Müssen auch in Dortmunds Karnevalsvereinen zu schwere Tanzmariechen von der Bühne?

mlzGewichts-Skandal im Kölner Karneval

In einer Kölner Tanzmariechen-Gruppe sorgt eine strenge Gewichtsüberprüfung der Tänzerinnen für einen Skandal. Spielt auch in Dortmunds Karnevalsvereinen die Konfektionsgröße eine Rolle?

Dortmund

, 03.02.2020, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Karneval geht seinem Höhepunkt entgegen, da sorgt eine karnevalistische Tanzgruppe aus Köln für negative Schlagzeilen. Von regelmäßigem Wiegen der Tänzerinnen, Magersucht und Mobbing ist die Rede. Auch in Dortmund gibt es zahlreiche Karnevalsvereine mit Show- und Gardetanzformationen. Werden die Mädchen auch dort ob ihrer Maße unter Druck gesetzt?

„Nein, das ist bei all unseren Gruppen nicht der Fall“, betont Walter Buchholz, Präsident des Festausschusses Dortmunder Karneval. „Es ist in keinem unserer Vereine so, dass den Mädchen gesagt wird: Du wiegst 500 Gramm zu viel, du darfst nicht in die erste Reihe.“

Müssen auch in Dortmunds Karnevalsvereinen zu schwere Tanzmariechen von der Bühne?

Walter Buchholz, Präsident des Festausschusses Dortmunder Karneval, hält nichts davon, die Bühnentauglichkeit vom Gewicht abhängig zu machen. © Stephan Schütze

Natürlich verlange gerade der Gardetanz gewisse athletische Voraussetzungen, doch wer dabei mithalten könne, der dürfe – unabhängig von der Konfektionsgröße – auf die Bühne: „In Dortmund sind auch einige propere Mädchen dabei. Die sind voll integriert, und das finde ich gut so.“

Bei der Dortmunder Prinzenproklamationen seien in der Vergangenheit mehrfach Tanzgruppen aus Köln zu Gast gewesen, sagt Buchholz: „Und da sieht man oft ein Gardemaß.“ Obwohl auch die Dortmunder Tänzerinnen viel Leidenschaft und Schweiss in ihr Hobby steckten, wolle und könne man sich mit solchen Gruppen vom Rhein nicht vergleichen. Die Kölschen Mariechen trainierten schließlich täglich und hätten bis zu zehn Auftritte täglich: „Das ist eine ganz andere Nummer.“

Gewicht ist nebensächlich

„Das Gewicht ist eher nebensächlich“, schießt Janine Mieleszko ins gleiche Horn, „viel wichtiger ist die Gelenkigkeit.“ Und Mieleszko weiß, wovon sie spricht: Sie ist 1. Vorsitzende sowie Trainerin beim Show- und Tanzsportverein Kirchderner Funken – und tanzt selbst. „Mittlerweile aber nur noch Show und keine Garde mehr. Mit den Jüngeren mitzuhalten ist schon eine Aufgabe.“ Die Frau ist übrigens selbst erst 29 Jahre alt.

Ihre Aussage verdeutlicht, dass der Tanz im Karnevalsverein vor allem eines ist: Sport. Zwar sei bei den Kirchderner Funken jeder willkommen und könne mitmachen, für ein Mitwirken in der Gardetanz-Gruppe sei das Beherrschen des beidseitigen Spagats aber ein Muss: „Und dafür muss man eben gelenkig sein.“

Müssen auch in Dortmunds Karnevalsvereinen zu schwere Tanzmariechen von der Bühne?

Nicht aufs Gewicht, sondern auf die Gelenkigeit kommt es an. Und davon besitzen die Ü-15-Gardetänzerinnen der Kirchderner Funken offensichtlich eine Menge. © Oliver Schaper

„90-60-90 ist bei uns keine Pflicht“, sagt auch Reiner Lahme, 1. Vorsitzender und Präsident der Karnevals-Gesellschaft „Kiek es drin“ Lütgendortmund. „Tanzmariechen dürfen ruhig ein paar Pfund auf den Rippen haben - dafür wird hier niemand diskriminiert.“

Wenngleich nicht auf Konfektionsgröße oder Gewicht geachtet werde, müssten die Tänzerinnen schon etwas dafür tun, um auf die Bühne zu kommen, weiß Lahme. Denn schließlich handele es sich ja um eine Sportart: „Und wenn die Leistung nicht ganz reicht, dann eben im nächsten Jahr. Alles ohne Zugzwang und ganz freiwillig.“

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In Fakten heißt das: Die Lütgendortmunder trainieren zweimal wöchentlich, im Vorfeld von Veranstaltungen auch häufiger. So waren die Dortmunderinnen schon in den Rheinmetropolen zu sehen, sagt Lahme mit breiter Brust: „Wir müssen uns nicht verstecken, aber in Köln oder Düsseldorf ist das Ganze sehr viel kommerzieller. Wir hingegen sind froh, wenn wir die Spritkosten decken können.“

Doch eines eint Rheinländer und Westfalen: Im Karneval tanzen sehr viel mehr Mädchen als Jungs – zumindest auf den Bühnen. Während die Gardetanz-Formation bei den Senioren von „Kiek es drin“ 14 und die Showtanz-Gruppe sogar 20 Tänzerinnen zählt, gehört der gesamten Abteilung gerade mal ein junger Mann an.

Herren mit 120 Kilo

Indes gilt im weiten Karnevalsrund: je oller, je doller. Viele Dortmunder Vereine verfügen über eine ältere Herrengruppe, die in Lütgendortmund „Rheuma-Garde“ heißt und es sportlich nicht so genau nimmt.

Aus gutem Grund, erläutert Walter Buchholz: „Wenn bei den Männern in der Mitte ein Spargel steht und neben ihm zwei Kerle mit 120 Kilo, dann hat das Publikum seinen Spaß.“

Zur Sache

22 Karnevalsvereine in Dortmund

  • 22 Karnevalsvereine gibt es laut Präsident Walter Buchholz in Dortmund. Mindestens 18 davon hätten eine aktive Jugendgruppe.
  • Wie bei den meisten Vereinen, so ist die Jugendabteilung auch bei den Kirchderner Funken in verschiedenen Altersgruppen unterteilt.
  • Ab 6 Jahren gehören die Mitglieder der Jugend an und können bei Turnieren antreten.
  • Zwischen 11 und 14 Jahren ist man Mitglied der Junioren-Abteilung.
  • In der Ü15 sammeln sich alle älteren Jahrgänge.
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