Hoher Besuch in Mengede: Erinnerungen an einen Tag mit Albert Schweitzer

mlzAlbert-Schweitzer-Realschule

Albert Schweitzer hat den Mengedern vor 60 Jahren ein Geschenk gemacht: Er kam zu Besuch in den Stadtbezirk. Und die Mengeder hielten auch Geschenke für den Urwald-Arzt bereit.

von Karlheinz Bohnmann

Mengede

, 22.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Mengeder erinnern sich gut: „So etwas vergisst man nicht. Auch nicht nach 60 Jahren.“ Jürgen Küster, ein ehemaliger Schüler, spricht vom Besuch Albert Schweitzers am 7. Oktober 1959 in der nach ihm benannten Mengeder Realschule, die damals ihren Standort an der Adalmundstraße hatte. Bodo Kaffsack erinnert sich: „Wir haben für den berühmten Besucher auf der Treppe und im Flur Spalier gestanden. Und ich habe auch im Chor mitgesungen.“

Seit dem 14. Januar 1958 hieß sie Albert-Schweitzer-Realschule – auf Initiative von Direktor Alfred Reinoldsmann (+1966), der ein Verehrer des großen Menschenfreundes und Urwald-Arztes war.

Besuch war eine Sensation in Mengede

Für die Schule war es eine Sensation, dass dieser weltberühmte Mann die Schule in Mengede besuchen wollte, die nicht nur seinen Namen trug, sondern auch sein Lebenswerk in Lambarene unterstützte. In dem Ort in Gabun hatte Schweitzer ein Krankenhaus errichtet.

Auf einer Europa-Reise kam er nun auch wieder nach Dortmund. Bei diesem Anlass konnte ihm Reinoldsmann eine Spende von 1000 DM überreichen, die Schüler und Lehrer für das Spital in Afrika gesammelt hatten.

Hoher Besuch in Mengede: Erinnerungen an einen Tag mit Albert Schweitzer

Direktor Alfred Reinoldsmann (r.) begrüßte Albert Schweitzer bei seinem Besuch in Mengede. © Repro Bohnmann

Reinoldsmann war zum Verehrer Schweitzers und dessen Lebenswerk geworden, nachdem er diesen bei einem Orgelkonzert in der Reinoldi-Kirche erlebt hatte. Schweitzer war nämlich auch ein brillianter Organist.

Auch in Mengede wurde Schweitzer musikalisch begrüßt. Für den festlichen Anlass hatte Musiklehrer Peter Gülleckes nach einem Text des Schriftstellers Josef Reding eine Kantate komponiert.

Mengeder Großuhrmacher fertigte Geschenk an

Von dem Engagement der Realschule für Albert Schweitzer hatte sich auch der damals in Mengede lebende Großuhrmacher Hans-Ulrich Greinke anstecken lassen. Greinke fertigte für Schweitzer eine große Uhr an, deren bronzenes Ziffernblatt Tiere des afrikanischen Urwaldes zierten.

Außerdem bekam Schweitzer später von Greinke eine Glocke. Greinke hatte sie geschenkt bekommen und auf eigene Kosten beim „Bochumer Verein“ mit Unterstützung für das Hospital in Lambarene umgießen lassen. Wie Besucher erst vor Kurzem feststellen konnten, steht die „Mengeder Glocke“ dort noch immer.

Hoher Besuch in Mengede: Erinnerungen an einen Tag mit Albert Schweitzer

Die „Mengeder Glocke“ steht noch heute vor dem Hospital in Lambarene. © Archiv Bohnmann

Das Werk Schweitzers inspirierte auch den griechischen Bildhauer Professor Nikolaus Ikaris, dessen Schwester in Mengede wohnte und dessen Neffe die Realschule besuchte. „Nicki“ Ikaris hatte für mehrere Jahre ein Gast-Atelier auf der früheren Zeche Gustav in Oestrich. Er schuf für die Realschule ein Relief Albert Schweitzers.

Albert Schweitzer starb 1965 im Alter von 90 Jahren – sechs Jahre nach seinem Besuch in Mengede. Sein Werk in Lambarene aber existiert weiter. Und die „Mengeder Glocke“ auch.

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