Warum man mit 30 nicht zu alt für eine WG ist

mlzWohnen in Dortmund

Immer mehr Berufstätige leben in Wohngemeinschaften. Auch in Dortmund. Aber warum entscheiden sich Menschen mit Job fürs WG-Leben? Wir haben die 2er-WG von Olga (31) und Vince (30) besucht.

Dortmund

, 12.07.2019, 13:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich dachte Olga Klegrewe, das war‘s mit ihrem WG-Leben. Als es in ihrer letzten WG Knatsch mit einem Mitbewohner gab, wollte sich die 31-Jährige eine eigene Wohnung suchen. Doch dann kam Vince.

Mit Vince To-Sanguan (30) hatte sie bereits früher mal in einer Wohngemeinschaft am Borsigplatz gelebt. Sie selbst hatte ihn beim „WG-Casting“ ausgesucht, weil er, wie sie sagt, „bei den bereitgestellten Keksen hemmungslos zugriff“. Das fand sie sympathisch.

Warum man mit 30 nicht zu alt für eine WG ist

Olga Klegrewe in ihrem WG-Zimmer. © Christin Mols

Inzwischen wohnt Olga in Vince‘ WG. Im Sommer 2018 ist sie in die etwa 70 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung am Westpark eingezogen. Der alte Mitbewohner, ein guter Freund von Vince, ist für sein Referendariat aktuell in Bayern. Ob er danach nach Dortmund zurückkehrt, ist unklar.

Während Olga und Vince damals noch studierten, sind beide heute berufstätig. Olga arbeitet als Marketingmanagerin, Vince ist Architekt. Zu wenig Geld ist also kaum der Grund für ihr WG-Leben mit Ü30.

Es leben zunehmend auch Berufstätige in WGs

Olga und Vince sind Teil eines Trends, Wohngemeinschaften werden auch bei Berufstätigen immer beliebter. Das legen Zahlen des Immobilienportals wg-gesucht.de nahe. Deutschlandweit sind aktuell rund 37,8 Prozent aller inserierten WG-Angebote als „Berufstätigen-WG“ gekennzeichnet. Damit hat sich die Anzahl der Berufstätigen-WGs in den vergangenen Jahren auf einem hohen Niveau stabilisiert. Knapp zehn Prozentpunkte weniger waren es noch 2012 (28,4 Prozent).

Und auch das durchschnittliche Alter eines WG-Anbieters hat sich deutschlandweit in den vergangenen Jahren weiter erhöht: auf aktuell 29 Jahre und 3 Monate (2017: 28 Jahre und 4 Monate).

Auf Anfrage dieser Redaktion hat die Plattform wg-gesucht.de Alter und Wohnungsart seiner Inserenten in Dortmund verglichen. Ergebnis: Innerhalb von zwei Jahren ist das Angebot an „Berufstätigen-WGs“ um gut sechs Prozentpunkte gewachsen – von 20,3 im Jahr 2017 auf 26,4 in diesem Jahr.

Die Zielgruppe für Dortmund ist allerdings deutlich jünger als der Bundesdurchschnitt. Allerdings ist auch hier das durchschnittliche Alter in den vergangenen Jahren gestiegen – von 23 Jahre und 9 Monate in 2017 auf aktuell 24 Jahre und 3 Monate.

40 ist das neue 30

Aber warum entscheiden sich so viele junge Menschen mit Job fürs WG-Leben? „Weil es schön ist, wenn nach der Arbeit jemand da ist“, sagt Olga. Und Vince meint: „Nur weil ich jetzt 30 bin und Geld verdiene, muss ich doch nicht plötzlich erwachsen sein. Endlich kann ich was sparen, um die Welt zu bereisen. Da will ich mein Geld nicht in eine teure Wohnung stecken.“ Er sagt: „40 ist das neue 30.“

Warum man mit 30 nicht zu alt für eine WG ist

Vince To-Sanguan und Olga Klegrewe in ihrer WG-Küche. © Christin Mols

Außerdem, und das sagen beide, seien sie, seit sie Vollzeitjobs haben, ohnehin kaum zu Hause. „Manchmal sehen wir uns tagelang nicht“, berichtet Olga, weil der eine beispielsweise noch schläft, wenn der andere schon weg ist. „Wir haben jeder unseren Freiraum, es ist total entspannt.“ Mit ihrem geräumigen WG-Zimmer hat Olga mit all ihren Lieblingssachen einen Rückzugsraum für sich geschaffen, den sie ihr Zuhause nennt. Regelmäßige Einblicke gibt die Schreiberin des Blogs „Somelostgirl“ auf ihrem Instagram-Kanal.

Es gibt auch ein kleines gemeinsames Wohnzimmer, der Lieblingsort beider ist aber der Balkon, der in den Innenhof zeigt. Dort sitzen sie und quatschen, gern laden sie auch Freunde ein. Aber eher am Wochenende. Es sei längst nicht so trubelig wie in einer Studenten-WG, schon der Berufsalltag gebe das nicht her.

„Am häufigsten chillen wir gemeinsam in der Küche“, berichtet Olga. Dort, zwischen charmant zusammengewürfeltem Mobiliar hängt auch das, was wohl in jeder einiger Maßen geordneten WG Pflicht ist: der Putzplan. „Wir sind kreative Köpfe, bei uns muss nicht alles super-clean sein“, erklärt Olga, deswegen sei der Putzplan auch nicht zu streng angelegt. „Wir kommen ganz gut klar.“

Warum man mit 30 nicht zu alt für eine WG ist

In der Küche hängt der Putzplan. © Christin Mols

Über Probleme muss gesprochen werden

Wichtig sei für das WG-Leben, dass man immer gleich anspricht, wenn einen was stört. Olga hat früher auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, als eine Mitbewohnerin ständig andere Leute mit in die Wohnung brachte. Bei Vince ist das nicht so. Ihr Freundeskreis überschneitet sich ohnehin und auch Vince‘ Freundin ist bei Olga ein gern gesehener Gast.

Warum man mit 30 nicht zu alt für eine WG ist

Der Lieblingsort der beiden WG-Bewohner ist der Balkon. © Christin Mols

Wie lange sie sich noch vorstellen können, in einer WG zu wohnen, ist für beide schwer zu beantworten. Vince wird sicher irgendwann mit seiner Freundin zusammenziehen. Auch Olga ist nicht festgelegt und sagt: „Man weiß nicht, was kommt, das kann sich auch schnell ändern.“ Aktuell zumindest fühlen sich beide pudelwohl in ihrer Berufstätigen-WG.

Und dann fällt Olga noch ein weiterer wichtiger Grund ein, warum es sich lohnt in einer Wohngemeinschaft zu leben: „Beim Lieferservice kommt man zu zweit leicht auf den Mindestbestellwert. Alleine ist das blöd.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt