„Ich will nur ein Stück die Welt verbessern“ – Junge Dortmunderin gründet Startup

mlzNachhaltigkeit für unterwegs

Verpackungsmüll beim Einkaufen scheint beinahe unvermeidbar und der Plastikkonsum steigt stetig. Mit ihrem Startup „Myneats“ möchte eine junge Muslima aus Dortmund dem ein Ende setzen.

von Tabea Prünte

Dortmund

, 16.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Den können Sie direkt wieder mitnehmen“, sagt Aie Al-Khajat Gornig zum Kellner und drückt ihm drei Plastikpäckchen Zucker in die Hand, die mitsamt ihres Sojamilch-Cappuccino serviert wurden.

Es ist ein Sonntag-Nachmittag in einem Dortmunder Café und schnell macht sich die Agenda der jungen Frau bemerkbar: Das Thema Nachhaltigkeit liegt Aie am Herzen. So sehr, dass sie vor etwa einem Jahr ein eigenes Startup gegründet hat.

Ihr Produkt: ein etwa kreditkartengroßes Täschchen mit verschiedenen Alltagshelfern, die den Plastikverbrauch reduzieren sollen – vor allem für unterwegs.

Aie Al-Khajat Gornig hat mit "MyNeats" ihr eigenes Startup gegründet.

Aie Al-Khajat Gornig hat mit "MyNeats" ihr eigenes Startup gegründet. © MyNeats

Ihr Glaube hat die Idee vorangetrieben

„Ich sehe die Natur und die Umwelt als Gottes Geschenk und schützenswert“, so Aie. Die 24-Jährige ist muslimischen Glaubens, ihre Haltung ist daher tief in ihrem Weltbild verankert. „Ich finde, jeder sollte vorausschauend handeln, um diesem Geschenk keinen Schaden zuzufügen.“

Schon vor einigen Jahren habe sie sich über die Menge an Plastik beim Einkaufen aufgeregt und sich bei jeder Papiertüte für ein Brötchen beim Bäcker gefragt, wozu sie die überhaupt braucht.

„Zuerst kam mir die Idee von einem Unverpacktladen, sowas gab es damals noch nicht. Aber alle anderen meinten dann zu mir ‚Aie, du spinnst doch‘. Jetzt ärgere ich mich ein bisschen darüber, dass ich die Idee nicht umgesetzt habe.“

Mit „Myneats“ ist eine andere Idee gewachsen, zunächst entstanden aus einem eigenen Bedürfnis. Aie ist viel unterwegs und lebt einen typischen Pendleralltag.

Sie studiert medizinische Biologie und arbeitet momentan an ihrer Masterarbeit im Bereich der Krebsforschung. Da bleibt morgens in der Eile auch mal das vorbereitete Butterbrot zuhause liegen und sie ist auf ein Mittagessen to go angewiesen. Der Nachteil: viel Verpackungsabfall.

Ein „Myneats“ besteht aus Bambus-Besteck, einem Metallstrohhalm mit Reinigungs-Bürstchen und einem kleinen Baumwollbeutel.

Ein „Myneats“ besteht aus Bambus-Besteck, einem Metallstrohhalm mit Reinigungs-Bürstchen und einem kleinen Baumwollbeutel. © MyNeats

Mit Myneats alt Bewährtes in neuem Format

Doch es gibt Lösungen. Als Plastikbesteckersatz kann ein sogenannter Göffel – auf einer Seite Gabel, auf der anderen ein Löffel – dienen. Plastikstrohhalme können durch Alternativen aus Glas oder Metall vermieden werden. Statt einer Papiertüte beim Bäcker kann ein Baumwollbeutel herhalten. Diese Produkte gibt es bereits, für Aie haben sie sich längst bewährt.

Doch eines hat sie noch immer gestört: „Dann lag mein Göffel doch in der anderen Tasche, die ich nicht dabei hatte und auch den Baumwollbeutel habe ich zuhause liegen lassen“ - so musste sie am Ende doch wieder auf Einwegverpackungen zurückgreifen. „Warum gibt es also nicht etwas, das alles zusammenfasst?“

Aie stellt es sich kurzerhand selbst zusammen. „Meine Freunde fanden das gut, deshalb dachte ich, das gleiche Problem haben wohl auch andere“, erzählt sie. So fängt sie an, verschiedene Prototypen zu nähen, macht sich Gedanken über die Rohmaterialien ihrer Produkte und trifft erste wichtige Entscheidungen als Gründerin.

Alles hat angefangen mit einer provisorisch zusammengestellten Tasche für unterwegs.

Alles hat angefangen mit einer provisorisch zusammengestellten Tasche für unterwegs. © Privat

Angst vorm Scheitern

Vom ersten Schritt bis zum endgültigen Produkt ist es ein langer Weg. „Ich hatte auch Angst, mit meiner Idee zu scheitern“, gibt Aie zu. Doch vor allem ihr Mann ermutigt sie schließlich dazu, den Schritt zu wagen.

Als Studentin in Kapitalvorleistung zu treten, ist kaum möglich gewesen. Aie entscheidet sich daher für Crowdfunding. „Das hat nicht direkt geboomt und man muss schon viel Werbung dafür machen. Aber mittlerweile habe ich eventuell einen privaten Investor, der sich für mein Produkt interessiert.“

„Myneats“ gibt es in einer Single-Version und in einer Doppelversion. In der doppelten sind alle Gegenstände zweimal enthalten.

„Myneats“ gibt es in einer Single-Version und in einer Doppelversion. In der doppelten sind alle Gegenstände zweimal enthalten. © MyNeats

Sie hat das Logo designt, sich den Namen des Startups überlegt. Myneats soll einerseits klingen wie „my needs“, auf deutsch: „meine Bedürfnisse“. Zugleich steht „Neats“ für eine Kurzform aus „nature eats“ - „natürlich essen“.

In die Produktentwicklung steckt sie viel Zeit und Energie. Doch das ist es ihr wert. „Nachhaltigkeit muss einfach sein und darf nicht viel kosten“, findet Aie. „Mir geht es nicht um das Geld. Ich will nur ein Stück die Welt verbessern.“

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