IG Oberdorstfeld scheitert mit Petition gegen den Denkmalschutz für Zechensiedlung

Zechensiedlung Oberdorstfeld

Der Denkmalschutz für die Zechensiedlung Oberdorstfeld bleibt bestehen. Der Ausschuss für Bürgerdienste lehnte am Dienstag wie zuvor die Verwaltung eine Petition der IG Oberdorstfeld ab.

Dorstfeld

, 20.02.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der Denkmalstatus der Siedlung Oberdorstfeld entzweit die Eigentümer der alten Zechenhäuser.

Der Denkmalstatus der Siedlung Oberdorstfeld entzweit die Eigentümer der alten Zechenhäuser. © Oliver Schaper

Gegensätzlicher können die Positionen kaum sein. Während die Interessengemeinschaft Zechensiedlung Oberdorstfeld sich für den Denkmalschutz der alten Bergarbeitersiedlung in Dorstfeld einsetzt, Eigentümer berät und Denkmalführungen anbietet, macht die Interessengemeinschaft (IG) Oberdorstfeld seit vielen Jahren Front gegen den Denkmalauflagen für die alte Bergarbeiter-Siedlung.

Die Mitstreiter fühlen sich von den Auflagen der Stadt schikaniert, sehen keine Grundlage für den Denkmalschutz. Das machte die IG im Juni auch noch einmal in einer Eingabe an Oberbürgermeister Ullrich Sierau deutlich, mit der sie die Aufhebung des Denkmalschutzes und der von der Stadt erlassenen Gestaltungssatzung fordern.

In dem Schreiben erinnert der Vorstand der Interessengemeinschaft an die jüngere Geschichte der Siedlung. Mit der Privatisierung der Siedlung 1983 hätten viele Bewohner die Häuser gekauft und überwiegend in Eigenleistung viel Arbeit und Geld in ihre Häuser investiert.

Denkmalschutz seit 1993

Denkmalschutz war damals noch kein Thema. Erst 1993 wurde dann die komplette Siedlung mit mehr als 600 Häusern unter Denkmalschutz gestellt – „gänzlich ohne Bezug zur Realität“ und „ohne Rücksicht auf die Lebensleistung der Eigentümer“, wie die IG-Vertreter beklagen.

Das Problem: Viele bis dahin und auch später vorgenommenen Umbauten entsprachen nicht dem Denkmalschutz – wie auch eine gründliche fotografische Dokumentation der Siedlung 2003 zeigte. Sie war Grundlage für eine neue Gestaltungsfibel, die 2009 von der Denkmalbehörde veröffentlicht wurde und Grundlage für die Gestaltung der Häuser und Vorgärten sein soll.

Angesichts der vielen Veränderungen an den Häusern, die eher den Baumarkt-Katalogen als der Gestaltungsfibel entsprachen, bekamen aber sogar die Experten Zweifel am Denkmalwert der Siedlung. Doch nach einer erneuten Überprüfung einigten sich die Denkmalschützer verschiedener Ebenen 2013, am Denkmalschutz festzuhalten.

Gestaltungsfibel macht Vorgaben

Seitdem hat die Stadt die Zügel deutlich angezogen. Jeder, der an den geschützten Häusern, Vorgärten, Anbauten oder auch in der näheren Umgebung davon Veränderungen oder Erneuerungen vornehmen möchte, benötigt eine schriftliche Erlaubnis durch die städtische Denkmalbehörde. Und zum Teil wird auch verlangt, nicht denkmalgerechte Umbauten rückgängig zu machen.

Das gilt in der Regel für Veränderungen, die vor 2003, dem Zeitpunkt der Dokumentation der Siedlung, vorgenommen wurden, heißt es auf Nachfrage. Für Umbauten vor 1993 gilt grundsätzlich der Bestandsschutz.

Nach Überzeugung der IG Oberdorstfeld hätten weit über 70 Prozent der Eigentümer Bestandsschutz. „Sie werden kaum 20 Häuser finden, die der Gestaltungssatzung entsprechen“, erklärte ein Vertreter der IG am Dienstag in der Ausschusssitzung. Änderungen seien über 30 Jahre bewusst geduldet worden. Nun sehe man sich durch „eine Vielzahl von Bußgeldbescheiden und Ordnungswidrigkeiten kriminalisiert“.

Beratung durch die Denkmalbehörde

Nach Angaben der Stadt wurden seit 2014 etwa 15 Ordnungsverfügungen und ein Bußgeldbescheid erlassen. „Bußgeldbescheide und Rückbauverfügungen sollen die Ausnahme bleiben“, erklärte auch OB Sierau in seinem Brief an drei IG. Bei Verstößen gegen die Denkmalssatzung stehe für die Denkmalbehörde der direkte Kontakt zu den Eigentümern und die Erarbeitung einer gemeinsamen Lösung im Vordergrund.

Seit Ende 2014 gibt es dafür eine direkte Ansprechpartnerin in der Denkmalbehörde. Und die bietet auch zahlreiche Hilfen bei der Finanzierung von Umbauten an. So gibt es neben Steuervergünstigungen auch Zuschüsse aus dem Denkmal-Förderprogramm und zinsgünstige Darlehen.

Bis Ende 2020 können Eigentümer von Zechenhäusern in der Siedlung außerdem einen Zuschuss von bis zu 50 Prozent für bestimmte Gestaltungsmaßnahmen aus einem Hof- und Fassadenprogramm erhalten. Seit Ende 2014 hätten knapp 200 Eigentümer die Beratung der Denkmalbehörde in Anpruch genommen, teilte die Verwaltung auf Anfrage mit.

Entsprechend viele „denkmalrechtliche Erlaubnisse“ seien erteilt worden. Es seien 60 Steuerbescheinigungen ausgestellt worden. Und etwa 40 Eigentümer hätten Fördermittel der Denkmalbehörde und Stadterneuerungsmittel beantragt und erhalten.

Zweifel am Idealzustand

Den Denkmalkritikern der IG Oberdorstfeld geht es aber ums Grundsätzliche. Die Denkmalsatzung wolle einen Idealzustand schaffen, den es so nie gegeben habe. „So haben die Bergleute früher nicht gewohnt“, erklärte der IG Vertreter gegenüber dem Ausschuss.

Dass sich auch die Politik der Verwaltung anschloss und die Petition zurückwies, ließ er nicht ohne Widerspruch stehen. „Wir sind bisher den leisen Weg gegangen. Jetzt wird es laut werden“, kündigte er an. Wir werden durch alle Instanzen gehen.

Zuletzt hatten die Denkmalkritiker vor Gericht allerdings keinen Erfolg. 2017 scheiterten mehrere Eigentümer, die von der Stadt aufgefordert worden waren, Veränderungen an ihren Häusern wieder rückgängig zu machen, mit ihren Widersprüchen vor dem Verwaltungsgericht.

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