Hilflose Gestalt, Irrer mit hässlicher Fratze

18.09.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Langsam verliere ich dich / immer mehr / manchmal weiß ich nicht / ob du noch mein Vater bist / du bist nur noch eine hilflose Gestalt / ein Irrer mit einer hässlichen Fratze"

So einfühlsam und emotional beschreibt das Ein-Personen-Stück "Kreisel" mit Thomas Borggrefe die Welt eines Demenzkranken und seines Sohns. Der Vater zieht sich mit fortschreitender Krankheit immer mehr in seine eigene Wirklichkeit zurück, erinnert sich weder an den Tod seiner Frau noch an die Namen der Enkelkinder. Währenddessen versucht der Sohn verzweifelt, seinen Vater in diesem alten, verwirrten Mann zu erkennen. Donnerstag (20. 9.) um 18.30 Uhr ist das Stück in den Räumen des Theodor-Fliedner-Heims zu sehen.

Schauspieler und Theologe Thomas Borggrefe arbeitet unter u.a. als Seelsorger in einem Pflegeheim für Alzheimerpatienten in den Niederlanden und tourt momentan mit "Kreisel" durch Deutschland. Dass er noch vor dem Weltdemenztag am Freitag (21. 9.) Station in Dortmund macht, beschreibt Gabriele Rohrmann, Leiterin des Theodor-Fliedner-Heims, als "absoluten Glücksfall". "Diese Aufführung ist eine große Chance. Ein Theaterstück kann Menschen viel emotionaler berühren als ein Vortrag, und das macht es leichter mit ihnen ins Gespräch zu kommen", hofft sie. Demenz sei immer noch ein großes Tabuthema.

Aber warum heißt das Stück "Kreisel"? "Sie müssen sich das so vorstellen", erklärt Gabriele Rohrmann "Einem Demenzkranken entgleitet die Welt jeden Tag ein bisschen mehr. Zuerst leidet das Kurzzeitgedächtnis und der Betroffene kann keine neuen Informationen 'speichern'. Er oder sie ist in seinen eigenen Gedanken gefangen, die sich im Kreis drehen. Wie ein Kreisel eben." lis

"Kreisel" mit Thomas Borggrefe, Donnerstag (20. 9.) um 18.30 Uhr im Theodor-Fliedner-Heim, Wittekindstraße 98a; Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.

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