Industrielle Kopf-Geburten

14.09.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Immer wieder gibt es Leute, die die Orte auf meinen Bildern wiederzuerkennen glauben", sagt Hans Bendiks (Foto). Das ist schlichtweg unmöglich: Bendiks Industriebilder entstammen allein seinem Kopf.

Natürlich, der 1958 geborene Duisburger wuchs im Schatten der Industrie-Giganten auf, sein Vater war Hochofenarbeiter. Bendiks hat sie alle gespeichert, die Bilder von rauchenden Schloten, von Werkseisenbahnen und getrübtem Himmel. Doch was er mit wasserlöslichen Gouache-Farben zu Papier bringt, sind weder getreue Abbilder industrieller Vergangenheit noch romantisierende Verklärungen. Es sind Gemälde gewordene Erinnerungen, die nur von weitem realistisch wirken. Je mehr sich der Betrachter nähert, desto abstrakter werden seine Bilder, meist Breitformate, die ein Industrie-Panorama zeigen.

"Bendiks zeigt die Industriestätten in einer unglaublichen Weichheit", sagt Galeristin Kriemhild Sattelmacher. In ihrer Galerie Kaiserstraße stellt sie Bendiks Werk unter dem Titel "Vom Ruhrpott zum Ende der Welt" im Ausstellungsraum auf dem Hof aus.

Auch Ausflüge in den Fotorealismus sind dort zu besichtigen. Etwa das Schwarz-Weiß-Bild einer Gruppe von Hochofen-Arbeitern. Bendiks hat das verblichene Foto bei seiner Mutter gefunden und abgemalt. Oder der alte VW-Käfer, der an einer typischen Ruhrgebiets-Straßenecke parkt.

Immer im Urlaub, sagt Bendiks, schalte er um. Von Gouache auf Aquarellmalerei, von Industrie- auf Meer-Motive: Gischt statt Gasometer, Kähne statt Kräne. Doch auch diese Bilder wirken unwirklich, wie aus großer Entfernung durch ein Fernglas betrachtet. pin

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