Live-Talk

Impf-Experten geben klares Plädoyer – „Generell gilt: besser impfen“

Von Terminvergabe bis Impfstoff-Wahl – die Corona-Schutzimpfung wirft viele Fragen auf. Viele davon wurden am Montagabend in einem Livetalk mit hochrangigen Experten im Internet beantwortet.
Wir haben zum Online-Impftalk mit drei Experten eingeladen. © Jens Ostrowski

Das Gespräch hätte Stunden dauern können – so viele Fragen erreichten unsere Redaktion für den Livetalk mit drei hochrangigen Experten zum Thema Corona-Schutzimpfung. Es ging um medizinische, aber auch organisatorische Fragen, die Moderator Ulrich Breulmann an die drei Experten weitergab.

Und für alle Themenbereiche gab es den passenden Ansprechpartner:

  • Prof. Dr. Carsten Watzl ist Direktor am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund und leitet dort den Fachbereich Immunologie. Er ist zudem Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

  • Privatdozent Dr. Bernhard Schaaf ist Direktor der Lungenklinik am Klinikum Dortmund und hat in den vergangenen Monaten viele Covid-Patienten betreut.

  • Dr. Prosper Rodewyk ist Hausarzt in Dortmund-Hörde und Leiter der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die für die Corona-Impfungen in Westfalen zuständig ist.

Ein Thema brannte den Leserinnen und Lesern besonders unter den Nägeln.

Wie verträgt sich die Corona-Schutzimpfung mit chronischen Krankheiten?

„Das Risiko für Infektionen ist bei vielen chronischen Erkrankungen erhöht“, erklärte Dr. Bernhard Schaaf. Das Risiko, durch die Impfung zu erkranken, sei dagegen extrem klein. Eine Covid-Erkrankung sei deutlich gefährlicher. Man empfehle deshalb etwa auch bei Diabetes, Autoimmun-, Krebs-, Rheuma- oder MS-Erkrankungen zu impfen. Schaafs Rat: „Generell gilt bei allen chronischen Erkrankungen: besser impfen.“

Grundsätzlich gebe es in den Impfzentren aber vor jeder Impfung ein Arztgespräch, betonte Dr. Prosper Rodewyk. Dabei sollte man dann etwa über die Einnahme von Blutgerinnungshemmern oder über bekannte Allergien informieren, damit man sich bei der Impfung oder bei der vorgesehenen Beobachtung darauf einstellen kann. Die Gefahr schwerer allergischer Reaktionen und anderer Nebenwirkungen sei sehr gering.

Müssen beide Impfungen mit dem gleichen Impfstoff erfolgen?

Ja. Auch wenn die Impfstoffe von Biontech und Moderna sehr ähnlich seien, erklärte Watzl. Darauf achte aber schon das Impfzentrum. „Wir stellen sicher, das man bei erster und zweiter Impfung mit dem gleichen Impfstoff geimpft wird“, versicherte Dr. Rodewyk als Vertreter der KVWL. Welcher Impfstoff gespritzt wurde, wird im Impfpass des Patienten eingetragen.

Eine Wahl zwischen verschiedenen Impfstoffen gibt es beim Termin im Impfzentrum übrigens nicht. „Alle zugelassenen Impfstoffe sind sicher und effektiv“, betonte Watzl. Man könne davon ausgehen, dass alle Impfstoffe auch vor den Virus-Mutationen schützen. Watzls klare Empfehlung: „Nehmen sie den Impfstoff, den sie kriegen können. Alle schützen sehr gut vor schweren Erkrankungen.“

Wird man auch geimpft, wenn man schon eine Corona-Erkrankung überstanden hat?

Wer nachweislich erkrankt war, sollte sich nicht noch einmal impfen lassen – allerdings nur wegen des aktuellen Mangels an Impfstoff, erläuterte Watzl. Man gehe davon aus, dass die Personen, die eine Erkrankung überstanden haben, noch einen Immunschutz haben. Eine spätere Impfung sei aber sehr wohl möglich.

Kann man sich bei Geimpften noch anstecken?

„Wir wissen es im Moment noch nicht“, sagte Watzl. Wahrscheinlich sei, dass der Impfschutz dazu führt, dass sich das Virus weniger vermehre und man weniger ansteckend sei. „Es ist kein Alles-oder-Nichts-Ereignis“, so der Immunologe. Der generelle Rat lautet, an Schutzvorkehrungen wie Maske und Abstand weiter festzuhalten.

Gibt es Gefahren durch Genveränderungen oder macht der Impfstoff Frauen unfruchtbar?

Klare Antwort von Dr. Carsten Watzl: „Die Gerüchte entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage. Die Impfstoffe machen nicht unfruchtbar und verändern auch nicht das Erbgut.“

Wie läuft es mit der Terminvergabe?

Natürlich war auch der schwierige Start für die Terminvergabe am Montag (25.1.) ein Thema. Man war trotz über 1200 Call-Center-Mitarbeitern mit der Menge an Aufrufen gleich am Montagmorgen einfach überfordert, sagte Prosper Rodewyk.

Ein Problem für die Terminvergaben sei die Impfstoff-Knappheit. „Wir können nur Leuten Termine geben, für die wir sicher einen Impfstoff haben“, sagte der Mediziner.

Für die langfristige Vergabe der Termine sei die Prioritätenliste des Bundes maßgeblich, erinnerte Rodewyk. Dabei gehe es nicht um Nicht-Wertschätzung für bestimmte Gruppen, sondern vor allem um die Frage, möglichst viele Menschenleben zu retten, ergänzte Watzl. Deshalb hätten auch die über 80-Jährigen Priorität.

Wie ist es bei Ehepaaren, von denen einer über 80, der andere unter 80 ist?

Beide zeitgleich zu impfen, sei nicht möglich, sagte Rodewyk. „Wir müssen uns an die Altersgrenzen halten. Wir würden gerne mehr impfen. Es liegt an der Anzahl der Impfdosen, die fehlen.“

Das gleiche gilt für die Frage, ob man auch am Zweitwohnsitz geimpft werden kann. Das sei theoretisch möglich, aber nicht erwünscht, weil die Impfstoffe den Städten und Kreisen nach Zahl der Einwohner in der jeweiligen Altersgruppe zugeteilt werden, erläutert der KVWL-Vertreter.

Generell nutzten alle drei Experten den Talk für ein Plädoyer für das Impfen gegen Corona. Es gelte, schwere Erkrankungen und Todesfälle zu verhindern. „Und wir impfen uns, damit wir andere nicht anstecken“, sagte Schaaf. Schließlich gehe es um das Ende der Pandemie. „Wir wollen doch unser altes Leben zurückhaben.“

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