Dortmunder will virtuelles Rathaus nutzen – Bürgerdienst-Mitarbeiter haben keine Ahnung

mlzDigitales Dortmund

Das virtuelle Rathaus der Stadt soll helfen, die langen Wartezeiten bei den Bürgerdiensten zu senken. Andreas Schröter wollte das nutzen und konnte nicht glauben, was ihm dabei passiert ist.

Dortmund

, 22.07.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andreas Schröter hat einen Anwohnerparkausweis, den er jedes Jahr verlängern lassen muss. Angesichts der Warteschlangen bei den Bürgerdiensten wollte Schröter das online erledigen und mit Hilfe des virtuellen Rathauses künftig Zeit sparen. Doch mit dem Versuch, sich dort Zutritt zu verschaffen, hat der Redakteur der Ruhr-Nachrichten-Stadtredaktion letztlich nur viel Zeit verplempert: denn keiner konnte ihm – im übertragenen Sinn – die Tür zu den kostenpflichtigen Online-Dienstleistungen öffnen.

Schröter wollte am Donnerstag (18. Juli) seinen Urlaub nutzen und sein Gastkonto bei den Bürgerdiensten „hochstufen“ lassen auf die Online-Zugangsberechtigung, die man für den Anwohnerparkausweis braucht. Um „hochgestuft“ zu werden, muss man einmal bei den Bürgerdiensten in der Stadt oder in den Bezirksverwaltungsstellen erscheinen und sich ausweisen.

Schroeter ging in die Bezirksverwaltungsstelle Hörde. Schon an der Info war eine Riesenwarteschlange. „Die Frau dort war trotzdem sehr freundlich, sagte mir aber, dass sie das mit dem ‚Hochstufen‘ nicht könne und noch nie gemacht habe,“ berichtet er. Sie empfahl ihm, zur Bezirksverwaltungsstelle Brackel zu gehen, dort sei nachmittags ein Termin frei geworden.

Riesenwarteschlange schon am Infoschalter

Also fuhr Schröter nach Brackel und musste trotz Termins noch eine Viertelstunde warten. „Dann sagt mir der Mitarbeiter, dass es in der gesamten Bezirksverwaltungsstelle Brackel nur einen einzigen Mitarbeiter gebe, der das mit dem ,Hochstufen‘ könne und dürfe. Und der sei leider gerade in Urlaub.“

Schroeter war wenig erfreut. Sein Fazit: „Ich schaffe es partout nicht, mich für das virtuelle Rathaus anzumelden. Und dann wundert man sich noch über die langen Schlangen . . .“

Wie ist so etwas möglich in der „Digitalsten Stadt“ Deutschlands? Als solche wurde Dortmund 2018 unter anderem für seine innovative Kommunikation ausgezeichnet.

Es hat keine Schulungen mehr gegeben

Manfred Kruse, Leiter der Bürgerdienste, weiß, warum im virtuellen Rathaus die Türen klemmen. Es habe vor sechs, sieben Jahren die letzten Mitarbeiter-Schulungen für das Hochstufen gegeben. Aufgrund der sehr hohen Fluktuation sei dieses Wissen in den Bezirksverwaltungsstellen aber weitgehend verloren gegangen. Kruse: „Schulungen sind nicht mehr erfolgt.“

Das „Hochstufen“ von Privatpersonen werde auch nur ein-, zweimal im Jahr in den Bezirksverwaltungsstellen verlangt, sagt Kruse. Nichtsdestotrotz gebe es das Angebot und müsse vorgehalten werden. Deshalb werde er den Hinweis der Redaktion zum Anlass nehmen, wieder schulen zu lassen. „Wir müssen jeweils zwei Menschen in den Bezirksverwaltungsstellen haben, die das können.“ Bei den Bürgerdiensten in der Innenstadt könnten das noch vier Leute.

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Die Bürger, die sich als Privatperson für das virtuelle Rathaus registrieren und offiziell authentifizieren lassen, seien nur zehn Prozent der Kunden, die dieses Angebot nutzten. 90 Prozent seien Geschäftskunden, die zentral über das Systemhaus registriert werden.

Stadt will Online-Weg stärker beschreiten

Das virtuelle Rathaus sei ein Weg, den die Stadt künftig stärker beschreiten müsse und wolle, betont Kruse. „Wir müssen dahin, dass solche Leistungen wie das Ausstellen von Führungszeugnissen und Meldebescheinigungen künftig online beantragt werden.“ Noch müsse man zwar mit Lastschrift bezahlen, doch auch das werde auf ePayment umgestellt.

Nach dem Online-Zugangsgesetz muss die Stadt bis Ende 2022 all ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch über das Bürgerportal anbieten.

So erklärt die Stadt das virtuelle Rathaus:

  • Das virtuelle Rathaus übernimmt anstelle des sonst erforderlichen Behördengangs die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, sorgt für ihre Erledigung und ermöglicht so einen neuen, informativen und interaktiven Online-Zugang zu den Dienstleistungen und Produkten der Verwaltung.
  • Um das virtuelle Rathaus nutzen zu können, ist eine Registrierung notwendig.
  • Wenn Sie zusätzlich zu den Möglichkeiten, die Ihnen ein Gastkonto bietet, kostenpflichtige Dienstleistungen über das Lastschriftverfahren (weitere Zahlungsmöglichkeiten gibt es derzeit in der Regel nicht) in Anspruch nehmen oder online Aufträge stellen möchten, für die eine Authentifizierung notwendig ist, können Sie ihr Konto zu einem Privatkunden-, Geschäftskunden- oder Behördenkonto hochstufen lassen.
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