Horrorszenario oder Zeichen von Fortschritt

30.01.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Es ging um Kinder. Oder besser gesagt um die Kinder, die fehlen: "Die kinderlose Gesellschaft. Verrat an der eigenen Zukunft?" Unter diesem Titel hatten die Kommende Dortmund und DGB Östliches Ruhrgebiet am Dienstag zu ihren gemeinsamen "Rosinengesprächen im Rittersaal" eingeladen.

Im Mittelpunkt standen dabei der Stellenwert dieser Zukunftsfrage in unserer Gesellschaft und die Rahmenbedingungen, die über Anstieg und Fall der Geburtenraten mit entscheiden. Gegen eine einseitige politische Vereinnahmung des Themas diskutierten die Vertreter von DGB und Kommende gemeinsam mit zwei Expertinnen: Ellen Hilf, stellv. Leiterin der Sozialforschungsstelle Universität Dortmund (SFS), und Prof. Dr. Elisabeth Jünemann, die an der Kath. Fachhochschule in Paderborn den Lehrstuhl für theologische Ethik und Anthropologie innehat.

Doch ist eine niedrige Geburtenrate überhaupt ein Problem? Könnte das vermeintliche Horrorszenario nicht auch ein Zeichen von Fortschritt sein? Aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel betrachtete Ellen Hilf das Thema und machte deutlich, dass die Lebensbedingungen für Kinder bei der "Zukunftsfrage" entscheidend sind, nicht deren Zahl. Die Bedingungen der Dortmunder Kinder skizzierte dazu DGB-Vorsitzender Eberhard Weber mit einem kurzen Zitat aus dem Sozialbericht der Stadt: "Jedes dritte Kind unter 15 Jahren lebt von Hartz-IV. Es stehen ihm damit 2,60 Euro pro Tag für Essen und Trinken zur Verfügung."

Elisabeth Jünemann macht äußere Umstände dafür verantwortlich, dass viele ihren Kinderwunsch nicht umsetzen. "Viele Funktionen der Familie, wie Pflege und Erziehung, werden ausgelagert", stellte sie fest. Die Leistungen von Eltern müssten entsprechend bezahlt werden. "Elterngeld ist der falsche Weg. Das honoriert nicht die Leistung, sondern den Verzicht auf Erwerbstätigkeit", so Elisabeth Jünemann. Sie fordert ein anderes Modell, das Mütter und Väter freistellt für die Arbeit in der Familie. rie

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