In der Doppelfolge zum Jubiläums-Tatort kommen die beiden Münchener Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec, l.) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit einem Haftbefehl für einen Mafioso nach Dortmund. © WDR/Frank Dicks
Fernsehen

Im Jubiläums-Tatort lässt Kommissar aus München eine BVB-Tasse mitgehen

Zwei Münchener Kommissare ermitteln beim Jubiläums-Tatort in Dortmund. Ermittler Batic kauft Unterhosen in der Westfalen-Metropole – und Nemec erzählt, warum die nicht schwarz-gelb sind.

Genau kann sich Miroslav Nemec nicht mehr an den ersten Dortmund-Tatort erinnern, den er gesehen hat. „Ich weiß noch, dass es der Versuch war, Faber mit einer Vergangenheit auszustatten, die das aus ihm macht, was er ist. Mit diesem Aggressionspotenzial.“

Peter Faber, Hauptkommissar aus dem Dortmund-Tatort, gespielt von Jörg Hartmann, ist ein Kollege von Miroslav Nemec; denn der ermittelt als Ivo Batic gemeinsam mit Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) im Tatort aus München. Die beiden Ermittler-Teams aus der Ruhr- und der Isar-Metropole sind im Jubiläums-Tatort zum 50. Bestehen der ARD-Fernsehreihe gemeinsam auf Verbrecherjagd.

In dem Zweiteiler mit dem Titel „In der Familie“ verfolgen sie eine blutige Spur der kalabrischen Mafia. Der erste Teil spielt in Dortmund, der zweite in München.

„Wir haben das ja eigentlich noch nie gemacht“, sagt Nemec in einem Gespräch mit der Redaktion zu dem Crossover-Tatort, „aber wir haben uns natürlich gefreut, dass wir die Erwählten sind zum 50sten, auch schon wegen der großen Gegensätze. Den Jörg Hartmann habe ich schon von einer Gastrolle gekannt, die er bei uns gespielt hat, und die Anna kannte ich unter anderem von Filmfesten.“ Gemeint ist Anna Schudt alias Hauptkommissarin Martina Bönisch.

Nemec kennt Dortmund aus Fernsehdokus

Nemec gehört nicht zu denen, die sich sonntagsabends vor den Fernseher setzen und einen Tatort gucken. „Das ist nie geplant, sondern man ist mal zu Hause, genießt den Abend, schaut Nachrichten, und dann sieht man, da kommt ein Tatort, und manchmal bleibt man hängen oder nicht. So einfach ist das.“

Als er erstmals in einem Dortmund-Tatort hängengeblieben war, dachte er angesichts Fabers Vorgeschichte: „Wie lange trägt das wohl, um jemanden als Figur zu etablieren? Aber wie man sieht, funktioniert es.“

Nemec kennt Dortmund vor allem aus Fernseh-Dokumentationen und Zeitungsartikeln, in erster Linie die Nordstadt mit ihren Problemen. „Das gibt es natürlich in vielen Städten auch.“ Wie sehr das Bild zutreffe, könne er nur schwer einschätzen, sagt er, weil er es eben aus eigener Erfahrung nicht kenne.

Zwischen Dortmund und Bochum übernachtet

Dabei war Nemec wie auch sein Kollege Wachtveitl beruflich schon häufiger in Dortmund, etwa bei Auftritten im Konzerthaus und im Schauspielhaus. Viel haben die beiden bei diesen Gelegenheiten allerdings nicht von der Stadt gesehen. Dienstreisen sind keine Städtetouren.

Nemec: „Wenn ich – meist nachmittags – vor einem Auftritt direkt ins Theater komme, gehe ich auf die Bühne, Soundcheck, Kostüm, und abends spiele ich die Vorstellung, dann essen wir irgendwo gemeinsam, gehen anschließend ins Hotel, dann wird geschlafen und am kommenden Tag wird wieder gereist, usw, usw.“

Beim Dreh des Jubiläums-Tatorts haben die beiden Münchener nicht einmal in Dortmund genächtigt, sondern „in einem Hotel zwischen Dortmund und Bochum, das in einem Einkaufszentrum lag.“

In die Innenstadt sei er gar nicht gekommen, erzählt Nemec, „leider“; denn der hauptsächliche Drehort in Dortmund war am Hellweg in Lütgendortmund im griechischen Restaurant Óla Kalá, das für den Film zu einer Pizzeria umgestaltet war, einem Drogen-Umschlagplatz der Mafia.

Klischees möglichst vermieden

In seiner Rolle als Ivo Batic allerdings hat Nemec einen Abstecher in die City gemacht; denn im Polizeipräsidium überreichte er dem Kollegen Leitmayr ein paar Unterhosen, die er gekauft hatte, „weil wir da ja wegen des Falls übernachten mussten. Ansonsten war in diesem Drehbuch für irgendwelche Privatismen oder das Setzen von Duftmarken kaum Zeit“. Weil man Klischees möglichst vermeiden wollte, seien die Unterhosen nicht schwarz-gelb gewesen, erzählt Nemec und lacht.

Ja, an das Polizeipräsidium erinnert sich auch Udo Wachtveitl mit feiner Ironie, „dieses schöne große Gebäude, ich schätze mal 50er-Jahre.“ In München stehen halt auch andere Bauten. Dennoch: Er habe sich gewünscht, dass die Figur Leitmayr nicht nach dem erwarteten Muster dekliniert wird, sprich, dass Münchener Dortmund furchtbar finden.

„Denn Leitmayr ist der Münchnerischere von den beiden Münchenern. Es war mein Anliegen, dass man nicht einfach den typischen Bayern zeigt mit seiner typischen Reaktion auf das typische Dortmund, der sagt, das ist ja alles hässlich hier, und das Bier ist schlecht und der Fußball taugt auch nichts.“

In Dortmund nicht unwohl gefühlt

„Nein, Leitmayr“, sagt Wachtveitel über sein Alter Ego, „mag Dortmund eigentlich ganz gerne und geht da auch mal abends aus. Und auch als Udo Wachtveitl habe ich mich nicht unwohl gefühlt in Dortmund.“

Der Dreh in der Hinterhof-Kulisse habe möglicherweise sogar interessantere und authentischere Einblicke in die Stadt geboten als die, die man sonst mit den touristischen Zielen bekomme, meint Wachtveitl. Er habe den Eindruck, er müsse noch mal hin ins Ruhrgebiet: „Das hat einen eigenen Zauber und ist landschaftlich gar nicht so unattraktiv. Also, das ist für mich noch nicht zu Ende erzählt, das Ruhrgebiet.“

Auch wenn die Unterhosen nicht schwarz-gelb waren, ganz ohne Anspielung auf den BVB ging es im Jubiläums-Tatort nicht. Allerdings anders als erwartet. „Ja, die BVB-Tasse“, sagt Miroslav Nemec augenzwinkernd. Beim Gespräch im Dortmunder Polizeipräsidium lässt Batic still und leise eine BVB-Kaffeetasse mitgehen. Und die taucht – so viel sei schon verraten – als Gag im zweiten Teil des Crossover-Tatorts wieder auf.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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