Hunderte Anfragen und Preiserhöhungen - Frisöre nach der Corona-Auszeit

mlzCoronavirus

Am 4. Mai dürfen die Friseure in NRW ihre Salons wieder öffnen. Die Nachfrage ist riesig – auch im Dortmunder Westen. Gibt es in den kommenden Wochen überhaupt noch freie Termine?

Bövinghausen, Oespel, Mengede, Kirchlinde

, 29.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die fast sechswöchige Zwangspause wegen des Coronavirus ist für die Friseur-Betriebe in Nordrhein-Westfalen ab dem 4. Mai beendet. Die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung laufen auch in den Salons im Dortmunder Westen auf Hochtouren.

Die Inhaber und ihre Mitarbeiter müssen viele strenge Abstands- und Hygiene-Regeln erfüllen. „Das ist alles sehr anstrengend, aber trotzdem überwiegt die Freude, dass wir endlich wieder arbeiten dürfen“, sagt Nina Degen, Inhaberin des Salons „Coiffeur Schäfer“ in Mengede.

Momentan ist die Mengeder Friseurmeisterin im Rückruf-Stress. Rund 300 Kunden haben in den vergangenen Tagen auf den Anrufbeantworter gesprochen und um einen Termin gebeten.

Nur noch sieben statt 14 Bedienplätze

„100 haben wir erst geschafft zurückzurufen“, sagt Nina Degen am Dienstagmittag (28.4.). Sie schätzt, dass ihr Salon in den kommenden vier Wochen mehr oder weniger ausgebucht sein wird. Wegen der Abstandsregeln könnten von den bislang 14 nur 7 Bedienplätze genutzt werden.

Ariane Vasiliou (M.) und ihr Team wollen vorerst auch montags arbeiten, damit alle Kunden schnell einen Termin bekommen.

Ariane Vasiliou (M.) und ihre Mitarbeiterinnen wollen vorerst auch montags arbeiten, damit alle Kunden schnell einen Termin bekommen. © Salon Mekelburg

„Gott sei dank geht es wieder los“, sagt auch Ariane Vasiliou (54) vom Mengeder Salon Mekelburg. Für die nächsten zweieinhalb Wochen habe sie bereits alle Termine vergeben.

Über Instagram, Facebook und telefonisch hätten sich ihre Kunden einen Termin gesichert. „Aber ich bin auch bereit, montags zu arbeiten, damit die anderen Kunden, die sich noch nicht melden konnten, auch eine Chance haben.“

Friseurmeisterin möchte lieber mit Schweißerhut statt Maske arbeiten

Für sie als Brillenträgerin sei es am schlimmsten, mit Maske arbeiten zu müssen. „Lieber wäre mir eine Art Schweißerhut, aber ich weiß nicht, ob der erlaubt ist.“ Es gebe ohnehin noch einige offene Fragen, zum Beispiel, ob man den Kunden in Einmal-Tassen und -Bechern Getränke reichen darf. „Gekauft habe ich schon welche.“

Jetzt lesen

Der „Hair Brothers“-Friseursalon in Bövinghausen kann sich ebenfalls vor Kundenanfragen kaum retten. Mindestens 100 warten aktuell auf einen Rückruf. „Am Samstag beginnen wir mit der Terminvergabe“, sagt Friseurmeisterin Laura Schoppmeier.

Hair-Brothers-Inhaber Erhan Karavin bereitet seinen Salon für die Wiedereröffnung vor. Hier richtet er gerade die Markierungen und Absperrungen ein.

Hair-Brothers-Inhaber Erhan Karavin bereitet seinen Salon für die Wiedereröffnung vor. Hier richtet er gerade die Markierungen und Absperrungen ein. © Hair Brothers

Für den Anfang seien sie mit Hygieneartikeln wie Einmal-Umhängen, -masken und -Handschuhen gut ausgestattet. „Die Innung hat uns dabei unterstützt“, betont Schoppmeier. Zukünftig werde hier statt an neun nur an fünf Bedienplätzen gearbeitet.

Maske vor allem bei Kurzhaarschnitten eine große Herausforderung

Die größte Herausforderung sei wegen der Maskenpflicht auch für die Kunden in ihren Augen das Schneiden von Kurzhaar-Frisuren. „Da wird es vor allem bei den Konturen schwierig.“

Ein entspanntes Unterhalten sei mit Mundschutz wahrscheinlich nicht mehr möglich, befürchtet die 31-Jährige. „Gerade für die älteren Kunden ist das ein Verlust, weil sie nicht mehr so viele Menschen zum Reden haben.“

Jetzt lesen

Svea Reetz von „Der Friseur“ in Kirchlinde hat mit der Terminvergabe erst am Dienstag (28.4.) begonnen und dafür die Geschäfts-Nummer auf ihr Handy umgeleitet. „Die nächsten eineinhalb Wochen bin ich bereits ausgebucht“, berichtet die 28-Jährige am Dienstagmittag.

Kunden sollen Mund- und Nasenschutz am besten mitbringen

Svea Reetz arbeitet alleine in ihrem Salon an der Frohlinder Straße. „Bei den Abstandsregeln habe ich es da etwas einfacher.“ Sie bittet bei der Terminvergabe alle Kunden darum, ihren Mund- und Nasenschutz mitzubringen.

Svea Reetz (28) arbeitet alleine in ihrem Salon "Der Friseur" in Kirchlinde. "Bei den Abstandsregeln habe ich da etwas einfacher.“

Svea Reetz (28) arbeitet alleine in ihrem Salon "Der Friseur" in Kirchlinde. "Bei den Abstandsregeln habe ich es da etwas einfacher.“ © privat

Am meisten werden wohl die Kinder unter den strengen Regeln leiden, meint sie. „Eine Maske tragen und sich dann auch noch die Haare waschen zu lassen, das wird vielen nicht gefallen“, vermutet Svea Reetz. Trocken-Haarschnitte sind in der Corona-Krise nicht erlaubt.

Ulrike Wernicke, Inhaberin von „Abschnitt 34“ in Oespel, ist für die nächsten beiden Wochen bereits „dicht“. „Es kommen aber ständig weitere Anrufe.“ Die meisten ihrer Kunden seien über die strengen Regeln bereits bestens informiert. „Das wichtigste ist das Händewaschen, sobald sie den Salon betreten haben.“

Preiserhöhungen von rund zwei Euro planen die Salons im Dortmunder Westen

Alles weitere müsse sich einspielen, so die Friseurmeisterin, etwa wie viel Zeit man für das Reinigen des Friseurstuhls und der Ablagen einplanen muss. Nach jedem Kunden, so die Vorschrift, muss alles abgewischt werden. „Dass ich den Kunden keine Getränke mehr anbieten darf, finde ich doof.“ Sie habe noch nichts davon gehört, dass Einweggeschirr erlaubt ist.

Das Team von Abschnitt 34 in Oespel ist in den ersten beiden Wochen ab dem 4. Mai komplett ausgebucht.

Das Team von Abschnitt 34 in Oespel mit Inhaberin Ulrike Wernicke (r.) ist in den ersten beiden Wochen ab dem 4. Mai komplett ausgebucht. © Abschnitt 34

Wie Ariane Vasiliou wünscht sich auch Ulrike Wernicke eine bessere Aufklärung in Detailfragen. „Man wird mit allem alleine gelassen. Bislang ist es mir noch nicht gelungen, einen Lieferanten für die vorgeschriebenen Einweg-Umhänge zu finden.“

Die Friseurmeisterinnen der Salons Coiffeur Schäfer, Hair Brothers und Mekelburg sprechen offen über Preiserhöhungen von rund zwei Euro pro Kunde. Grund sind vor allem ihre Mehrausgaben für Masken, Desinfektionsmittel (Flächen und Hände) sowie Einmalhandschuhe und -umhänge.

Lesen Sie jetzt