Tekle Abhie Goitom serviert seit 2018 ausgefallene eritreische und äthiopische Gerichte in seinem Restaurant Habesha in der Nordstadt. © Thomas Thiel
Restaurant-Exot

In diesem Dortmunder Lokal gibt es Ingwer-Kaffee, Weihrauch und kein Besteck

Dieses Restaurant ist einzigartig in Dortmund und Umgebung: In diesem Nordstadt-Lokal gibt es Sauerteig statt Besteck, Ingwer-Kaffee mit Weihrauch und Weidekörbe voller Köstlichkeiten.

Dortmunds vielleicht exotischstes Restaurant übersieht man leicht: Auf den ersten Blick macht das Lokal mit dem schmalen Schaufenster gegenüber des Roxy-Kinos an der Münsterstraße recht wenig her.

Doch wer den Schritt hineinwagt, betritt eine andere kulinarische Welt. In der Luft hängt manchmal der Rauch von Weihrauch. Die Gäste sitzen vor großen Weidekörben, in denen Gerichte wie gemahlenes Kichererbsen-Püree oder geschnitzeltes Hammelfleisch serviert werden. Aus den Boxen kommt laute ostafrikanische Musik.

Die Einrichtung des Habesha ist abseits der vielen bunten Bilder mit afrikanischen Motiven eher schlicht. Von außen kann man das Restaurant schnell übersehen.
Die Einrichtung des Habesha ist abseits der vielen bunten Bilder mit afrikanischen Motiven eher schlicht. Von außen kann man das Restaurant schnell übersehen. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Es ist das Reich von Tekle Abrhie Goitom. Seit 2018 bietet der 34-Jährige hier Gerichte aus seiner Heimat Eritrea und dem Nachbarland Äthiopien an. Er hat das Lokal „Habesha“ getauft, nach seiner Volksgruppe, die in beiden Ländern lebt.

Das Habesha ist das einzige Restaurant seiner Art in Dortmund, aber auch weit darüber hinaus. Die nächsten eritreisch-äthiopischen Lokale gibt es erst wieder in Duisburg und Düsseldorf.

Laden ist sehr beliebt bei der Exil-Gemeinde

Entsprechend beliebt ist das Restaurant in der Exil-Gemeinde: Es herrscht ein reges Kommen und Gehen, irgendeiner der rund 450 Eritreer und Äthiopier in Dortmund ist gefühlt immer zu Gast, und wenn niemand von ihnen, dann Landsleute aus den Nachbarstädten. „Wir sind ein echter Treffpunkt“, sagt der Lokal-Inhaber.

Beim Essen laufen die Dinge in Eritrea anders als in Deutschland. So gibt es im Habesha beispielsweise kein Besteck. Stattdessen nutzt man spezielle Sauerteig-Rollen namens „Injera“.

Sauerteig statt Besteck: Im Habesha greift man die Speisen mit Injera. Das eritreisch-äthiopische Fladenbrot kommt in Rollen zum Essen, aus denen man Stücke herausreißt.
Sauerteig statt Besteck: Im Habesha greift man die Speisen mit Injera. Das eritreisch-äthiopische Fladenbrot kommt in Rollen zum Essen, aus denen man Stücke herausreißt. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Injera bildet das Rückgrat der eritreischen und äthiopischen Küche. Es ist die Grundlage von praktisch allen Gerichten. Man reißt es in Stücke und greift mit diesen das Essen. So entstehen kleine leckere Happen.

Jede eritreische Familie mache ihr Injera selbst, erzählt Tekle. Das Injera im Habesha ist auch aus der eigenen Familienproduktion und werde täglich frisch zubereitet. Wobei das in Deutschland länger dauere als in Eritrea: „Hier braucht der Teig drei Tage um aufzugehen, weil es so kalt ist. In Eritrea dauert das nur einen Tag.“

Rund 100 Stück des festen, aber doch fluffigen Teigs mit den vielen Mini-Blasen machen Tekle und seine Frau jeden Tag. Alle Gerichte im Habesha werden auf dem ausgerollten Teig serviert, meist auf silbernen Tabletts in großen Weidekörben – etwa Hamli, ein köstliches Gemisch aus Spinat, Grünkohl, Zwiebeln und Knoblauch, oder Bamya (Okraschoten in pikanter Tomatensoße).

Neben diesen auch für Vegetarier und Veganer geeigneten Gerichten gibt es Fleisch en masse, etwa Tzebhi-Derrho (gekochtes Hähnchen in scharfer Zwiebelsoße mit einem gekochten Ei) oder Zelzel Shikla (in eritreischer Butter gebratenes und geschnetzeltes Rindfleisch).

Wer sich bei seinem Einstieg in die eritreisch-äthiopische Küche ob der vielen exotischen Gerichte nicht entscheiden kann, für den gibt es gemischte Platten für kleines Geld.

Für den feierlichen Abschluss des Abends hat das Habesha noch etwas ganz Besonderes in petto: eine echte eritreische Kaffee-Zeremonie. Dafür kommt eine Jebena zum Einsatz, eine traditionelle bauchige Kaffeekanne aus Ton.

Kaffee im Weihrauch-Nebel

In ihr wird der Kaffee landestypisch aufgebrüht und mit Ingwer vermengt. Dann wird die schwarz-trübe Flüssigkeit in kleine, Espresso-ähnliche Tassen gegossen. Ein Fadenfilter im Ausguss verhindert, dass der Kaffeesatz in den Tassen landet. Der Kaffee schmeckt sehr intensiv und etwas scharf wegen des Ingwers und weckt definitiv müde Geister.

Den Kaffee nach dem Essen gibt es aus einer traditionellen Jebena-Kaffeekanne. Er ist mit Ingwer versetzt und ziemlich stark. Beruhigend wirkt hingegen das Weihrauch, das dazu angezündet wird.
Den Kaffee nach dem Essen gibt es aus einer traditionellen Jebena-Kaffeekanne. Er ist mit Ingwer versetzt und ziemlich stark. Beruhigend wirkt hingegen das Weihrauch, das dazu angezündet wird. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Den gegenteiligen Effekt hat der Weihrauch, der mit serviert wird und in einem kleinen Stövchen auf einem glühenden Kohlestück verbrannt wird – ein fester Bestandteil der eritreisch-äthiopischen Kaffeekultur.

So manch ein Gast verlässt das Habesha deshalb nicht nur beseelt von gutem Essen – sondern auch ein bisschen benebelt von Weihrauch-Schwaden.

Restaurant-Daten

Das „Habesha“ in der Nordstadt

  • Adresse: Habesha, Münsterstraße 86, 44145 Dortmund
  • Öffnungszeiten: 14-22 Uhr (Di-Fr); 13-22 Uhr (Sa); 14-20 Uhr (So); Montag ist Ruhetag.
  • Hauptgerichte kosten zwischen 10 und 17 Euro.
  • Website und Speisekarte: eri-äthio.de; Lieferdienst per WhatsApp-Bestellung: 0176/23646178
Über den Autor
Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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