Hörderin in Ostfriesland bekommt ein Stück Heimat zurück

mlzGWS Dortmund

Birgit Grams aus Hörde betreibt ein Hotel in Ostfriesland. Der Umzug kostete sie Anteile an einer Wohngenossenschaft. Mit uns sprach sie über das Missverständnis und das Leben im Norden.

von Marc Dominic Wernicke, Michael Nickel

Hörde

, 04.09.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Birgit Grams (55) lebt seit elf Jahren mit ihrem Mann in Ostfriesland und betreibt dort das Parkhotel Phoenix – benannt nach einem Wahrzeichen ihrer Heimat Hörde. Doch erst vor einem Monat erfuhr sie, dass ihre Mitgliedschaft bei der „GWS Wohnen Dortmund-Süd“ nach ihrem Umzug verfallen war. Wie konnte es dazu kommen?

„Ich habe das mehr oder weniger durch Zufall herausgefunden“, schildert Birgit Grams. Dass die Genossenschaft sie nach zuvor 35 Jahren Mitgliedschaft scheinbar ohne Rücksprache ausschließen und ihre Anteile im Wert von 750 Euro samt Zinsen einbehalten würde, konnte sie sich nicht erklären.

Hörderin in Ostfriesland bekommt ein Stück Heimat zurück

Seit 2008 betreibt die Hörderin Birgit Grams das Parkhotel Phoenix im ostfriesischen Hage. © Privat

„15 Jahre lang haben wir das Hotel-Restaurant Jägerheim in Holzen betrieben. Viele GWS-Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder kannten uns“, erklärt Birgit Grams. „Als wir 2008 nach Ostfriesland umzogen, hatte ich die Ummeldung meiner Adresse an die GWS zugegebenermaßen nicht auf dem Schirm – aber ich hatte angenommen, dass sie vielleicht an mich denken würden. Auch hier besuchen uns schließlich viele GWS-Bekannte von damals. Es ist mir also vollkommen unverständlich, wie mein Aufenthaltsort ‚unbekannt‘ sein konnte.“

Eine Ummeldung ist eigentlich erforderlich

Das Jägerheim lief gut, doch in einer Stadt wie Dortmund waren die Gäste vor allem Geschäftsreisende. Und die hatten wenig Zeit und viel Stress. „Hier ist es jetzt schöner“, sagt Grams: „Wenn die Menschen bei uns ankommen, haben sie schon ein Lächeln im Gesicht.“

Hörderin in Ostfriesland bekommt ein Stück Heimat zurück

Birgit Grams kommt aus Hörde, lebt und arbeitet mittlerweile in Ostfriesland. © privat

Nur warum zog es sie und ihren Mann nach Hage in Ostfriesland? Der Grund liegt ein paar hundert Meter weiter und ist ein Ferienpark. Der ist vor mehreren Jahrzehnten gebaut worden – und es waren vor allem Stahlarbeiter vom Phoenix-Gelände, die hier Urlaub machten und sich für 40.000 Mark ihr Ferienhaus kauften.

Daher war die Auswahl des Ortes nicht sonderlich schwierig für das Ehepaar. Ihr Hörde vermisst sie allerdings sehr. „Wir haben dort ja noch immer Freunde und Familie“, sagt sie. Nur selten schafft es das Ehepaar, für einen Besuch nach Dortmund zu kommen – das Hotel ist ständig ausgebucht.

Ein Ferienpark für Dortmunder gab den Ausschlag

Die Verbindung nach Hörde hielt sie aber durch ihre GWS-Anteile immer aufrecht, dachte Grams. Laut der öffentlich einsehbaren Satzung der GWS werden aber Mitglieder, deren Aufenthalt länger als drei Jahre unbekannt bleibt, per Beschluss des Vorstands ausgeschlossen. Betroffene würden zuvor darauf hingewiesen und hätten die Möglichkeit, sich zu äußern.

Ist der Ausschluss entschieden, müsse das ehemalige Mitglied schnellstmöglich per Einschreiben darüber informiert werden. Eine Berufung sei innerhalb von einem Monat nach Eingang dieses Einschreibens möglich. Doch wer unbekannt verzogen ist, könnte dies womöglich erst viel später erfahren – so wie Birgit Grams.

Hörderin in Ostfriesland bekommt ein Stück Heimat zurück

„Am Anfang sah man uns mit unserer Borussiafahne hier etwas skeptisch an", sagt Birgit Grams und erinnert sich an die erste Zeit in Ostfriesland. „Inzwischen haben wir uns hier aber gut eingelebt und begrüßen auch regelmäßig Gäste aus Dortmund." © Privat

„Es stimmt schon, dass ich mich über Jahre nicht in eigener Sache bei der GWS gemeldet habe. Dafür habe ich mich auch entschuldigt“, erklärt die Hörderin – und betont, dass sie die Genossenschaft nie verlassen wollte: „Ich wollte nicht kündigen und auch keine Auszahlung der Anteile. Ich möchte nur weiterhin Mitglied bleiben.“

Jetzt gibt es vor allem eines: Erleichterung

Kürzlich gelang es ihr, Kontakt zum GWS-Vorstandsvorsitzenden Boris Deuter aufzunehmen. Mit ihrer Erklärung wendete sich schließlich alles zum Guten: „Mir wurde daraufhin mitgeteilt, dass meine Mitgliedschaft ab sofort wieder Gültigkeit hat. Meine Genossenschaftsanteile werden unter einer neuen Mitgliedschaftsnummer weitergeführt“, sagt Birgit Grams erleichtert.

„Ich danke der GWS für ihr freundliches Entgegenkommen und freue mich darauf, mit meinem Mann nach unserer Rente nach Hörde zurückzukehren.“ Ihre Rückkehr dürfte aber noch 15 Jahre dauern. Damit sie und ihr Mann dann trotzdem nah am Wasser sind, wird es vielleicht an den Phoenix-See gehen.

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