Impfdosen in Hausarztpraxen sind weiterhin begrenzt. Der Druck vieler Menschen, einen Impftermin bekommen zu wollen, steigt allerdings. © Anne Winter-Weckenbrock (Archivbild)
Impfungen

Impfneid, übelste Mails und Dauerstress: Hausärzte im Impf-Chaos

Fast jeder spricht über Impftermine und möchte möglichst schnell den Piks bekommen. Hausärzte und ihr Praxispersonal geraten gerade an die Grenzen. Und: Es könnte noch anstrengender werden.

Hausarztpraxen übernehmen in Dortmund einen zunehmend größeren Anteil am Impfgeschehen. Zugleich spüren sie deutlich, wie groß der Wunsch bei vielen Menschen ist, an einen Termin zu kommen. Oftmals, so berichtet ein Ärztevertreter, zu Lasten von Freundlichkeit und Verständnis.

„Wir bekommen übelste Mails, dass unsere Praxis nicht mehr erreichbar ist. Und manche Patienten werden sehr unangenehm, wenn man ihnen erklärt, dass man sie in der Impf-Priorisierung nicht nach vorne nehmen kann, auch wenn sie Vorerkrankungen haben und schon lange in der Praxis sind“.

Das sagt Dr. Prosper Rodewyk, Sprecher der Dortmunder Hausärzte, stellvertretend für viele seiner Kolleginnen und Kollegen.

Zu Handgreiflichkeiten und Aggressivität, wovon Hausärzte aus anderen Städten berichten, sei es nach seiner Kenntnis in Dortmund noch nicht gekommen. Aber es gebe mehrere Dinge, die das Verhältnis zwischen Arzt und Patient auf die Probe stellen.

Patienten sind genervt – und die Ärzte auch

So sei es etwa problematisch, dass auch über-60-Jährige den Astrazeneca-Impfstoff verweigern, weil sie auch Biontech im Impfzentrum bekommen könnten. „Patienten verstehen das nicht, und solche Situationen sind immer doof“, sagt Rodewyk.

Er gibt aber auch zu: „Wenn man zum vierten, fünften Mal am Tag die gleichen Ressentiments gegen einen Impfstoff hört, dann ist man genervt“, sagt Rodewyk.

Seit Restriktionen für (vollständig) Geimpfte zurückgenommen wurden, habe sich das schon vorher vorhandene Phänomen des „Impfneids“ noch einmal verstärkt.

„Es ist eine unglückliche Situation für eine vorübergehende Zeit“, sagt Rodewyk. Die zumindest so lange dauern werde, wie noch eine „eingeschränkte Impfsituation“ vorherrsche, also nicht ausreichend Impfstoff für alle vorhanden sei.

Telefonleitungen sind fast durchgängig belegt

In Rodewyks Hörder Arztpraxis und an vielen anderen Orten führt das zu einer Dauerbelastung. Das Telefon ist permanent besetzt. Zum einen, um Patientinnen und Patienten auf der Prio-Liste zu erreichen. Zum anderen, um die vielen Fragen nach der Reihenfolge und freien Plätzen zu beantworten.

Mindestens 30-40 solcher Nachfragen kämen pro Tag, berichtet Rodewyk. „Aber leider sind die Telefonleitungen nicht unbegrenzt erweiterbar, und die Zahl der Mitarbeiter ist es auch nicht“, sagt der Internist.

Dabei kommt die richtige Arbeit erst noch auf die Hausarztpraxen zu. Anfang Juni soll die Priorisierung komplett fallen – und jeder hätte das Anrecht auf einen Termin. Zudem sollen alle Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren in NRW bis zum Ende der Sommerferien (11. August) zweimal geimpft werden.

Wie das organisiert werden soll, ist noch völlig unklar. „Wir laufen uns schon warm“, sagt Dr. Prosper Rodewyk.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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