Dortmund stand am Mittwoch (14.7.) teilweise unter Wasser. Was sollten Hauseigentümer beachten? © K. Oel
Ratgeber

Hochwasser: Was Dortmunder Hauseigentümer wissen müssen

Der Juli fällt bislang durch eines auf: Wetterextreme. Vielerorts kommt es vermehrt zu starken Niederschlägen, sodass Hochwasser droht. Gerade als Haus- oder Wohnungsbesitzer ist Vorsorge gefragt.

Ein Blick aus dem Fenster: Es regnet aus Eimern. Durch den Klimawandel und teils lange regenarme Wetterperioden verhärten die Böden. Hinzu kommt, dass gerade in Städten ganze Viertel durch Straßen und Beton nahezu versiegelt sind.

Das Regenwasser, das unaufhörlich zu Boden prasselt, kann nur durch den Kanal abgeführt werden.

Da weite Teile der Kanalisation nicht groß genug dimensioniert sind und aus vergangenen Jahrzehnten stammen, läuft das Wasser nur langsam ab. Es bildet sich Hochwasser. So geschehen jüngst beim Unwetter am Mittwoch (14.7.), als ganze Straßenzüge in Dortmund überschwemmt wurden und das Wasser aus einigen Gullys geradezu hinausströmte.

Was muss ich als Hauseigentümer wissen, um für diesen Fall vorgesorgt zu haben?

Eines vorweg: Die Universallösung gibt es nicht. Allgemein wird der Einsatz einer Rückstauklappe empfohlen, damit kein Abwasser über die Leitungen zurück ins Haus fließen kann.

Bautechnisch vorsorgen

Unternehmer Detlef Johrendt ist Sachverständiger für Gebäudeschäden mit dem Schwerpunkt Bautenschutz. Das Unternehmen ist auf Feuchtigkeits- und Bauprobleme spezialisiert. Laut Johrendt ist grundsätzlich eines wichtig: Verstopfungen vermeiden.

Er sagt: „Dachrinnen sollten immer sauber sein, damit sich im Regenfallrohr und danach in der Hausentwässerungsleitung keine Verschlüsse durch Laub, Geäst, Schmutz, Tennisbälle bilden können.“

Eine Reinigung kann grundsätzlich jeder durchführen – ansonsten können auch Dachdeckerbetriebe für die Reinigung der Dachrinne und Rohrreinigungsfirmen behilflich sein. Rohrreinigungsfirmen können Verstopfungen spülen, kleinere Defekte an den Entwässerungsleitungen reparieren und Brüche in den Rohren ausfindig machen. Im schlimmsten Fall müssen die Rohre erneuert werden.

Wasser kann durch Abflüsse ins Haus eindringen

Haben Hausbesitzer ihre Dachrinnen und Rohre überprüft, das Hochwasser auf den Straßen steigt aber dennoch weiter an, droht dem Hauseigner, dass das Wasser über die frisch sanierten oder gereinigten Leitungen zurück in die anliegenden Häuser läuft. Wasser dringe dann durch die Kellerbodenabläufe, Toiletten und Waschbecken ins Haus ein, so Johrendt.

Solche Situationen lassen sich vermeiden, wenn man einen Revisionsschacht – einen Schacht außerhalb des Hauses – hat. „Baut man hier eine sogenannte Regenrückstausicherung ein, hat man dem anrückenden Kanalwasser einen Riegel vorgeschoben“, führt er auf.

Unterschätzte Gefahr

Viele Kellerräume verfügen über Lichtschächte, die sich an der Oberfläche der Hauswand befinden. Durch entstandenen Rost und über die Öffnung am Boden kann bei Starkregen Regenwasser in den Schacht laufen. Abhilfe könne ein Anschluss an die Drainage-Leitungen schaffen.

Dies sei laut Detlef Johrendt aber in vielen Städten untersagt, da das Regenwasser nicht über den Schmutzwasserkanal abgeführt werden darf. Bei einem existierenden Anschluss würde dann zusätzlich eine Rückstausicherung helfen. Um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein, empfiehlt der Experte, druckwasserdichte Kellerfenster im Lichtschacht einzubauen.

Richtig versichert sein bei Hochwasserschaden

„Sofern ich als Eigentümer nicht durch einen entsprechenden Elementarversicherungsschutz vorgesorgt habe, bleibe ich auf dem Schaden sitzen“, erklärt Dennis Soldmann von Haus & Grund Dortmund.

Eine Elementarversicherung sichert bei Unwetterschäden ab. Bei möglichen Schäden muss zwischen Gegenstand/ Einrichtung, sogenanntem Hausrat, und Gebäude unterschieden werden. Bei den Schäden helfen die jeweiligen Versicherungen.

Eine bestehende Wohngebäude- oder Hausratversicherung kann um den Baustein Elementarschäden erweitert werden, führt Dennis Soldmann auf. „Im Falle einer vorhandenen Elementarversicherung können Sie ihrem Versicherer den Schaden anzeigen. Dies sollte so schnell wie möglich erfolgen.“

Soldmann empfiehlt, dass der Wert des Gebäudes und des Hausrats regelmäßig durch einen Experten überprüft wird, damit sich die Versicherung im Schadensfall nicht wegen formeller Fehler aus der Verantwortung ziehen könne.

Vorsicht vor Wartezeiten

Ebenso soll beim Abschluss der Versicherung darauf geachtet werden, ob die Versicherung erst nach einer Wartezeit gültig wird – diese könne zwischen sieben und 30 Tagen betragen. Wer also heute versichert und morgen einen Schaden hat, hat keinen Anspruch.

Gebäude- und Hausratversicherungen sind sogenannte Neuwertversicherungen. Dadurch erstattet der Versicherer den Wert für einen gleichwertigen neuen Gegenstand.


Wann greift die Elementarversicherung?

Vorneweg: Die Elementarversicherung ist ausschließlich als Zusatz zu einer bestehenden Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung möglich. Sie wirkt bei Elementarschäden, die durch Naturrisiken entstehen. Dazu zählen Überschwemmungen, die beispielsweise durch Starkregen, Rückstau, einen Erdrutsch oder eine Lawine entstanden sind.

Soldmann rät, vor Abschluss des Elementarschutzes einen aufmerksamen Blick in die Versicherungsbedingungen zu werfen oder im besten Fall mit dem Versicherer über die Anforderungen im Schadensfall zu sprechen. Da Eigentümer in Dortmund über die Entwässerungssatzung grundsätzlich verpflichtet seien, Gebäude gegen Rückstau von Abwasser aus dem öffentlichen Abwasserkanal zu schützen, kann es im Schadensfall zu Problemen führen.

„Während einige Versicherungen sehr kulant und kundenorientiert handeln, verlangen andere, dass der Versicherungsnehmer eine Rückstauvorrichtung vorhält, sofern die jeweilige Satzung der Kommune den Eigentümer dazu verpflichtet“, so Soldmann.

Ohne Elementarversicherung gibt es keinen Anspruch

Dennis Soldmann sagt: „Der Versicherungsschutz der Wohngebäudeversicherung ohne Elementarversicherung umfasst lediglich die Gefahren wie Feuer (…), Sturm und Hagel. Bei Hochwasserschäden bedarf es daher einer Elementarversicherung.“

Kommunikation mit der Versicherung ist im Schadensfall die oberste Priorität. Anschließend wird empfohlen, den Schaden zu dokumentieren – Fotos und Videos können dabei helfen, um diese später gegenüber der Versicherung nachweisen zu können. Dann wird geprüft, ob die Versicherung des Konsumenten greift – er den Schaden also nicht verursacht hat.

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