Katrin Meyersieck, Oliver Uzunkol und Angela Dietz von der Beratungsstelle KuBDo waren in Dortmund unterwegs, um schulmüde Jugendliche anzusprechen und Hilfe anzubieten. © Felix Guth
Schwänzende Kinder

Immer mehr Schulverweigerer in Dortmund: Corona verschärft Probleme

Mehr und mehr Jugendliche in Dortmund sind Schulverweigerer - und Corona verschärft die Probleme. „Viele Jugendliche gehen uns im Moment verloren“, warnt eine Beraterin. Woran liegt das?

Die Eindrücke, die Angela Dietz, Mitarbeiterin des Kontakt- und Beratungsverbundes für schulmüde und schulverweigernde Jugendliche in Dortmund (KuBDO), und ihre Kollegen seit Beginn der Corona-Pandemie gewonnen haben, sind eindeutig: Seit dem Lockdown im Frühjahr nimmt die Zahl der Schulverweigerer zu. Mehr als es in den Vorjahren der Fall war – dabei waren die Zahlen auch da schon alarmierend.

Erster Lockdown war Schlüsselerlebnis für Schüler

Ein Schlüsselerlebnis war die lange Phase, in der die Schulen ab März geschlossen hatten, so Dietz: „Dass sie eine Zeit völlig raus waren aus dem Unterricht, war gerade für die Kinder, die schon vorher keinen guten Schulkontakt hatten, ein großes Problem.“

Als die Schulen öffneten, hätten viele benachteiligte Schüler den Anschluss verloren. „Die, die schon höhere Fehlzeiten hatten, tauchen dann vielleicht gar nicht mehr auf. Die Umstände haben Distanz geschaffen.“

Und auch das Lernen auf Distanz bereite Probleme: „Viele haben die technischen Mittel nicht oder ihnen fehlen die technischen Fähigkeiten. Sie kennen sich mit dem Smartphone aus, aber das heißt nicht, dass sie Arbeitsblätter digital bearbeiten können.“

Zwar gebe es Soforthilfen, um iPads für Schüler anzuschaffen, doch bisher seien die noch kaum bei den Jugendlichen angekommen, so Dietz.

Berater erfahren zu spät von Schulverweigerern

Konkrete Zahlen hat der KuBDo, der Schülern ab dem 7. Schuljahr weiterhilft, zwar nicht vorliegen. „Aber wir machen die Beobachtung, dass viele Schüler zu Schulzeiten anderswo unterwegs sind. Das ist mehr geworden, das ist für uns ganz deutlich“, schildert Dietz.

Ein Problem: Die Sozialarbeiter erfahren aktuell zu spät oder gar nicht von Schulverweigerern – die Belastung durch Corona lässt die bisher gut funktionierenden Netzwerke an Grenzen stoßen.

„Die Schulen sind sehr intensiv mit anderen Dingen beschäftigt. Und wir hören von verschiedenen Stellen, dass vieles unübersichtlich ist: Wer fehlt entschuldigt, ist krank oder in Quarantäne? Das ist für die Schulen nicht einfach. Aber für die Jugendlichen ist es eben auch nicht einfach“, so Dietz.

Jugendliche angesprochen und über Corona geredet

Was kann man tun, um die Schulverweigerer zu erreichen? „Die Jugendlichen dürfen sich nicht allein gelassen fühlen“, sagt Dietz. Am Montag und Dienstag (16. und 17.11.) war das KuBDo-Team an der Thier-Galerie und am Hörder Bahnhof unterwegs, um Jugendliche anzusprechen, die eigentlich in der Schule hätten sein müssen.

Bei der Tour hatten die Berater Katrin Meyersieck und Oliver Uzunkol Turnbeutel mit einer Maske und Infomaterial dabei. Darin geht es um Schutzmaßnahmen vor Corona, aber auch darum, wie der KuBDo Jugendlichen hilft.

Sozialarbeiter erkennen Schulverweigerer auf einen Blick

Rund um den Hauptbahnhof war am Montag „viel los“, berichten die Berater. Bei Regenwetter in Hörde trafen sie dagegen am Dienstag keine Jugendlichen, die den Eindruck machten, als sollten sie gerade woanders sein.

Um das zu erkennen, scannten die Sozialarbeiter mit routiniertem Blick die U-Bahn-Station am Hörder Bahnhof. „Wer einen Rucksack aufhat, hat meistens auch vor, zur Schule zu gehen. Wenn jemand um 10 Uhr vor der Thier-Galerie steht, kann er gar nicht so viele Freistunden haben“, sagt Katrin Meyersieck.

Gespräch als erster Schritt, das Problem zu lösen

Es gehe bei schulmüden Jugendlichen nicht ums Ausschlafen, sondern um andere Dinge, die sie daran hindern in die Schule zu gehen. „Viele geben auch vor, in die Schule zu gehen und halten sich dann im Umfeld auf“, sagt Oliver Uzunkol.

Dass sie bei solchen Aktionen von den Beratern angesprochen werden, kann ein erster Schritt sein, dem Problem zu begegnen. „Es ist wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen. Denn wir haben durch Corona schon einige verloren, die wieder tiefer in Spielsucht, Drogensucht oder psychische Probleme geraten sind“, sagt Katrin Meyersieck.

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1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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