Interview mit Opfer: So verändert ein Einbruch das Leben

Neue Serie

Die Zahl der Einbrüche steigt und steigt - und damit die Angst. Ein Einbruch kann ein Leben verändern. In einer neuen Serie beleuchten wir das Thema eine Woche lang aus verschiedenen Perspektiven. Zum Auftakt berichtet eine 74-jährige Dortmunderin, wie ein normaler Montag tiefe Spuren hinterlassen hat.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann

, 26.10.2013, 00:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach einem Einbruch ist alles anders: Das Gefühl der Sicherheit in den eigenen vier Wänden ist weg - da hilft auch die Polizei samt Spurensicherung (Bild) nicht.

Nach einem Einbruch ist alles anders: Das Gefühl der Sicherheit in den eigenen vier Wänden ist weg - da hilft auch die Polizei samt Spurensicherung (Bild) nicht.

Ich war an diesem Montagmittag für eine Stunde mit meinem Mann unterwegs. Als wir wieder gekommen sind, war die ganze Wohnung einmal auf links gezogen.

Die Täter müssen uns vorher ausspioniert und keine fünf Minuten nach unserer Abfahrt den Einbruch begangen haben. Die wussten, welches Auto zu welcher Wohnung gehört. Nur eine Nachbarin war im Haus.Die Einbrecher müssen auch gewarnt worden sein, kurz bevor wir zurück gekehrt sind. Als alles vorbei war, haben wir erfahren, dass zwei Frauen, die nicht in unsere Straße passten, vor dem Haus gewesen sind.

Unsere Wohnungstür, eine Tür mit höchstem Standard, ist an drei Stellen aufgehebelt worden. Die Einbrecher wussten genau, wo sie die Hebel ansetzen mussten. Alle Türen, alle Schränke, die Schubladen, Koffer und sogar kleine Dosen waren geöffnet. Wäsche und Kleidung – alles lag auf dem Boden.

Die waren auf Bargeld und Schmuck aus. Andere Werte in unserer Wohnung haben sie nicht angerührt.

Nein – ich habe einen fast schon idiotischen Kardinalfehler begangen: Ich bin durch die Wohnung gestürzt und habe sämtliche Zimmer angeschaut. Dabei hätten die Täter doch noch in der Wohnung sein können! Erst dann habe ich die Polizei angerufen.

Die Streife hat den Einbruch aufgenommen, Fotos gemacht und mich gebeten, auf die Spurensicherung zu warten. Ich sage allen: Es ist ein schlimmes Gefühl, in seinem Elend zu sitzen und auf die Spurensicherung zu warten. Ich durfte nichts anfassen, um keine Spuren zu verwischen. Die Spurensicherung hat etwa eine Stunde gearbeitet. Dann konnten wir mit dem Aufräumen beginnen.

Oh ja. Beim kleinsten Geräusch habe ich sofort einen schlimmen Verdacht. Das wird nie wieder weggehen. Durch ganz normale Geräusche und Umstände, die ich früher nicht wahrgenommen habe, wird mein Leben jetzt sehr stark beeinträchtig. Ich fühle mich hier nicht mehr sicher – und ich würde mich auch in einer anderen Wohnung nicht sicher fühlen.

Ich öffne niemandem die Tür, wenn ich nicht weiß, wer es ist und sich niemand angekündigt hat. Natürlich wollen wir eine neue Tür einbauen lassen. Aber die Lieferzeit beträgt sieben Wochen. Wir haben auch viel Ärger mit der Versicherung. Da führe ich viele unerfreuliche Gespräche. Welche Versicherung zahlt schon gerne? Die ganze Telefoniererei auch Wochen nach dem Einbruch erinnert ständig an das Geschehen.

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