In der Innenstadt-West hat sich der Bezirksbürgermeister selbst abgewählt

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Zwei Monate nach der Wahl hat Dortmunds westliche Innenstadt einen neuen Bezirksbürgermeister. Und für den hat sogar der bisherige Amtsinhaber gestimmt.

Dortmund

, 12.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der neue Bezirksbürgermeister der Innenstadt-West kannte das Prozedere schon, bevor er am Mittwoch (11.11.) die Wahl annahm. Friedrich Fuß von den Grünen hatte das Amt bereits von 2009 an inne, bis er es zur Hälfte der vergangenen Wahlperiode an Ralf Stoltze von der SPD abgegeben hat. So war es nach der vorangegangen Wahl abgesprochen.

Bei der Wahl im September 2020 haben die Grünen in dem Stadtbezirk nun aber mehr als 40 Prozent der gültigen Stimmen bekommen - nirgends in Dortmund war eine Partei deutlicher vorne. Dieses Ergebnis brachte auch die SPD dazu, Fuß als gemeinsamen Kandidaten aufzustellen. 16 von 19 Bezirksvertretern haben ihn gewählt.

Vorgänger Stoltze lobt die gute Zusammenarbeit

Unter ihnen war auch Ralf Stoltze, der sich am Mittwoch also selbst abgewählt hat - zumindest bestreitet er die geheime Wahl nicht. „Das war schon komisch“, gab der bisherige Amtsinhaber im Anschluss zu: „Aber unseren Alltag wird das nicht verändern.“

Bei manchen Terminen merke man vielleicht, dass die Ämter neu vergeben wurden, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien sei aber bislang immer gut gewesen. Stoltze und Emanuel Katsougris von der CDU sind nun stellvertretende Bezirksbürgermeister.

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Die Zukunft des politischen Engagements zwischen City und Dorstfeld, Unionviertel und Stadion soll von zwei Themen besonders geprägt sein, sagt der 67-jähriger Rentner Friedrich Fuß, der zuvor als Schauspiel-Regisseur tätig war.

„Die größte Aufgabe ist, dass wir Schulen und Kindergärten fördern, damit sie die Corona-Zeit hervorragend überbrücken können durch gute Technik“, so Fuß: „Und dass Innenstadt-West nazifrei wird.“

Rechtes Ex-Ratsmitglied verliert auch Privilegien in der BV

Das Bild der Bezirksvertretung hat sich dahingehend bereits verändert. „Eines der größten Geschenke ist, dass Herr Brück uns nicht mehr stören wird“, sagte Fuß kurz nach seiner Wahl in der Sitzung.

Michael Brück, der Vertreter der rechtsextremistischen Kleinstpartei Die Rechte, hatte kurz zuvor erklärt, den Sitz der Partei im Rat der Stadt nicht in Anspruch nehmen zu wollen. Als Einwohner der Innenstadt-West hatte er damit bislang auch Privilegien in der Bezirksvertretung. Nun darf er die Sitzungen nur noch wie jeder andere Bürger als Zuschauer verfolgen.

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