auf Fleisch aus dem Schlachtbetrieb aus dem Kreis Gütersloh. Wir zeigen wo es in Dortmund Alternativen gibt.

Der ostwestfälische Fleischproduzent Tönnies ist derzeit in aller Munde – aber leider auf ganz andere Art und Weise, als es das Unternehmen gerne sein würde. Nach dem Corona-Ausbruch mit mittlerweile bis zu 1500 Infizierten beherrscht Tönnies noch immer die Schlagzeilen. Die Erzeugnisse aus den Tönnies-Schlachthöfen und Lieferbetrieben will deshalb kaum jemand bewusst essen.

Das merken auch die Metzgereien in Dortmund: In den vergangenen Tagen fragten verstärkt Kunden, ob das Fleisch von Tönnies komme, berichtet Ruslan Vising, Geschäftsführer von Dilchert. Der Herner Traditions-Metzger betreibt in Dortmund vier Filialen.

Vising beeilt sich zu betonen, dass Dilchert ein Tönnies-freies Sortiment habe. Sein Schweinefleisch beziehe er von einem Schlachthof im niedersächsischen Lohne. Der Betrieb namens Brand ging jüngst als Positivbeispiel unter den Schlachthöfen durch die Medien.

„Mit Tönnies habe ich nichts zu tun“, sagt ein Metzgermeister

Das Muster wiederholt sich, wenn man andere Dortmunder Metzgereien durchtelefoniert. „Mit Tönnies hab‘ ich nichts zu tun“, sagt auch Dirk Klusmeier, Metzgermeister in dritter Generation aus Kirchhörde und gleichzeitig Obermeister der Fleischer-Innung Westfalen-Mitte, die auch für Dortmund zuständig ist.

Klassische Metzger sind laut Klusmeier eine gute Wahl für alle, die gerade Tönnies-Fleisch meiden wollten: „Tönnies liefert eher an die großen Ketten und nicht an die kleinen Geschäfte“, sagt er.

Krise beschert Biohöfen und Fleischereien Zulauf

Der Schultenhof, ein Biohof in Hombruch, zieht die Schweine selbst groß, lässt sie in Unna schlachten und verkauft sie dann im Hofladen.

Vollmer mit Filialen in Hombruch und Wellinghofen bezieht die Schweine von einem Bauern in Bork, geschlachtet wird in Unna in einem kleinen privaten Schlachthof. Das Rindfleisch wird beim Schlachthof Kemming im Münsterland zerlegt. Die Tiere kommen auch aus dem Münsterland.

Das Fleisch kommt seit drei Jahrzehnten aus artgerechter Haltung

Bachstein an der Berghofer Straße ist ein sogenannter Neuland-Betrieb der ersten Stunde: 1988 haben sie hier umgestellt. Unter dem Neuland-Siegel wird Fleisch aus kontrolliert artgerechter und umweltschonender Nutztierhaltung angeboten. Das Fleisch kommt von Tieren eines Bauern aus Fröndenberg, die in Bergkamen geschlachtet werden.

Anja Bachstein sagt, die Corona-Krise habe ihnen viel Zulauf beschert. Der Tönnies-Skandal eher nicht: „Vielen hat es den Geschmack verhagelt. Und wer Hähnchenschenkel für 28 Cent kauft, der kommt auch jetzt nicht zu uns.“

Am Steffenhof in Benninghofen gibt es donnerstags, freitags und samstags Fleisch von eigenen Tieren, in erster Linie Schweinefleisch und gelegentlich Suppenhühner. Im Herbst werden Enten und Gänse angeboten, in den Wintermonaten (ab Oktober) gibt es auch Rind.

Geschlachtet wird in einer kleinen Landmetzgerei. Corona und die Grillsaison machten sich im Verkauf bemerkbar, Tönnies noch nicht so deutlich, heißt es auf Anfrage.

Metzgereien in Dortmund sind nicht abhängig von Tönnies

Christian Gollan, Inhaber von Gollan Fleisch- und Wurstwaren mit Sitz am Borsigplatz und Filialen in der Nordstadt und Brackel, sagt: „Wir sind nicht abhängig von solch großen Betrieben. Wenn Kunden danach fragen, woher unser Fleisch kommt, können wir auf kleinere Schlachthöfe aus der Region verweisen, damit werben wir und zahlen dafür auch gerne mehr.“

Eine Sprecherin der Metzgerei Golly’s, die sich auf schlesische Spezialitäten spezialisiert hat und zwei Filialen in Wickede und Scharnhorst betreibt, sagt: „Wir haben gar keine Probleme mit der Tönnies-Schließung, weil wir unsere Waren von anderen Lieferanten zum Beispiel in Duisburg und Unna beziehen.“

Und Wolfgang Zimmermann, der Metzgereien am Borsigplatz und in Kirchderne hat, sagt ebenfalls ganz klar: „Wir beziehen unsere Ware nicht von Tönnies.“

Viele Kunden fragen gezielt nach Verbindungen zu Tönnies

Zwei weitere Metzgereien haben auf Anfrage entschieden verneint, Fleisch von Tönnies zu beziehen. Sowohl die Metzgerei Wolf Fritz in Lindenhorst als auch die Spezialitäten-Fleischerei Kurrek in Brechten erklären, dass sie ihr Fleisch von kleinen, regionalen Höfen beziehen. Manche Kunden hätten sich explizit nach Tönnies-Fleisch erkundigt, um auf Nummer sicher zu gehen.

Rolf Niemann, Inhaber vom gleichnamigen Fleischer-Fachgeschäft und Partyservice in Dorstfeld, bezieht sein Schlachtvieh seit fünf Jahrzehnten aus dem Münsterland – „von Bauern, die auf traditionelle Mast setzen“, heißt es laut Homepage. Geschlachtet und produziert wird dann bei Niemann selbst.

Auch bei ihm sei es schon öfter vorgekommen, dass Kunden fragen, ob es denn bei ihm wirklich kein Tönnies-Fleisch gebe. „Das haben wir noch nie gehabt“, sagt er, „die Stammkunden wissen das auch“.

Weitere Metzgereien und Geschäfte, die kein Tönnies-Fleisch verkaufen:

  • Vom Niederrhein, genauer gesagt aus dem Naturverbund Niederrhein, kommt das Fleisch der Metzgerei Kranefoer an der Beurhausstraße im Klinikviertel.
  • Das „Landgut“ in Hombruch bezieht sein Schweine- und Rindfleisch von einem kleinen Familienbetrieb in Lünen. Durch die im Vergleich zu Tönnies sehr überschaubare Anzahl an Schlachttieren haben die Kunden im Laden die Möglichkeit, einmal im Monat Fleisch zu bestellen. Eine kleine Auswahl ist aber auch als Tiefkühlware vorrätig.

Hinweis: Wir übernehmen bei dieser Umfrage keine Garantie auf Vollständigkeit. Haben Sie auch einen Betrieb, der auf Fleisch aus Tönnies-Produktion verzichtet und hier nicht genannt ist? Schreiben Sie uns an dortmund@lensingmedia.de und wir ergänzen ihre Informationen gerne.

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1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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