Hip Hop-Heroen "Too Strong" mal rockig

Konzert im FZW

"Too Strong" sind wieder da. Was im alten FZW erfolgreich war, begeistert auch die Fans im neuen Freizeitzentrum West. Doch etwas war anders.

DORTMUND

22.04.2011, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Atom One und Doze von »Too Strong« (v.l.): Mit Band funktioniert das auch im neuen FZW ganz gut

Atom One und Doze von »Too Strong« (v.l.): Mit Band funktioniert das auch im neuen FZW ganz gut

Zuvor eine Rückblende: 1994, das kleine FZW steht noch am Neuen Graben, an der Schwelle von Jugendzentrum zur Konzerthalle. „Too Strong“ sind schon da, geben hier an einem Sommer-Abend gemeinsam mit der „Anarchist Academy“ der jungen Sprechmusik-Szene ein Gesicht. Jungs aus dem Dortmunder Süden, Graffiti, deutsche Reime und Rhythmen als Ausdrucksmittel. Der Ruhrgebiets-Hip-Hop dieser Zeit ist politisch, man rappt gegen Rechts und gegen Polizei-Repression. Von dieser Wut ist auch 17 Jahre darauf, im modernen FZW, noch eine Menge übrig. Gründungsmitglied Pure Doze und Atom One (a.k.a Der Lange) sind mittlerweile tief in den Dreißigern, tragen am Mikrofon immer noch ihre Alias-Namen.

Die Wahl der Mittel hat sich indes verändert. Denn neben den Plattentellern stehen plötzlich echte Instrumente. „The Vandals“ nennt sich die Begleitband mit Gitarre und Schlagzeug. Sie macht Krach, gnadenlos und technisch gut. Die Stimmen transportieren die Wut, Doze und Atom One schreien die Texte heraus. „Kommt her, kommt ganz nah her“, ruft Atom One in die Halle, eine kumpelhafte wie deutliche Aufforderung auf Dortmunder Art. Die Menge macht mit, nimmt die Einladung zum Feiern an. Manche Männer haben sich hier längst ihres T-Shirts entledigt, der große Rest nickt und wippt und erinnert sich längst vergangener Nächte irgendwo im Ruhrpott.

Immer wieder verbindet die Band alte „Too Strong“-Stücke mit bekannten Hit-Melodien, ein Stimmungsheber, ebenso wie die wirkungsvolle Erwähnung der aktuellen BVB-Erfolge. Aber mit jedem Song auch mehr irritierte Gesichter. Denn nicht jeder hat sich hier auf ein Konzert mit satten Gitarren eingestellt. Tatsächlich sind am Ende die Momente selten, in denen der musikalische Feinsinn und textliche Witz von „Too Strong“ richtig spürbar wird. Zu verkracht sind viele Lieder, als dass da Zwischentöne passten. Aber trotzdem bleibt zum Schluss für die meisten Zuschauer die freudige Erkenntnis: „Too Strong“ sind wieder da, im Herbst auch mit einem neuen Album.

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