Impfung gegen Brustkrebs unter der Lupe

Studie am Johannes-Hospital

Nenne mir meinen Feind und ich kann ihn gezielt bekämpfen. – So funktioniert unser körpereigenes Abwehrsystem. Am Johannes-Hospital wird ab Freitag eine Brustkrebs-Impfung unter die Lupe genommen, die sich dieses Prizip zu Nutze macht.

DORTMUND

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 07.04.2011, 07:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Kampf gegen Brustkrebs: Privat-Dozent Dr. Georg Kunz.

Im Kampf gegen Brustkrebs: Privat-Dozent Dr. Georg Kunz.

Je aggressiver der Krebs, desto häufiger findet sich dieses Eiweiß. Beim so genannten G3-Brustkrebs, dem besonders bösartigen, lässt sich WT1 in 70 Prozent aller Fälle nachweisen. Privat-Dozent Dr. Georg Kunz, Chefarzt der Gynäkologie am JoHo und des Brustzentrums, ist stolz darauf, dass seine Klinik für die Studie ausgewählt wurde.Weltweit ist sie eine von nur 50 Kliniken. Kunz ist studien-erfahren, hat mindestens zehn ans Haus geholt und weiß aus gesicherten Erhebungen: „Frauen, die daran teilnehmen, haben bessere Überlebenschancen.“

300 Mammakarzinome jährlich werden am Johannes-Hospital behandelt. „Unter den Hochrisiko-Diagnosen finden sich viele Frauen unter 50 Jahren. Frauen, bei denen das Brustkrebs-Screening noch nicht greift, weil es erst mit 50 beginnt. Oft werden bei Jüngeren Tumore spät entdeckt, wenn sie schon über zwei Zentimeter groß sind“, warnt der Gynäkologe. In den letzten Jahren habe es eine Verschiebung hin zu jüngeren Patientinnen gegeben. Brustkrebs, so Dr. Kunz, habe viele Ursachen, die genetisch gesicherte Problematik läge etwa bei zehn Prozent. „Zu 90 Prozent weiß man es nicht, kennt nur die allgemein gültigen Risiken wie Rauchen, Trinken oder Adipositas. Brustkrebs ist aber nicht Ausdruck eines geschwächten Immunsystems“, betont der Chefarzt und erteilt damit allen Umwerbungen der Nahrungsergänzungs-Industrie eine klare Absage.

„Die wollen Frauen nur ein schlechtes Gewissen machen, nicht gut genug für sich gesorgt zu haben.“ Beim Protein-basierten Impfen, das nun die Studie durchläuft, nutzt die Medizin aus, dass bestimmte Eiweiße, wie eben WT1 auch, im Tumor produziert werden. „Das Eiweiß wird unter die Haut gespritzt mit einem Wirkstoffverstärker. Dort nimmt es eine Abwehrzelle auf und transportiert es zum Lymphsystem, wo es als Eindringling erkannt wird.“ Die Zerstörung der Krebszelle schließlich läuft zweigleisig, über Zellen, die Antikörper produzieren, also wie bei Windpocken, und über so genannte Killerzellen.

Eingesetzt wird diese antigenspezifische Impfung zusammen mit Chemotherapie bei großen Tumoren bevor sie operiert werden. Die Therapie dauert 18 bis 24 Wochen. Dr. Kunz schätzt, dass an seiner Klinik aktuell etwa 20 Frauen hierfür in Frage kommen. „Es gibt auch Vorstudien an Melanomen, die Erfolge zeigen“, weiß der Frauenarzt. Das Prinzip sei immer das gleiche: „Man hat ein Antigen, dass man gibt, und der Körper soll Antikörper dagegen entwickeln.“ 

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