Huckarder Einzelhändler wegen Coronavirus in Existenznot: „Im Winter kauft bei uns fast keiner“

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Spätestens ab dem 19. März (Donnerstag) müssen Geschäfte in Huckarde wie überall geschlossen bleiben. Eine Katastrophe für die Inhaber und Mitarbeiter. Manche können eine Alternative bieten.

Huckarde

, 18.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am späten Dienstagabend (17.3.) wurden die Regeln im Umgang mit dem Coronavirus noch einmal verschärft. Geschäfte, die verzichtbar sind, sollten ab dem 18. März grundsätzlich geschlossen bleiben. Da der Erlass so spät kam, war der Mittwoch jedoch noch eine Grauzone.

Dennoch hielten einige Läden in Huckarde ihre Verkaufsräume bereits am Mittwoch geschlossen. „In den Laden kommt bei uns keiner mehr“, sagt Karl-Heinz Taubenberger vom gleichnamigen Goldschmiede-Atelier an der Rahmer Straße 9.

Bereits vor dem neuen Erlass habe er Termine mit den Kunden gemacht, sodass möglichst immer nur ein Kunde im Laden war. Am Mittwoch gab er noch fertige Schmuckstücke durch das Gitter vor seiner Ladentür aus.

„Das möchte ich am Freitag zur Marktzeit noch einmal machen“, sagt Karl-Heinz Taubenberger. „Am Donnerstag ist hier zu, und ab Samstag haben wir dann komplett geschlossen.“ Er gebe auch nur Schmuckstücke aus und nehme keine neuen Aufträge mehr an.

Goldschmied bleibt auf Waren sitzen

In der Werkstatt werde er arbeiten, solange noch nicht alles abgearbeitet sei. Karl-Heinz Taubenbergers Frau Annegret verkauft normalerweise nicht nur handgefertigten, sondern auch nicht-handgefertigten Schmuck im Laden neben der Werkstatt.

„Wir hatten bei den Händlern einiges für Ostern oder die Kommunion bestellt, Geschenke für die Kinder“, erklärt Karl-Heinz Taubenberger. „Bezahlen müssen wir es, aber wir werden wahrscheinlich auf der Ware sitzen bleiben.“

Karl-Heinz Taubenberger muss sein Goldschmiede-Atelier wegen des Coronavirus vorerst schließen.

Karl-Heinz Taubenberger muss sein Goldschmiede-Atelier wegen des Coronavirus vorerst schließen. © Carolin West

Das Fahrradgeschäft „Velodepot“ an der Huckarder Straße 337 hatte bis zuletzt gehofft, seine Räder samt Zubehör weiter verkaufen zu dürfen. „Gerade in Zeiten wie diesen, wo öffentliche Verkehrsmittel eine Gefahr darstellen, sind Fahrräder essenziell für die Mobilität“, erklärt eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht öffentlich nennen möchte.

Dennoch schloss das Velodepot seinen Verkaufsraum bereits am Mittwochmorgen. Bis einschließlich Freitag (20.3.) sollen Kunden noch reparierte Fahrräder aus der Werkstatt abholen können. „Schließlich sind auch einige Kunden im Pflegebereich tätig und auf ihr Rad angewiesen.“

Verkauf vor der Tür wäre eine Option gewesen

Für das Velodepot wäre auch der Verkauf vor dem Laden eine Option gewesen. Jedoch sei das offenbar nicht erlaubt, sagt die Mitarbeiterin. „Wobei die Informationspolitik auch sehr mager ist“, sagt sie. „Apotheken wissen genau, was zu tun ist, für uns ist noch einiges unklar.“

Zudem gebe es quasi stündlich neue Nachrichten. Das Velodepot sorgt sich nicht nur um die Quarantäne-Zeit, sondern auch darum, wie lange der aktuelle Zustand anhält und wie sehr die Kaufkraft der Dortmunder unter dem Coronavirus leiden wird. „Für uns ist all das ein Fiasko“, sagt die Mitarbeiterin. „Wir sind wie eine Eisdiele: Im Winter kauft bei uns fast keiner.“

Andere Geschäfte im Stadtbezirk hoffen indes in Corona-Krisenzeiten auf ihre Online-Shops.

Huckarder Händler verweisen auf Online-Shops

„Ich kann die Kunden nur darum bitten, nicht die Großen zu unterstützen, sondern uns Kleine“, sagt Claudia Rohmann, die gemeinsam mit Sabine Kurmann die Buchhandlung „Seitenreich“ an der Huckarder Straße 352 führt.

Claudia Rohmann appelliert an die Huckarder, aber auch an alle Dortmunder, zunächst zu prüfen, ob die lokalen Geschäfte Online-Angebote haben, bevor sie bei den Online-Riesen bestellen.

Die Buchhandlung „Seitenreich“ habe beispielsweise einen eigenen Online-Shop, über den Kunden E-Books und Hörbücher herunterladen, aber auch Papier-Ausgaben bestellen können. „Aufgrund der momentanen Situation ist die Lieferung sogar kostenlos“, sagt Claudia Rohmann.

Der Zwei-Frau-Betrieb hofft, so seine Existenz retten zu können. „Wir versuchen auch schon, herauszufinden ob und wie der Staat uns unterstützen könnte“, sagt Claudia Rohmann. „Das ist eine furchtbare Situation.“

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