IHK: Getrübte Stimmung

DORTMUND Stark ist der Euro, so stark wie noch nie. Was USA-Urlauber freut, bereitet manchem Wirtschafts-Experten Sorge. Unsere Zeitung sprach mit IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz.

von Von Achim Roggendorf

, 26.09.2007, 18:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz lässt die Dollarschwäche nicht mehr kalt.

IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz lässt die Dollarschwäche nicht mehr kalt.

Herr Schulz, ist der starke Euro ein Problem für heimische Exportfirmen? Schulz: Langsam ja. Der Höhenflug des Euro erschwert den Export von Gütern - allerdings in den Branchen unterschiedlich stark.

Die Schmerzgrenze ist also erreicht? Schulz: Von einer Schmerzgrenze will ich noch nicht sprechen. Derzeit ist noch kein Rückgang der Auslandsnachfrage zu erkennen. Die rasante Aufwärts-Entwicklung im Export kann sich aber abschwächen. Hoffentlich sorgt unsere derzeit insgesamt robuste Konjunktur auch zukünftig für genügend Wachstum.

Sind Arbeitsplätze in Gefahr? Schulz: Das kann man konkret noch nicht absehen; aller Wahrscheinlichkeit nach aber nicht. Der erfreuliche Abbau der Arbeitslosigkeit wird jedoch langsamer verlaufen, als wir es alle erhofft haben.

Warum ist ein starker Euro schlecht für unsere Unternehmen? Schulz: Der starke Euro verteuert unsere Waren im Ausland. Die Unternehmen sind nicht mehr so wettbewerbsfähig, die Gewinne sinken, aber gerade mit Gewinnen finanziert man neue Investitionen und Arbeitsplätze.

Der starke Euro hat aber doch auch seine guten Seiten. Importierte Konsumgüter und Vorprodukte aus dem Dollar-Raum etwa sind billiger. Schulz: Da unsere Unternehmen überwiegend Konsumgüter und Vorprodukte aus dem EU-Raum beziehen, hat der schwache Dollar hier keine positiven Auswirkungen für unsere Wirtschaft. Es ist aber richtig: Der starke Euro verbilligt beispielsweise den Import von Rohöl, da der Preis hierfür in Dollar abgerechnet wird. Da der Rohölpreis aber in der Vergangenheit schon stark gestiegen ist, haben wir auch hier leider keine Verbilligung.

Trotz des starken Euros können sich viele Firmen aus der Region aber vor Aufträgen kaum retten..... Schulz: Dies verdanken wir in erster Linie unserer wieder gewonnenen Wettbewerbsfähigkeit vor allem in Europa. Fast zwei Drittel aller deutschen Ausfuhren gehen in EU-Länder. Aber auch unsere innovativen, hochqualitativen Produkte sind Ursache für die hohe Auslandsnachfrage.

Fürchten Sie, dass Unternehmen den starken Euro zum Anlass nehmen könnten, ihre Produktionsstätten in den Dollar-Raum oder nach Asien zu verlagern? Schulz: Unternehmen werden nicht kurzfristig basierend auf Wechselkursschwankungen ihre Produktionsstandorte verlegen. Strategische Unternehmensentscheidungen über Verlagerungen haben immer auch andere Gründe.

Rechnen Sie damit, dass der Dollar wegen der Probleme in den USA noch schwächer und der Euro noch stärker wird? Schulz: Der derzeit schwache Dollar ist sicherlich eine kurzfristige Reaktion auf die schlechten Nachrichten aus den Vereinigten Staaten. Es spricht jedoch vieles dafür, dass der Euro gegenüber dem Dollar auf hohem Niveau verbleibt.

Bei welchem Eurokurs ist die Schmerzgrenze für die Firmen erreicht? Schulz: Wenn der Kurs über längere deutlich Zeit über 1,40 Dollar je Euro bleibt, wird es für unsere Exportwirtschaft kritisch. Ein Prozent weniger Wirtschaftswachstum prognostizieren seriöse Wirtschaftsinstitute bei einem Wechselkurs von 1,44 Dollar.

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