Impfung in der Apotheke – eine „praktische Sache“ oder echte Gefahr?

mlzGrippe

Nicht mehr in die Arztpraxis, sondern einfach in die Apotheke zum Impfen? Das ist ein neuer Vorschlag. Wann könnte es so kommen? Was sagen Ärzte und Apotheker aus Dortmund dazu?

Dortmund

, 18.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir wollen den Ärzten nichts wegnehmen“, sagt Michael Mantell. Der Vorsitzende des Dortmunder Apothekervereins beobachtet genau, was in Berlin und im Saarland getestet wird, aber auch in Bonn und Düsseldorf: Dort kann man sich nicht nur bei Ärzten impfen lassen, sondern auch in einigen ausgewählten Apotheken. Zum Beispiel gegen Grippe.

„Es geht darum, die Impfquoten massiv zu erhöhen“, erklärt Mantell: „Seit Jahren trommeln wir, und in diesem Jahr wird es endlich gehört.“ Eine Grippeschutzimpfung in der Apotheke könne doch „eine praktische Sache“ sein.

Nicht extra in die Praxis? Das senkt die Hemmschwelle

Der Gedanke dahinter, auch bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der diese Idee in ein neues Gesetz schrieb: Die Hemmschwelle sinkt. Statt in die Arztpraxis zu müssen, dort vielleicht lange im Wartezimmer zu sitzen, einfach einen Termin in der Apotheke machen, dort ein Piks – und fertig.

„Jede gesicherte Maßnahme, die eine Impfquote erhöht, ist ein weiterer Sicherheitsfaktor für unsere Gesundheit“, findet Mantell. Zumal die Impfung als finanzieller Aspekt ausscheide: „Davon wird doch keiner reich“, sagt er mit Blick auf die Ärzte.

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Selbst ein erfahrener Arzt muss einen Impf-Lehrgang machen

Einfach eine Spritze und gut? Dr. Prosper Rodewyk widerspricht. Der Internist und Leiter der Dortmunder Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe erinnert daran, was bisher von Ärzten gefordert werde, wenn sie auch die Berechtigung zum Impfen haben wollten: Da habe man einen achtstündigen Kursus absolvieren müssen.

Und das grundsätzlich. Das treffe selbst auf den Gynäkologen oder den Chirurgen zu, die seit vielen Jahren als Mediziner praktizierten und die dafür ja schon ein langes Studium hinter sich hätten. „Und jetzt kommt der Apotheker und macht es auch? Ich halte es nicht für gut“, so Rodewyk.

„Ich muss mit dem Reanimationsbesteck umgehen können“

Nicht jede Impfung laufe ohne Komplikationen ab. „Es gibt allergische Reaktionen. Ich muss beispielsweise ein Reanimationsbesteck vorhalten und damit umgehen können.“

Dabei, das unterstreicht auch Rodewyk: Mehr Impfungen der Risikogruppen wären sinnvoll, etwa bei der Grippe. „Wir kommen noch lange nicht an die 70 Prozent, die die Weltgesundheitsorganisation von uns fordert. In Westfalen-Lippe lagen wir zuletzt gerade einmal bei 29 oder 30 Prozent.“

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Wollen die Apotheker in Dortmund das überhaupt?

Ob die Apotheken in Dortmund überhaupt bald impfen dürfen, hängt von zwei Dingen ab: Ist das Modellprojekt in anderen Städten überhaupt so erfolgreich, dass Apotheker bald überall impfen dürfen? Und: Wollen Dortmunds Apotheker überhaupt? Michael Mantell zum Beispiel deutet sagt: „Ob ich persönlich das machen würde – ich weiß nicht. Aber andere sehen das sicherlich anders.“

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