Initiative klagt gegen Asyl-Einrichtung

Erstaufnahme in Hacheney

Eine aus 50 Mitgliedern bestehende Bürgerinitiative (BI) klagt gegen den Betrieb der Asylbewerber-Erstaufnahme an der Glückaufsegenstraße in Hacheney.

HACHENEY

01.04.2011, 16:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die alten Schilder der Gehörlosenschule stehen noch: Am 4. April nimmt auf dem früheren Gelände des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe die Asylbewerber-Erstaufnahme den Betrieb auf.

Die alten Schilder der Gehörlosenschule stehen noch: Am 4. April nimmt auf dem früheren Gelände des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe die Asylbewerber-Erstaufnahme den Betrieb auf.

Die Stadt nimmt dort im Auftrag des Landes am kommenden Montag die Arbeit auf. Laut BI-Sprecher Markus Wigger sprechen Verfahrensfehler und nach dem Umzug von Aplerbeck nach Hacheney nicht gelöste Verkehrsprobleme gegen den Betrieb auf dem früheren Gelände einer Gehörlosenschule des Landschaftsverbandes. Mit einem Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen rechnet die Bürgerinitiative Mitte Mai. Laut Markus Wigger handelt es sich dabei um ein Eilverfahren. Die Stadt sieht dem Gerichtsverfahren gelassen entgegen. Hintergrund: Flüchtlinge aus der ganzen Welt leben ab dem 4. April für wenige Tage in Hacheney, weil sie einen Asylantrag stellen wollen und in der Erstaufnahme an der Glückaufsegenstraße in das Verfahren einsteigen. 20 Prozent der Antragsteller übersteigen die Hürden, die in ein besseres Leben führen. Wer beim ersten nicht ins Raster passt, muss Deutschland wieder verlassen. Mit dem Umzug der Asylbewerber-Erstaufnahme von Aplerbeck nach Hacheney verlegen auch die Asylverfahrensberater des Diakonischen Werks ihr Büro an die Glückaufsegenstraße. Ursula Burmann kennt diese Schicksale aus Afghanistan, dem Irak, Pakistan, Bangladesh, Sri Lanka oder Afrika, wo Minderheiten um ihr Leben fürchten müssen. Weil sie politisch unliebsam oder homosexuell sind. Oder weil die Religion des Landes die Beschneidung der Genitalien vorschreibt.Am runden Tisch Das Diakonische Werk gehört zur evangelischen Kirche – und für die sitzt auch Pfarrer Wolfgang Buchholz aus Wellinghofen am „runden Tisch“, der den Nachbarschaftsfrieden zwischen kritischen Anwohnern und den Flüchtlingen in Hacheney wahren soll. Ob Babys oder Betagte – „sie kommen mit ihren Familien zu uns, weil sie hoffen, in Europa ein besseres Leben führen zu können“, sagen Burmann und Buchholz über die Flüchtlinge. „Sie haben große Existenzangst“, sagt Ursula Burmann. „Und manche glauben“, so Ursula Burmann, „dass es reicht, dass sie nur das Wort Asyl aussprechen und schon bleiben dürfen.“ Dem ist nicht so. Die große Mehrheit der Antragsteller muss Deutschland wieder verlassen, weil die Bundesrepublik ihren Fluchtgrund nicht anerkennt.Verständnis zeigen Die evangelische Kirche möchte im Stadtteil Verständnis für die „Grenzgänger“ wecken und eröffnet in der nächsten Woche im Gemeindehaus eine Ausstellung über Flüchtlinge. „Wir müssen auch die Sorgen der Anwohner ernst nehmen“, so Buchholz über die Arbeit am runden Tisch, „auch wenn das schwierig ist.“ Vor dem Bau eines Wohnheim für psychisch Kranke in Wellinghofen hatte die Kirche auf Dialog gesetzt – und war erfolgreich damit. 

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