Auf vielen Intensivstationen bleibt die Lage angespannt – auch in den Dortmunder Krankenhäusern. © picture alliance/dpa
Corona

Intensivbetten in Dortmund: Sinkt die Zahl der Covid-Patienten?

Entspannt sich die Lage auf den Intensivstationen in Dortmund? Gibt es weniger Covid-19-Patienten als noch vor Weihnachten? Die Zahlen legen das nahe. Aber es ist komplizierter.

Wie hoch ist die aktuelle Corona-Auslastung auf den Intensivstationen in Dortmund? Das Divi-Intensivregister gibt eine eindeutige Zahl an. Divi steht für „Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin“. Seit Frühjahr 2020 schon schlüsselt die deutschlandweit auf, wie die Lage in den Krankenhäusern ist.

Die positive Nachricht für Dortmund: Es sieht aktuell ein bisschen besser aus als noch im Dezember. Für Montag, 4. Januar 2021, waren folgende Zahlen vermerkt: 25 Covid-19-Patienten werden intensivmedizinisch behandelt, 14 davon zusätzlich mit Beatmung.

Mehr freie Betten als kurz vor Heiligabend

Generell freie Betten auf den Intensivstationen: 32. Generell belegte: 252.

Viel frei ist also nicht mehr, aber kurz vor Heiligabend sah es noch enger aus: Da war die Zahl der freien Betten zwischenzeitlich auf 23 gesunken. An den Beatmungsplätzen hingen im November und Dezember meistens anderthalb bis doppelt so viele Patienten wie derzeit.

„Die Lage hat sich etwas entspannt“, heißt es aus einem Dortmunder Krankenhaus. Wobei alles extrem dynamisch sei, wie Klaus-Peter Wolter erläutert, Sprecher des Klinkums Westfalen, zu dem beispielsweise das Knappschaftskrankenhaus in Brackel gehört, eine der Corona-Schwerpunkt-Kliniken in Dortmund.

Neu-Patienten, Enlassungen, Tote – alles hat Auswirkungen

Doch es ist komplizierter:

Kommen in ein Haus mehrere neue Covid-Patienten am gleichen Tag? Können dort Menschen von der Intensiv- auf eine normale Station verlegt werden? Verschlechtern sich Krankheitsverläufe, sodass Patienten neu auf die Intensivstation oder an die Beatmung müssen – oder im schlimmsten Fall sogar an die „ECMO“, also die Maschine, die außerhalb des Körpers das Blut mit frischem Sauerstoff versorgt, weil die corona-geschwächte Lunge das nicht mehr schafft? Und: Werden vielleicht Plätze für die schwersten Verläufe dadurch frei, dass Menschen sterben?

Alles das sind Faktoren, die rasch die Lage verändern können. Selbst wenn jeder einzelne Punkt nur einen oder zwei Patienten betrifft – in der Summe kann es zur deutlichen Entspannung oder Verschlechterung in einem Haus führen.

Nicht mehr alle Plätze in allen Häusern frei

Die Zahlen seien „wie Börsenkurse“, findet Marc Raschke, der Sprecher des Klinikums Dortmund. Genau deshalb verweisen die Krankenhäuser ans städtische Gesundheitsamt. Dessen täglich gemeldete Zahlen unterscheiden sich zwar minimal von denen des deutschlandweiten Intensivregisters. Doch auch hier ist deutlich: Die Zahl der Covid-Patienten hat über Weihnachten und den Jahreswechsel abgenommen.

„In Dortmund gibt es keinen Mangel an Intensivplätzen“, unterstrich Stadtsprecherin Anke Widow am Dienstagnachmittag. Aber gleichzeitig betonte sie: Das gelte in diesem Moment. Schon nach wenigen Tagen könne das anders aussehen.

Manche Plätze werden knapp: „Alles machbar, aber angespannt“

Dass es aktuell zwar nicht dramatisch, aber angespannt aussieht, zeigt auch ein genauer Blick ins Intensivregister. Für mehrere Krankenhäuser in Dortmund heißt es dort, dass „Low Care“- oder „High Care“-Plätze begrenzt oder tagesaktuell gar nicht mehr verfügbar seien. Das bedeutet aber auch: Irgendwo in Dortmund gibt es noch genügend Plätze.

Klinikum-Sprecher Raschke ergänzt: Die Zahlen seien ja „auch nur ein Teil der Einflussgrößen.“ Es gehe auch um Motivation und die Verfassung der Mitarbeiter. Das indes lasse sich nicht in Zahlen fassen. „Was wir aber sagen können: Es ist derzeit alles machbar, aber weiterhin angespannt – und mit zunehmender Dauer natürlich ein enormer Druck für die Mitarbeiter*innen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
Zur Autorenseite
Björn Althoff

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt