Markttag auf dem Nordmarkt: Kein Abstand am Gemüsestand

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Keine Spur von Corona-Schutzmaßnahmen am Nordmarkt: Die jüngsten Lockerungen hat man hier mitunter etwas zu locker gesehen. Ein Rundgang.

von Daniel Reiners

Nordstadt

, 24.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist Dienstag. An diesem 21. April drängeln sich auf dem Nordmarkt gegen 12 Uhr unzählige Familien, jugendliche Gruppen und vor allem Rentner. Hier beginne ich meinen Rundgang durch die Nordstadt, um mir anzuschauen, wie sich die Lage dort seit den jüngsten Corona-Lockerungen entwickelt hat.

Auf dem Nordmarkt stecken die Menschen die Köpfe zusammen

Ich steige am Nordmarkt aus dem Auto und sehe ein halbes Dutzend Rentner. Ohne Mundschutz stecken die Männer und Frauen ihre Köpfe nah zueinander, um sich über das Obst auszutauschen, das vor ihnen liegt. Daneben hustet ein junges Mädchen vor sich hin.

Ich gehe erst einmal weiter. Vor den Marktständen stehen Hinweisschilder. „Bitte 2 Meter Abstand halten. Danke“, steht darauf. In den engen Gängen zwischen den Ständen ist das bei der Zahl an Menschen aber quasi unmöglich.

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An den Ständen beugen sich Käufer und Verkäufer über Obst und Gemüse zueinander, um über die Preise zu sprechen. Die wenigen Menschen, die Mundschutz tragen, nehmen sie ab, um besser an den Früchten und Gewürzen riechen zu können.

An einem normalen Dienstag könnte man sagen: voller Erfolg, der Markt ist rappelvoll. In der Corona-Krise kann so ein dichtes Beisammensein aber kein Erfolg sein.

Über den Obstständen steckten die Menschen die Köpfe zusammen.

Über den Obstständen steckten die Menschen die Köpfe zusammen. © Daniel Reiners

Ich fotografiere eine der Menschenansammlungen. Das gefällt einem Standmitarbeiter nicht, „was machst du da?“, fragt er und kommt mir dann ziemlich nah, um sicherzustellen, dass ich die Fotos lösche. Meine Bitte um zwei Meter Abstand ignoriert er. Ich gehe weiter. Mit den Fotos.

Auf der Münsterstraße und Mallinckrodtstraße geht es ruhiger zu

Den Nordmarkt lasse ich hinter mir, ich laufe jetzt in Richtung Münsterstraße und komme an einer öffentlichen Toilette vorbei. Die wirkt auch ohne Corona im Hinterkopf ungemütlich. An der Außenwand hängt ein fast unlesbares Schild, auf dem „Bitte 2 Meter Abstand“ steht. Ich betrete die Toilette aus hygienischer Vorsicht nicht.

Auf der Münsterstraße geht es dann ruhiger zu. Hier scheinen sich die Passanten zu großen Teilen an die Abstandsregeln zu halten. Keiner rückt dem anderen auf die Pelle, ich sehe keine allzu großen Menschengruppen.

Die Einkaufsläden treffen nach Möglichkeit Vorsichtsmaßnahmen. Vor einem Lebensmittelgeschäft sprüht eine Mitarbeiterin die Einkaufskörbe mit Desinfektionsspray ein und zählt mit einem Klicker immer bis 20. Mehr Menschen kommen nicht zur gleichen Zeit rein.

„Man merkt auf jeden Fall, dass die Leute Sehnsucht hatten nach Shopping. Bis jetzt sind die meisten, wenn auch ungeduldig, doch noch ganz freundlich geblieben“, erzählt sie mir. Ihr Name und der des Geschäftes sollen hier nicht auftauchen, so ihr Wunsch.

„Bis jetzt haben wir keine Probleme“

Weiter gehe ich über die Mallinckrodtstraße. Auch hier sind nicht allzu viele Menschen zu sehen. Deswegen kann der kleine Junge vor mir auch gedankenversunken eine Dose vor sich her treten, ohne Gefahr zu laufen, jemandem in den Zwei-Meter-Sicherheitsbereich zu stolpern.

Vor dem Baumarkt tedox hatte sich eine Schlange formiert. Hier schienen die Vorsichtsgebote eingehalten zu werden.

Vor dem Baumarkt tedox hatte sich eine Schlange formiert. Hier schienen die Vorsichtsgebote eingehalten zu werden. © Daniel Reiners

Vor dem Renovierungsgeschäft Tedox auf der Borsigstraße hat sich eine Schlange formiert. Hier halten die Menschen genügend Abstand. Ein Mitarbeiter sprüht Einkaufswagen ab und hält den Klickzähler bereit. „Bis jetzt haben wir hier keine Probleme“, sagt er. Aber es sei ja auch erst seit Kurzem wieder vieles geöffnet.

Es ist 13 Uhr. Zurück am Nordmarkt ist es immer noch voll an den Ständen. Auf dem Weg zum Auto niest mir eine junge Frau ohne Hand vor dem Mund in die Seite. Ich muss mich kurz schütteln, steige ein und bin weg.

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