Ein Teil der illegal entsorgten Altreifen, die aktuell am Kanal in Deusen gefunden wurden. © Stadt Dortmund
Müllentsorgung

Immer mehr Altreifen werden in Dortmund tonnenweise wild abgekippt

Die Stadt Dortmund und die EDG sehen sich mit einem zunehmenden Umweltfrevel konfrontiert: illegal entsorgte Altreifen, die die Landschaft verschandeln. Doch jetzt wird hart gegengesteuert.

Es war im letzten Sommer, als das Umweltamt die Bürger per Pressemitteilung um Mithilfe bat, weil über Wochen an mehreren Stellen im Stadtgebiet (Brackel, Marten, Berghofen, Groppenbruch) teilweise große Mengen an Altreifen wild in die Landschaft gekippt worden waren. Ein übler Trend, der sich im Laufe des Jahres 2020 fortsetzte.

Waren es in früheren Jahren eher „kleinere Mengen“, sprich vier bis 20 illegal entsorgte Reifen pro Fundstelle, so wurden 2019 und 2020 ganze Lkw-Ladungen an Altreifen, teils bis zu 200 Stück je Fundort, widerrechtlich in die Landschaft geworfen.

Das summierte sich im Jahr 2019 auf 6 Tonnen und stieg bis Ende November auf knapp 23 Tonnen, teilte EDG-Sprecherin Petra Hartmann auf Nachfrage mit. Das ist eine Steigerung von mehr als 250 Prozent.

Nach Angaben des Umweltamtes finden sich die Altreifen-Stapel im ganzen Stadtgebiet verteilt. Schwerpunkte sind im Dortmunder Westen und Norden auszumachen.

13 Fundstellen im letzten Jahr

„Der Verdacht liegt nahe, dass vor dem Hintergrund der großen Stückzahlen die Altreifen von gewerblichen Kfz-Betrieben oder Autohändlern aus dem näheren Umfeld stammen“, sagt Stadtsprecher Christian Schön. Einige Fundorte lägen unweit von Auto- und Bundesstraßen, sodass auch „überregionale“ Täter nicht auszuschließen seien. Schön: „Allein im letzten Jahr sind 13 Fundstellen entdeckt und gemeldet worden.“

Die Zunahme der ordnungswidrigen Handlungen hat möglicherweise damit zu tun, dass immer weniger Verwertungsmöglichkeiten für Altreifen bestehen. Der Markt für den Verkauf von gebrauchten Reifen nach Übersee oder die Verwendung als Zuschlagsstoff in der Zementindustrie ist deutlich eingebrochen. Die ordnungsgemäße Entsorgung verursacht Kosten und die Verwertung von Gebrauchtreifen erzielt weniger Erlöse.

„Statt die zur Verfügung stehenden legalen Wege der Abfallbeseitigung zu nutzen, entwickeln einige Altreifenbesitzer die kriminelle Energie, die Abfälle vorsätzlich illegal zu entsorgen“, vermutet der Stadtsprecher. Doch dieses Verhalten kann die Verursacher teuer zu stehen kommen.

Geld- und Freiheitsstrafen sind möglich

„Das Verhalten hat ordnungsrechtliche Konsequenzen und kann auch strafrechtlich relevant sein“, warnt Schön, „je nach Anzahl der Altreifen werden in der Regel Geldstrafen zwischen 500 bis 5000 Euro fällig.“

Der noch vor Kurzem angepasste Bußgeldrahmen des Landes sehe sogar Strafen bis zu 100.000 Euro vor. Schön: „Auch das Strafrecht kann eine Rolle spielen. Der unerlaubte Umgang mit Abfällen kann nach Paragraf 236 Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bestraft werden.“

Die Ermittlung der Abfallverursacher und der Nachweis ist im Fall von Altreifen zwar mühsam, hält den „Ermittlungsdienst Abfall“ von Umweltamt und EDG nicht davon ab, es trotzdem zu tun. Und das mit Erfolg. Obwohl diese Taskforce erst seit September tätig ist, wurden bereits in aktuellen Fällen Verursacher ermittelt und vier Bußgeld-Verfahren mit Geldstrafen in Höhe von 500 bis 2500 Euro eingeleitet.

Umliegende Werkstätten werden kontrolliert

Ganz aktuell wurde ein Nacht- und Nebelkipper überführt, der 30 Reifen in der Straße „Alter Erlenweg“ am Kanal in Deusen wild abgekippt hatte. Dem Verursacher wird neben dem noch zu ermittelnden Bußgeld die vollständigen Entsorgungskosten in Rechnung gestellt, die ebenfalls noch zu errechnen sind; denn die EDG musste hier zusätzlich auf die Grünbau gGmbH zurückgreifen, sodass nochmal deutlich höhere Entsorgungskosten angefallen sind.

Auch ehrliche Autowerkstätten können unter den schwarzen Schafen der Branche leiden. Der Stadtsprecher: „Überall dort, wo eine Häufung von Reifen-Funden festzustellen ist, wurden und werden durch das Umweltamt Betriebskontrollen bei den umliegenden Autowerkstätten und -händlern durchgeführt.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
Zur Autorenseite
Gaby Kolle

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt