In dem Hotel einer Dortmunder Familie erzählt jedes Zimmer eine Geschichte

mlzKonkurrenz am Hotelmarkt

Immer neue Hotels entstehen in Dortmund. Aber auch eine alteingesessene Hoteliers-Familie mischt mit, um die Stadt für Touristen attraktiver zu machen. Sie setzt ganz bewusst auf Historisches.

Dortmund

, 25.02.2020, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn in Dortmund neue Bau-Planungsideen blühen, ist fast immer ein Hotel dabei. Von bis zu 23 neuen Hotels für die nächsten Jahre ist die Rede. Die städtische Wirtschaftsförderung hat immerhin zehn weitgehend konkrete Hotelprojekte mit fast 1800 Betten auf der Liste, die bis 2024 realisiert werden sollen.

Katja Kortmann kann das nicht schrecken. Ihre Familie führt das Hotel Esplanade am Burgwall seit fast sechs Jahrzehnten und hat gerade einen sechsstelligen Betrag in den Ausbau des Hauses investiert. 14 neue Zimmer sind entstanden, dazu eine schicke neue Fassade an der Ecke zur Bornstraße. Frischer Glanz für ein Vier-Sterne-Hotel in bester Innenstadtlage.

In völlig neuer Optik präsentiert sich das Hotel Esplanade an der Ecke Burgwall/Bornstraße nach der Erweiterung.

In völlig neuer Optik präsentiert sich das Hotel Esplanade an der Ecke Burgwall/Bornstraße nach der Erweiterung. © Oliver Schaper

Dass gleich nebenan neue Konkurrenz entstanden ist, sei reiner Zufall, sagt Katja Kortmann. Direkt neben dem Esplanade hat im vergangenen Jahr ein B+B-Hotel eröffnet. Eine Ecke weiter öffnet in zwei Monaten ein Leonardo-Hotel.

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Gute Nachbarschaft

Katja Kortmann, die die Leitung des Hotels Esplanade Anfang Februar von ihrem Vater übernommen hat, ist aber überzeugt, dass sich ihr Haus gegen die neue Konkurrenz behaupten kann. „Mit der Leitung des B&B-Hotels verstehen wir uns richtig gut“, erzählt sie.

Zudem bediene die Hotelkette aus dem Drei-Sterne-Bereich eine andere Kategorie als das Esplanade. Generell habe der Burgwall durch die Hotelbauten sehr gewonnen, werde nun als Hotelmeile wahrgenommen, sagt Katja Kortmann.

Anfang Februar hat Katja Kortmann die Leitung des Hotel Esplanade offiziell von ihrem Vater Karl-Ulrich übernommen.

Anfang Februar hat Katja Kortmann die Leitung des Hotel Esplanade offiziell von ihrem Vater Karl-Ulrich übernommen. © Oliver Schaper

Dass sich die Hotels am Burgwall durchaus ergänzen können, glaubt auch Klemens Kaspar, Pre-Opening-Manager des Hotel Leonardo. Am 20. April wird aus dem Pre-Opening-Manager der Hotel-Manager, denn dann beginnt im Leonardo der Alltagsbetrieb. Auch wenn beide Hotels im Vier-Sterne-Bereich arbeiten, sprechen die Hotelkette Leonardo und das Esplanade als familiengeführtes Haus andere Kundenkreise an, meint Kaspar.

Das Hotel Leonardo am Burgwall eröffnet am 20. April. Hoteldirektor Kevin Kaspar zeigt ein Musterzimmer.

Das Hotel Leonardo am Burgwall eröffnet am 20. April. Hoteldirektor Kevin Kaspar zeigt ein Musterzimmer. © Oliver Volmerich

Das Leonardo bietet 190 Zimmer, fünf Veranstaltungs- und Konferenzräume sowie ein Restaurant nebst Bar.

Das familiengeführte Hotel Esplanade bietet 97 Zimmer, 18 Appartements, Tagungsräume, Fitnessräume und Sauna. Familie Kortmann will vor allem mit Individualität punkten - und Geschichte.

Vor 122 Jahren wurde das Familienunternehmen am Wall als Möbelhaus gegründet, 1961 kam das Hotel dazu. Das Möbelhaus wurde aufgegeben, das Hotel wuchs stetig und wird nun von der fünften Generation betrieben.

„Ruhrpott“ als Motiv

„Wir sind als Familienunternehmen auf dem Hotelmarkt eine aussterbende Art“, sagt Katja Kortmann. Aber eine höchst lebendige. Persönlich, individuell und authentisch soll es zugehen.

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Das beginnt schon im Foyer, wo Hotelhund Flora bisweilen die Gäste freudig begrüßt. Und das wird vor allem in den Zimmern spürbar. Viele sind als „Ruhrpott-Zimmer“ mit Bergbau-Motiven gestaltet. Wer in seinem Bett liegt, taucht gewissermaßen in einen Stollen ein. „Die Fotos hat mein Vater selbst gemacht“, berichtet Katja Kortmann.

Wie in einem Bergbaustollen können sich die Gäste in einem der Ruhrpott-Zimmer im Hotel Esplanade fühlen.

Wie in einem Bergbaustollen können sich die Gäste in einem der Ruhrpott-Zimmer im Hotel Esplanade fühlen. © Oliver Schaper

Die neuen Panoramazimmer symbolisieren den Strukturwandel in Dortmund. Phoenix ist das Motto. Deshalb gibt es neben Erinnerungen an die Industriekultur sprießende Pflanzenmotive. „Storytelling“, nennt Katja Kortmann diese Gestaltung. Jedes Zimmer erzählt eine Geschichte, „und wer bei uns schläft, nimmt ein Stück Geschichte von Dortmund mit.“

Einen tollen Ausblick bieten die neuen Panorama-Zimmer im Esplanade.

Einen tollen Ausblick bieten die neuen Panorama-Zimmer im Esplanade. © Oliver Schaper

Moderne Kommunikationstechnik gehört natürlich auch dazu. Alle Zimmer sind mit HDMI-Anschluss und neuester WLAN-Technik ausgestattet. Denn viele Hotelgäste sind Geschäftsreisende. Die Familie Kortmann spürt auch auf diesem Wege den Strukturwandel, der sich auch in seit Jahren steigenden Gästezahlen in der Stadt bemerkbar macht.

„Dortmund hat den Wandel zur IT-Stadt vollzogen. Viele Gäste sind angenehm überrascht von der Stadt. Und das Image von Dortmund wird immer besser“, stellt Katja Kortmann fest. Mit ihrem Hotel will sie selbst einen Beitrag dazu leisten.

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