Hier wird Oespels einziger Wein geerntert

Weinlese am Markenwaldweg

In einem Garten am Oespeler Markenwaldweg liegt Westfalens wohl widerstandsfähigstes Weinanbaugebiet: Seit den 1970er-Jahren trotzen Hans Joachim Neuhoffs Reben den westfälischen Wintern. Nun läuft die Weinlese - und der Winzer ist überzeugt: Es wird der beste Jahrgang seit langem.

OESPEL

24.10.2013, 00:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Weil die Lese üppig ausfgefallen ist, will Neuhoff diesmal einen Teil der Trauben zu Saft verarbeiten.

Weil die Lese üppig ausfgefallen ist, will Neuhoff diesmal einen Teil der Trauben zu Saft verarbeiten.

Zehn Körbe pro Tag wandern in den Keller, wo schon Hans Joachim Neuhoffs erste Maschine Marke Eigenbau wartet. Es handelt sich um eine Art Traubenquetsche. In ihr landen die Weintrauben, nachdem sie gründlich gewaschen und gerippt, also von ihren Stielen befreit worden sind.Das hat früher Neuhoffs Frau Edith ganz allein erledigt. Doch heute plagt die 83-Jährige ein Augenleiden. Sie kann nicht mehr mithelfen. Dafür ist Sohn Jürgen (60) zu Besuch. Er ist von Beruf Lehrer und unterstützt seinen Vater während der Herbstferien. 150 bis 200 Liter Rotwein stellt Hans Joachim Neuhoff jedes Jahr aus den Trauben seines Oespeler Gartens her. Auch Traubensaft will der Senior in diesem Jahr aus seinen Trauben machen, weil die Ernte wegen des nassen Frühjahres und des heißen Sommers besonders groß war.

Sobald die Trauben zur Maische verarbeitet worden sind, lagern sie erst einmal 12 bis 14 Tage in Containern. Anschließend landet die Maische in einer Presse. Die hat Hans Joachim Neuhoff ebenfalls selbst gebaut. Den Saft, der dabei ausläuft, sammelt der 84-Jährige und schüttet ihn in Glasballons. „Weil ich immer nur einen Teil der Trauben verarbeiten kann, dauert die gesamte Weinlese rund drei Wochen“, rechnet Neuhoff vor. Immer wieder werden Trauben gesammelt und in unterschiedlichen Containern gelagert. Danach wird der Inhalt der Container nacheinander gepresst.

Ist erst einmal der gesamte Saft in den Glasballons, kann es Hans Joachim Neuhoff endlich ruhiger angehen lassen. „Der Wein bleibt ein halbes Jahr in den Ballons. Dort gärt er und wird insgesamt drei Mal abgezogen." Das heißt: Der Wein wird drei Mal aus dem Ballon genommen. Anschließend werden sämtliche Ablagerungen vom Boden des Ballons entfernt und der Wein wieder in den Ballon geschüttet. Zum Schluss zieht Neuhoff den Wein auf Flaschen. Besonders stolz ist er darauf, dass er für seinen guten Tropfen weder Hefe noch Schwefel verwendet. „Mein Wein ist gesund. Ich gönne mir jeden Tag ein Glas zum Abendessen“, setzt der Senior auf italienische Lebensart, die er lieben lernte, als er für die Firma Thyssen in den Dolomiten arbeitete. „Damit ist sogar mein Kardiologe einverstanden“, berichtet der 84-Jährige, der ansonsten höchstens am Wochenende Alkohol trinkt. „Auch das ist Tradition“, sagt er. „Nach jedem Sieg von Borussia Dortmund gönne ich mir ein Pinnchen Bachmann.“

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