Die Fridays for Future-Schülerbewegung für Klimaschutz sorgt seit Monaten für Aufsehen. Jetzt organisiert sie ihren ersten bundesweiten Sommerkongress - im Revierpark Wischlingen.

Dortmund

, 13.07.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Angela Merkel hat abgesagt. Die Bundeskanzlerin macht Ende Juli Sommerurlaub. Wir haben auf unsere Einladung ein sehr freundliches Absageschreiben bekommen, berichtet Ragna Diederichs. Ansonsten wurde zum ersten bundesweiten Sommercamp der Fridays for Future-Bewegung vom 31. Juli bis 4. August im Revierpark Wischlingen bewusst keine Politprominenz eingeladen. Es soll ganz basisdemokratisch zugehen.

Leben in der Kongress-WG

Das spürt man auch in dem kleinen Büroraum in der Nordstadt, in dem sich der harte Kern des Organisationsteams eingerichtet hat. Seit Wochen leben hier rund zehn Jugendliche in einer Art Arbeits-WG zusammen und versuchen, innerhalb weniger Wochen ein Treffen für mehr als 1000 junge Klimaaktivisten aus ganz Deutschland auf die Beine zu stellen.

„Alle sagen, wir sind verrückt, weil wir das alles so kurzfristig machen“, sagt Jakob Blasel und lacht. Der 18-jährige Abiturient aus Kiel gehört wie Ragna Diederichs zum Orga-Team. Helena Marschall aus Göttingen ist mit 16 Jahren eine der jüngsten, Lucas Pohl aus Kiel zählt mit 21 Jahren schon zu den älteren. Er studiert und wollte im Sommer eigentlich auf Interrail-Tour nach Barcelona gehen. „Das ist jetzt verschoben“, berichtet er.

Hier wird das erste Fridays for Future-Sommercamp in Dortmund organisiert

Das Orga-Team hat bis Ende Juli reichlich zu tun, um den Fridays for Future-Sommerkongress auf die Beine zu stellen. © Oliver Volmerich

Denn es gibt für die Sommerkongress-Organisatoren reichlich zu tun. An der einen Wand hängen Transparente mit Aufschriften wie „Logistik“ oder „Deadlines“, auf der anderen Seite kleben kleine bunte Themenzettel von „Bauzaun“ bis „Wasserspender“.

Gäste aus der Wissenschaft

Die Aufgaben sind klar verteilt. Ragna aus Göttingen kümmert sich etwa um die großen Podien. Es geht um Themen wie Klimaschutz und Politik, die Forderungen der Fridays for Future-Bewegung, Klimagerechtigkeit oder auch die sozialen Fragen, die mit einer möglichen CO2-Steuer verbunden sind.

Dafür gibt es auch hochkarätige Gäste vor allem aus der Wissenschaft - wie Prof. Christoph M. Schmidt als Sprecher der Wirtschaftsweisen, die die Bundesregierung beraten, Verdi-Vertreter Christoph Schmitz oder Otto Scharmer vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).

1500 Teilnehmer

Gut 200 Workshops sind geplant, von Argumentationstraining bis zu den weltweiten Folgen der Klimakrise. Dazwischen soll auch immer Gelegenheit für die „Vernetzung“ der inzwischen fast 100 Ortsgruppen von Fridays for Future sein.

Platz dafür gibt es im weitläufigen Revierpark Wischlingen, der für vier Tage zum Sommercamp wird.

1500 Aktivisten werden erwartet, mehr als 1000 haben sich schon angemeldet. „Etwa die Hälfte davon ist unter 18 Jahre alt“, berichtet Jakob mit Blick auf die Statistik. Die Einverständniserklärung der Eltern wird natürlich mit organisiert. Vieles läuft übers Internet und eine eigene Homepage für den Sommerkongress.

Geschlafen wird in Großzelten mit insgesamt 868 Schlafplätzen, in Turnhallen des benachbarten Schulzentrums oder in eigenen Zelten, die im Revierpark aufgeschlagen werden. Es gibt Toiletten und Duschcontainer. Alles ist fein säuberlich in einem Plan des Revierparks eingetragen.

Hier wird das erste Fridays for Future-Sommercamp in Dortmund organisiert

So wie hier beim Pollerwiesen-Festival könnte es auch beim Fridays for Future-Sommerkongress im Revierpark aussehen. © Stephan Schütze

Der Tag beginnt morgens um 6 Uhr mit Yoga („natürlich freiwillig“) und endet abends mit Diskussionen oder einem „Bunten Abend“. Da gibt es Poetry Slam oder Open-Air-Kino, berichten die Organisatoren. Am Samstagabend soll es ein Konzert geben. „Das steht aber gerade noch auf der Kippe.“

Fest steht aber, dass es am Freitag, dem traditionellen Streik- und Demotag, eine besondere Aktion geben wird. Was und wo, daran wird noch gearbeitet.

Teilnehmerbeiträge und Spenden

Das Team im Orga-Büro wächst dazu am Wochenende auf 30 bis 40 Leute an. Aufgaben gibt es genug. Denn alles ist selbst organisiert. Bis hin zum Essen, das von einer Volksküchen-Initiative organisiert wird und in der Teilnehmergebühr enthalten ist.

Die kostet im Schnitt 40 Euro. Einige zahlen aber mehr, damit andere weniger zahlen müssen. „Wir wollen, dass alle mitmachen können“, erklärt Helena. „Einige müssen das ja von ihrem Taschengeld bezahlen.“

Der Großteil der Veranstaltungskosten, die auf bis zu 200.000 Euro geschätzt werden, wird über Teilnehmerbeiträge und Spenden finanziert. Für einige Bildungsveranstaltungen wurden Zuschüsse des Bundesumweltministeriums und der Mercator-Stiftung eingeworben.

Die Stadt hilft großzügig

Es gibt aber auch Sachspenden. „Ein Biobetrieb liefert uns 200 Gläser Brotaufstrich“, berichtet Jakob Blasel. Und auch die Stadt Dortmund zeigt sich großzügig und hilft den jungen Klima-Aktivisten. „Die Stadt ist da sehr zuvorkommend“, freut sich Ragna.

Offenbar haben die Organisatoren also mit dem Kongressort Dortmund eine gute Wahl getroffen. Ausschlaggebend war eigentlich die zentrale Lage der Stadt. Aber das nicht allein. „Dortmund ist für uns ein extrem spannender Ort, weil hier Strukturwandel passiert“, erklären Ragna und Jakob. Und vielleicht können die jungen Klimaaktivisten ja sogar ein wenig mit zum Wandel beitragen.

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