Eine 85-jährige Dortmunderin fand im August ein widersprüchliches Inkassoschreiben in ihrem Briefkasten. Wie man Betrüger erkennt. © dpa/ Christin Klose
Dortmunderin verzweifelt

Inkasso-Firma fordert Geld von Verstorbenem – Witwe (85) erstattet Anzeige

Ein Inkassoschreiben erreichte im August eine 85-jährige Dortmunderin: Ihr Mann, seit acht Jahren tot, habe Rechnungen offen. Den Tod des Mannes wollte man ihr nicht glauben.

176,98 Euro soll ein Dortmunder nachträglich bezahlen, der im April ein Abonnement beim Internet-Zugangsanbieter Usenext abgeschlossen und noch nichts gezahlt haben soll. Das Widersprüchliche: Der Mann ist seit acht Jahren tot.

Mit diesem Vorfall hat sich seine Frau bei unserer Redaktion gemeldet, eine 85-jährige Dortmunderin aus Körne. Den besagten Bescheid des Inkassounternehmens Atriga fand sie am 10. August in ihrem Briefkasten.

Dortmunderin habe keinen Internetzugang

Neben der Tatsache, dass ihr Mann schon lange tot ist, macht ein weiterer Umstand eine Online-Buchung beim Anbieter Usenext unmöglich: Sie hat keinen Internetzugang und hatte auch noch nie einen.

Deswegen hat sie bei der Inkassofirma angerufen und den Vorfall geschildert. Dort habe man ihr gesagt, sie solle die Sterbeurkunde einschicken, damit das Unternehmen den Fall prüfen könne. Sonst könne man ihr nicht helfen, da die Daten nicht an Dritte weitergegeben werden dürfen.

„Aber ich schicke ja nicht die Sterbeurkunde meines Mannes an ein fremdes Unternehmen. Wer weiß, was die damit machen“, sagt die 85-Jährige unserer Redaktion. Den Betrag zahlen will sie aber auch nicht. Also hat sie sich verzweifelt an die Polizei gewandt und eine Anzeige erstattet.

Anzeige führte zum Erfolg

„Nach drei Wochen hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt, weil kein Täter ermittelt werden könne“, schildert sie. Henner Kruse, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund, bestätigt das auf RN-Anfrage und erklärt: „Vermutlich hat sich ein Unbekannter mit den Personalien des Verstorbenen bei der Seite registriert und einen Vertrag abgeschlossen.“

Mittlerweile kann die Frau aus Körne aufatmen, denn Atriga hat den Inkassovorgang eingestellt, als das Unternehmen von der Anzeige der 85-Jährigen gehört hat. Das bestätigt ein Sprecher von Atriga auf Anfrage. Durch die Ermittlungen sei offensichtlich geworden, dass es sich um einen Missbrauch handelt.

Atriga habe die Geld-Forderungen von Usenext „geprüft, wie es gesetzlich verpflichtet ist“, so der Sprecher. Doch solche Missbrauchsfälle von Unbekannten seien für Inkassounternehmen, ebenso wie für die Polizei, anfangs schwer zu erkennen.

Widersprüchliche Inkassoschreiben können verschiedene betrügerische Hintergründe haben: Entweder wegen eines unbekannten Betrügers, der mit falschen Personalien einen Vertrag abschließt. Oder wegen betrügerischer Inkassounternehmen oder deren Auftraggeber, die zu unrecht Geld fordern.

Verbraucherzentrale rät: Inkassobüro, Zahlung und Rechnungen prüfen

Im Vergleich zu unbekannten Betrügern mit gefälschten Personalien sind unseriöse Inkassounternehmen leichter zu erkennen. Auf RN-Anfrage schreibt Iwona Husemann, Referentin für Verbraucherrecht der Verbraucherzentrale NRW: „Jedes Inkassobüro muss registriert sein.“ Ob ein Büro registriert ist, könne kostenlos im Rechtsdienstleistungsregister überprüft werden.

Außerdem würden unglaubwürdige Inkassoschreiben durch bestimmte warnende Merkmale auffallen, „wie zum Beispiel Rechtschreibfehler, ausländische Kontodaten, auf die das Geld überwiesen werden soll, fehlende Pflichtangaben oder die Androhung von weitreichenden Konsequenzen, die die Betroffenen verunsichern sollen“, so Husemann. Wie ein seriöses Schreiben aussehen soll, zeigt die Verbraucherzentrale auf ihrer Internetseite.

Direkt beim Erhalt des Schreibens solle man prüfen, ob man dem Unternehmen tatsächlich Geld schuldet oder mit der Zahlung in Verzug ist. Wer sich sicher ist, dass beides nicht der Fall ist, könne den Forderungen schriftlich widersprechen. Bei offensichtlichen Betrugsversuchen könne ohne Reaktion auf das Schreiben direkt Anzeige bei der Polizei erstattet werden.

Außerdem sagt Husemann: „Rechnungen von Inkassobüros sollten stets sorgfältig geprüft werden. Denn oft sind die Rechnungen überhöht.“

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2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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Nick Kaspers

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