In Tarnuniform am Telefon – Wie Soldaten in Dortmund gegen Corona kämpfen

mlzDortmunder Gesundheitsamt

Statt im Stab oder im Versorgungsbataillon zu arbeiten, sitzen 40 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten in Dortmund am Corona-Telefon – und drücken auch schon mal auf den falschen Knopf.

Dortmund

, 21.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hauptgefreiter Dennis Schlickmann und Obergefreite Melissa Fritzenkötter sitzen in Tarnuniform am Telefon und vor dem Computer. Sie arbeiten in einem Raum und gehören zu den 40 Bundeswehrsoldaten, die seit Donnerstag (15.10.) das Dortmunder Gesundheitsamt beim Telefonmarathon zur Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten unterstützen.

Der Hauptgefreite und die Wehrdienstleistende sind Teil der 15.000 Bundeswehrsoldaten, die unter dem Oberbegriff „helfende Hände“ bereitstehen, Kommunen und Kreise bei der Corona-Bekämpfung zu unterstützen. Der Corona-Hotspot Dortmund braucht diese Hilfe bei einem Inzidenzwert, der sich laut Dr. Frank Renken, Leiter des örtlichen Gesundheitsamtes, aktuell auf rund 70 einpendelt (72,8 am 20.10.).

Keinerlei Hoheitsrechte

Am Telefon lassen die Soldaten nicht erkennen, dass sie zur Truppe gehören. Sie melden sich als Mitarbeiter des Dortmunder Gesundheitsamtes. „Wir gehören zum Team. Wir nehmen keinerlei Hoheitsrechte wahr“, unterstreicht Oberstleutnant Stefan Heydt, Pressesprecher des Landeskommandos NRW, den Charakter der Amtshilfe.

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Die Soldaten aus der Glückauf-Kaserne in Unna haben sonst keine speziellen Aufgaben, sind sonst als Fahrer, Stab oder im Versorgungsbataillon eingesetzt, können gut mit dem Computer umgehen und gut telefonieren. Zuvor wurden sie in die Fragen eingewiesen, die sie dem Gegenüber am anderen Ende der Leitung stellen müssen. „Sie sind alle mit Herz und Seele dabei und sehen das als wichtige Aufgabe an“, sagt Stefan Heydt.

Beim Verbinden falscher Knopf

Trotz Einarbeitung könne es auch schon mal sein, dass man beim Verbinden einen falschen Knopf betätige und aus Versehen das Gespräch beende, sagt Gesundheitsamtsleiter Renken, bittet um Verständnis und in so einem Fall um einen erneuten Anruf. „Wir drücken keine Gespräche einfach weg.“

In Nordrhein-Westfalen hat es seit Beginn der Pandemie im März 120 Amtshilfe-Anträge gegeben, darunter im Zusammenhang mit den Hotspot-Ereignissen Heinsberg, Tönnies und in Köln. Aktuell erfülle man 20 Hilfsanträge, so Heydt, davon zwölf zur Kontaktnachverfolgung.

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Die Kosten für den Einsatz werden von der Stadt als Antragsteller übernommen. Darunter fallen aber keine Personalkosten, sondern nur der Aufwand für Transport, Verpflegung und Unterbringung.

Dazu meint der städtische Krisenstabsleiter Norbert Dahmen: „Wir sind absolut dankbar und begeistert über die Ergebnisse, die in so kurzer Zeit erzielt wurden. So konnte ein Stau von 2000 Kontaktpersonen innerhalb von sechs Tage abgearbeitet und das Gesundheitsamt wieder auf Stand gebracht werden.

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