In Dortmund wächst besseres Superfood als Goji- oder Acaibeeren

mlzLesetipp: Die klimafreundliche Küche

Wie wär‘s mal mit Kochen gegen den Klimawandel? Die Dortmunderin Monika Röttgen hat ein unterhaltsames und lehrreiches Buch dazu geschrieben – mit Rezepten wie dem Burger aus Roter Bete.

Dortmund

, 21.06.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bevor Monika Röttgen morgens zur Arbeit geht, macht sie sich eben noch ein Glas Hafermilch selbst, fertigt ein paar Energiebällchen aus Trockenobst, Nüssen und Getreide und backt dazu Wildkräuterbrötchen – Alltagsroutine für die Volkskundlerin und Kommunikationschefin der Arbeitswelt Ausstellung (DASA) in Dortmund-Dorstfeld.

Jeder könne das in seinen Alltag einbauen, sich gesund ernähren und gleichzeitig die Umwelt schonen, sagt sie – und zeigt, wie es geht. Sie hat dazu ein Buch geschrieben: „Die klimafreundliche Küche“. Ein gefundenes Fressen nicht nur für alle, die der Fridays-for-Future-Bewegung nahestehen, Cooking for Future sozusagen.

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Dabei ist es nicht nur ein Kochbuch, betont sie, sondern vor allem „ein Lese- und Mitmachbuch, das voller Anregungen steckt.“ Und viele Fakten vermittelt. Wer weiß schon, dass Konrad Adenauer als erster auf die Soja-Wurst als Fleischalternative setzte - aus der Not des Ersten Weltkriegs heraus geboren.

Umsteuern von radikal bis sanft

Damals war die Zeit noch nicht reif dafür. Als im vergangenen Jahr der Klima-Mediensommer mit den wachsenden Fridays-for-Future-Demos über Deutschland hereinbrach, hatte Monika Röttgen ihr Manuskript bereits fertig. Sie selbst lebt seit 25 Jahren vegetarisch und seit acht Jahren vegan. „Mit einem Hektar Land können 30 Menschen pflanzlich, aber nur sechs Menschen mit tierischen Lebensmitteln ernährt werden“, schreibt sie.

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Doch ihr Buch will nicht dogmatisch sein mit dem erhobenen Zeigefinger nach dem Motto „Wehe, wenn ich dich mit einem Würstchen erwische“, sagt sie, sondern aufklären und Möglichkeiten anbieten, wie jeder in seiner eigenen Küche umsteuern kann. Von radikal bis sanft.

Kochen gegen den Klimawandel fängt beim Kauf der Lebensmittel an, geht über die Verpackung bis zum Aufbewahren, Zubereiten und Aufessen. All das serviert Monika Röttgen mundgerecht in leicht verdaulichen Häppchen, unterhaltsam geschrieben, sowie sehr schön und übersichtlich von Laura Laakso illustriert.

Das bessere Superfood

Und Geld lässt sich auch noch sparen, wenn man etwa für den Salat oder als Gemüse auf „wildes Grün“ aus dem Garten, Balkonkasten oder von Wiesen zurückgreift wie Giersch, Brennnesseln, Gänseblümchen oder Löwenzahn. Das bessere Superfood als Gojibeeren sind schwarze Johannisbeeren, sagt Monika Röttgen „die gleichen Inhaltsstoffe nur eine Armlänge entfernt“. Statt Acaibeeren tut‘s auch Rote Bete.

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„Die klimafreundliche Küche“ sei kein Kochbuch für Gourmets, so Röttgen, „sondern sehr pragmatisch“. So liefert sie zum Beispiel für zehn Gemüseklassiker wie Kürbis, Karotten und Kohl je vier Rezepte in klimafreundlicher Darreichungsform: einen „Pot“, einen „Snack“, eine To-Go-Idee“ und etwas für „Vorräte“. Alles nur Vorschläge, sagt sie, jeder soll sich davon inspirieren lassen, unbedingt nach eigenem Empfinden abschmecken und würzen. Erprobt sind die Rezepte unter anderem in „Klimafreundlich-Kochkursen“ der Volkshochschule Dortmund.

Burger aus Roter Beete

Wie wär‘s mit einem Burger, der im Vergleich zu seinem Fleischbruder einen absolut schlanken Fuß in der Öko-Bilanz macht, gezaubert aus einer Roten Beete, einer Möhre, einer Handvoll gegarten Kichererbsen, 50 Gramm Haferflocken, zwei EL Sojamehl oder Sonnenblumenkernen, aus „Wurstkräutern“ wie Liebstöckel, Marjoran und Oregano, aus Giersch, Brennnesseln, Tomatenmark, Kreuzkümmel, Bockshornklee, Koriander, Paprika/Chili, Salz und Zitronensaft.

Die Rote Bete kochen, die Möhre reiben, beides und alle übrigen Zutaten pürieren und gut abschmecken. Zu Bällchen formen und im Ofen (180 Grad, 20 Minuten) oder in der Pfanne (auf mittlerer Flamme von zwei Seiten einige Minuten) garen. Ergänzende Zutaten wie Senf, Ketchup oder das Bürger-Brötchen findet man unter www.klimafreundlich-kueche.de.

Monika Röttgen gibt ihr Wissen auch in Online-Kochkursen beim Unverpacktladen „Frau Lose“ weiter. So ist am 1. Juli (Mittwoch) erneut ein Fermentierungsworkshop geplant sowie ebenfalls noch im Juli ein Online-Kochkurs unter dem Motto „Happy Snack mit Klima“. Die Termine gibt es auf der Homepage von Frau Lose.
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