Party-Spuren an der Möllerbrücke. Die ersten Nächte mit Ausgangsbeschränkungen verliefen ohne größere Störungen. © Björn Althoff
Bewusste Regelverstöße

„Ich feier’ weiter mit 7 bis 10 Leuten, am liebsten jede Woche“

Weil ihm die Ausgangsbeschränkung „zu weit“ gehe, feiert ein 35-jähriger Dortmunder mit seinem Freundeskreis einfach weiter – nachts und regelmäßig.

„Ich persönlich lasse mich nicht einsperren“, sagt der 35-jährige Dortmunder. Er hat sich an unsere Redaktion gewandt, um angesichts der inzwischen geltenden Ausgangsbeschränkungen seine Sicht der Dinge darzulegen. Die Kontakt- und Ausgangsbeschränkung gehe ihm „zu weit“. Deswegen nehme er gegebenenfalls auch hohe Bußgelder in Kauf, feiert mit seinen Freunden und ist auch nachts noch in Dortmund unterwegs. Er erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Unerlaubten.

„Ich war auch unterwegs, schön einen getrunken, gegen 2 Uhr gemütlich nach Hause gelaufen, achja“, kommentiert der Dortmunder, der anonym bleiben möchte, unter einem Facebook-Beitrag unserer Redaktion über die erste Nacht der Ausgangsbeschränkung in Dortmund. Erstmals galt ab Samstagfrüh (24.4.), 0 Uhr, in Dortmund eine Ausgangsbeschränkung – zuletzt war das 1945 der Fall.

Dortmunder habe sich mit sieben Freunden im Partykeller getroffen

Am Samstagabend habe er sich mit sieben Freunden bei einem Bekannten im Partykeller getroffen – „zum Fußball gucken, danach ein paar Bier trinken, Karten spielen, bisschen quatschen“, wie er sagt. Gegen 2 Uhr nachts habe er sich zu Fuß auf den Heimweg gemacht.

„Als ich aus der Tür kam, stand 100 Meter weiter ein Polizeiwagen mit Blaulicht. Ob die kontrolliert haben, weiß ich nicht“, sagt der 35-Jährige. Er sei daraufhin in die andere Richtung losgegangen. Unbehelligt. Sein Rückweg bis nach Hause sei etwa 3,5 Kilometer lang gewesen.

Dabei sei er unter anderem durch den Volksgarten in Lütgendortmund gegangenen. Ein Mal sei ihm ein Polizeiauto entgegen gekommen. „Ich weiß nicht, ob die mich gesehen haben, aber ich sag mal so: Wenn ich dort an jemandem vorbei gefahren wäre, hätte ich ihn gesehen“, meint er. Angehalten habe das Auto nicht. Ohne erwischt zu werden, sei er zuhause angekommen.

Treffen alle zwei Wochen – trotz der Corona-Regeln

„Wir machen das öfter, dass wir uns mit acht bis zehn Leuten privat treffen. So alle 14 Tage ungefähr“, gibt der 35-Jährige unumwunden zu. Über die hohen Bußgelder, die in Dortmund für Verstöße gegen die Ausgangs- und Kontaktbeschränkung gezahlt werden müssen, wisse er Bescheid. Aber das würde er im Zweifel riskieren.

Nach Inkrafttreten des geänderten Infektionsschutzgesetzes dürfen sich bundesweit in Städten und Kreisen mit einer Inzidenz über 100 – so wie in Dortmund – die Personen eines Haushalts nur noch mit einer haushaltsfremden Person treffen. Die Stadt Dortmund verhängt bei Missachtung der Regel ein Bußgeld von 250 Euro pro Person.

Auch Verstöße gegen die zwischen 22 Uhr und 5 Uhr des Folgetags geltende Ausgangsbeschränkung können in Dortmund teuer werden. Stadtsprecher Maximilian Löchter teilt auf Anfrage mit, bisher hätten Bund und Land keine Bußgeldhöhe festgelegt. „Bis dahin wird in Dortmund eine Regelgeldbuße von 150 Euro für dieses Delikt zugrunde gelegt“, sagt Löchter.

Gerade an diese beiden Beschränkungen will sich der 35-Jährige bewusst nicht halten. Als grundsätzlicher Coronaschutz-Kritiker will er sich aber nicht bezeichnen: „Ich finde es in Ordnung, mit Maske einkaufen zu gehen, und auch, dass einige Läden geschlossen sind.“

35-Jähriger: „Es ist mein Grundrecht, nach draußen zu gehen“

Er wohne mit seiner Freundin zusammen und habe nicht wirklich häufig Kontakt zu Menschen aus einer Corona-Risikogruppe. Für sich nimmt er in Anspruch: „Ich achte auf meine Mitmenschen, auch wenn ich mich nicht an alle Regeln halte.“

Sein Freundeskreis, mit dem er sich häufig trifft, teile die Haltung zu den Corona-Maßnahmen: „Die sind an sich auch verantwortungsvoll, aber finden die Ausgangsbeschränkung komplett fehl am Patz.“ Das würde auch auf die Härte der Kontaktbeschränkung und die Beschränkung auf Treffen mit einer einzigen haushaltsfremden Person zutreffen.

Und warum das alles? – „Es ist mein Grundrecht, nach draußen zu gehen“, begründet er sein Verhalten. Er sagt: „Ich feier‘ weiter mit 7 bis 10 Leuten, am liebsten jede Woche.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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Nick Kaspers

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