Ich bau’ mir eine Bushaltestelle

Eigeninitiative

Zwei Plastikstühle, einen Plastikeimer, einen Sonnenschirm: Das braucht Anne Potthoff-Uniewski, um an einer Bushaltestelle im Stadtteil Berghofen gleich zwei Probleme auf einmal zu lösen. Die ist mit dem gesamten Berghofer Ortskern in diesem Frühjahr umgebaut worden. Es gibt keine Überdachung und keinen Papierkorb. Also ist die Dortmunderin selbst zur Tat geschritten.

BERGHOFEN

18.08.2017, 16:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
Anne Potthoff-Uniewski vor dem improvisierten Wartebereich der Bushaltestelle vor ihrer Haustür.guth

Anne Potthoff-Uniewski vor dem improvisierten Wartebereich der Bushaltestelle vor ihrer Haustür.guth

Anne Potthoff-Uniewski hat ihr Haus hinter dem kleinen Gitterzaun an der Haltestelle „Iltisweg“. Beste Sicht auf das Busgeschehen also. Die Idee, Stühle herauszustellen kam ihr erstmals, als sie ein älteres Ehepaar an der Haltestelle beobachtete. „Der Mann konnte nicht gut stehen. Er hat das Schild umarmt, bis der Bus kam.“ Seitdem stehen zwei blaue Plastikstühle am Zaun.

Müll im Vorgarten

Weil außerdem über Wochen immer wieder der Müll der Wartenden in ihrem Vorgarten landete, hat Anne Potthoff-Uniewski noch einen Plastikeimer daneben gehängt. Zeitweise kam in dieser Woche außerdem ein Sonnenschirm hinzu. Fertig war der „Haltestellenunterstand“, wie es auf einem handgeschriebenen Schild steht.

Die Hilfe kostet die Berghoferin nicht viel, bringt ihr aber viele dankbare Worte von Fahrgästen und positive Reaktionen der Busfahrer. Was sie jedoch ärgert: „Ich soll den Winterdienst für die deutlich vergrößerte Fläche dieser Haltestelle bezahlen, über die wir damals nicht einmal informiert wurden und durch die Parkplätze verloren gegangen sind. Und dann gibt es nicht einmal einen Abfalleimer.“

Nahverkehrsbetreiber DSW21 sagt auf Anfrage dieser Redaktion, dass für die Haltestelle ein kompletter Unterstand (inklusive Abfalleimer) geplant sei. „Das hat eine hohe Priorität“, sagt DSW21-Sprecher Bernd Winkelmann.

Eine Bauvoranfrage liege bereits seit 2016 vor, nun sei der weitere Verlauf von der Genehmigung abhängig. Aktuelle werde der Verlauf von Leitungen unter dem Asphalt überprüft. Liegt die Genehmigung vor, könnte ein Bushäuschen „kurzfristig“ entstehen, sagt Winkelmann. Einen genauen Zeitraum benennt er nicht.

Also bleiben bis auf Weiteres die Plastikmöbel von Anne Potthoff-Uniewski die einzige Sitzmöglichkeit an der Berghofer Straße. Die einfache Frage, ob nicht für die Zwischenzeit zumindest ein Übergangs-Papierkorb aufgestellt werden könnte, beantwortet DSW21-Sprecher Bernd Winkelmann mit „Nein“. Dafür müssten Pfosten aufgestellt werden. Der Aufwand wäre zu groß, da die „große Lösung“, der Unterstand, ohnehin geplant sei.Felix.Guth

@ruhrnachrichten.de

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