Über den Start des neuen Internetknotens Ruhr-CIX freuen sich vor dem Ruhr-CIX-Rechenzentrum in Dortmund (v.l.) Jörg Figura, Geschäftsführer von Dokom21, Dr. Thomas King von DE-CIX, Thomas Dettenberg, Geschäftsführer von Gelsen-Net und Patrick Helmes, Geschäftsführer von TMR. Mit dem Ruhr-CIX gründen die drei Ruhrgebietsstädte Dortmund, Bochum und Gelsenkirchen über Stadtgrenzen hinweg zusammen eine „Fabrikhalle der Digitalisierung“. © Stephan Schütze/Dokom21
Ruhr-CIX

Internetknoten in Dortmund eröffnet – Besseres Netz für Videos und Gaming

Die „Fabrikhalle der Digitalisierung“ steht in Huckarde. Das dortige Rechenzentrum soll Dortmund mit dem Start des Internetknotens Ruhr-CIX jetzt auf die Überholspur der Datenautobahn bringen.

Erst wurde Dortmund aus berufenem Munde als „Wiege des Internets in Deutschland“ geadelt, dann schwärmte man am Dienstagmittag (8.9.) am Dokom21-Rechenzentrum am Fallgatter in Huckarde vom Start der digitalen Hochgeschwindigkeits-Zukunft des Ruhrgebiets.

„Mit dem Start des neuen Internetknotens Ruhr-CIX beginnt für Dortmund und das Ruhrgebiet ein neues Zeitalter“, sagte Harald Summa, der Chef der weltweit agierenden Internetknoten-Plattform DE-CIX. Harald A. Summa, der Mann, der das Internet in Deutschland groß gemacht hat, freute sich mal wieder in Dortmund zu sein.

1990 war er des öfteren in der Stadt, als die Uni Dortmund eine Leitung in die US-Hauptstadt Washington aufbaute. „Hier in Dortmund gab es damit den ersten Service-Provider in Deutschland, der ein Netz betrieb. Heute gibt es über 55.000 Einzelnetze weltweit“, sagte Summa. Jetzt sei es an der Zeit, die digitale Infrastruktur von morgen zu starten.

In Ruhr-CIX wurden mehrere Millionen Euro investiert

Mehrere Millionen Euro haben die Städte Dortmund, Bochum und Gelsenkirchen in den neuen Internetknoten Ruhr-CIX (Ruhr-Commercial Internet Exchange) investiert, der in den jeweiligen Rechenzentren von Dokom21, TMR und Gelsen-Net beheimatet ist. Über den vor zwei Wochen gestarteten Hochgeschwindigkeits-Ring aus Glasfaser (Ruhr Backbone) sind die Rechenzentren miteinander verbunden.

Ruhr-CIX und Ruhr Backbone, so wurde von Dokom21-Chef Jörg Figura betont, bedeuten für die Entwicklung der digitalen Wirtschaft in der Region einen Innovationsschub – mit dem Rechenzentrum in Huckarde als „Fabrikhalle der Digitalisierung“.

Im Rechenzentrum in Dortmund
So siehst es im Innern des Rechenzentrums von Dokom21 in Huckarde aus. Über Tausende Kabel werden an diesem Internetknoten riesige Datenmengen transportiert. © Dokom21/Stephan Schütze © Dokom21/Stephan Schütze

Diese Fabrikhalle sei einfach nötig, um die immer größer werdenden Datenpakete im Internet immer schneller und auch zuverlässiger bewegen und bewältigen zu können. Das Internet wachse täglich um eine Million neuen Nutzer weltweit, hieß es.

Der Anteil der Onliner in Deutschland habe im Jahr 2019 bei 89 Prozent gelegen. Vor allem die Corona-Zeit mit Home Office, Home Schooling und Videokonferenzen zeige, wie wichtig stabiles Internet sei. Besonders im Ruhrgebiet als größter Metropolregion des Landes mit seinen fünf Millionen Menschen sei das Datenaufkommen enorm. Zudem hätten hier 37 der Top-500-Unternehmen in Deutschland ihren Standort.

Ruhr-CIX bringt Datenpakete direkt auf die Überholspur

Dortmunds Wirtschaftsförderer Thomas Westphal (SPD) erklärte den Fortschritt so: „Der Ruhr-CIX ist sozusagen der Hellweg des Internet und verbindet Dortmund direkt mit den internationalen Knotenpunkten. Unsere Daten müssen also nicht erst über die überfüllten Internet-Landstraßen zu einem entfernten Knotenpunkt, um dann weiter in die Welt geschickt zu werden. Sie können jetzt in Dortmund direkt auf die Überholspur. Wir erhoffen uns dadurch eine positive Sogwirkung für die Wirtschaft, ähnlich wie sie sich in Frankfurt am Main durch DE-CIX entwickelt hat.“

Für Wulf-Christian Ehrich, stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund, ist der neu geschaffene Internetknoten ein starker Standortfaktor für die digitale Zukunft: „Mit Ruhr-CIX zeigen wir einmal mehr, wie der digitale Wandel in unserer Region von uns gestaltet wird. Dadurch bieten sich immer wieder allen Unternehmen neue aussichtsreiche Möglichkeiten für digitale Prozesse und Geschäftsmodelle.“

Dortmund ist jetzt mit dem Ruhr-CIX zwar endgültig gut an die Datenautobahn angebunden, die Achillesferse der Glasfaser-Vernetzung bleibt aber noch die „letzte Meile“ zum Kunden. Die soll aber in Dortmund im nächsten Jahr angegangen werden, wenn 600 Kilometer Glasfaser zur Anbindung vieler weißer Flecken verlegt werden. © picture alliance / Carsten Rehde © picture alliance / Carsten Rehde

„Durch den Ruhr-CIX erhöht sich die Stabilität und Flexibilität der regionalen Infrastruktur. Angeschlossene Unternehmen werden die Verbesserung der Internetstruktur deutlich spüren, allein schon durch die lokale Verteilung der Daten. Der Ruhr-CIX wird somit zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen.

Durch die direkte Anbindung an DE-CIX ergibt sich zudem die Einbindung in ein globales digitales Ökosystem mit bedeutenden internationalen Playern“, erläutert Harald A. Summa, Geschäftsführer von DE-CIX.

Die „letzte Meile“ bleibt die Herausforderung

Der Ruhr-CIX reduziert die Laufzeit der Datenpakete zwischen den angeschlossenen Internetunternehmen und führt zu einem stabileren Netz für Anwendungen wie Cloud-Computing, VoIP-Verbindungen, Video, Gaming oder Musik-Streaming. Zudem soll der neue Internetknoten eine verbesserte Verbindung zu den wichtigen Internetunternehmen wie Google, Microsoft, Amazon, Akamai, Netflix oder Facebook aufbauen.

Bei all dem Stolz und dem Jubel wurde die Achillesferse der digitalen Welt nicht vergessen: die „letzte Meile“. Dass das letzte Verbindungsstück zum Kunden keine Holperstrecke bleiben soll, betonte Thomas Jarzombek (CDU) als Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums für Digitale Wirtschaft per Videobotschaft. „Die letzte Meile ist schlecht. Ich hoffe, wir schaffen das auch noch“, sagte er. Mit Bundesmitteln startet in Dortmund ja im nächsten Jahr ein umfangreicher Breitbandausbau.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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