Hohe Positiv-Quote: Ist der Flughafen Dortmund ein Superspreader?

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Die Positiv-Quote bei Corona-Tests von Reiserückkehrern in Dortmund ist überdurchschnittlich hoch. Werden Fluggäste zu Superspreadern? Wie wird die Meldepflicht von Urlaubern kontrolliert?

Dortmund

, 04.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von denen auf Corona getesteten Reiserückkehrern in Dortmund waren in der zweiten Woche der Herbstferien (19. bis 25. Oktober) 8,4 Prozent positiv – zum Vergleich: Deutschlandweit gibt das Robert-Koch-Institut die Positiv-Quote für diesen Zeitraum mit 5,62 an.

Dieser überdurchschnittliche Wert ließ einen Ruhr-Nachrichten-Leser stutzen: „Der Flughafen Dortmund ist ein Covid-19-Superspreader“, schreibt er in einer E-Mail an die Redaktion. Wahrscheinlich sei die Positiv-Quote unter den Passagieren noch viel höher, „weil sich nicht alle Flugreisenden testen lassen“, so der Dortmunder weiter.

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Als „schlichtweg falsch“ bezeichnet Davina Ungruhe, Pressesprecherin des Airports Dortmund, die Aussage, der Flughafen sei ein Superspreader. „Es gibt keinen bestätigten Fall, dass sich eine Person am Dortmund Airport mit dem Coronavirus infiziert hat. Im Gegenteil: Ein Beleg dafür, dass die Hygienemaßnahmen wirken, ist, dass sich noch kein Flughafen-Mitarbeiter aus dem operativen Bereich mit dem Coronavirus infiziert hat.“

Das Hygienekonzept ist umfangreich: Maskenpflicht, Abstandsregeln, Plexiglasscheiben sowie Personal und Lautsprecherdurchsagen, die ständig auf die Hygieneregeln hinweisen.

50 Prozent der Passagiere ließen sich am Flughafen testen

Was ist mit der Aussage, dass sich nicht alle Passagiere testen lassen? 10.397 Reisende aus Risikogebieten sind in der zweiten Herbstferienwoche am Flughafen gelandet. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die das mittlerweile geschlossenen Testzentrum am Flughafen betrieben hat. haben sich rund 5.000 Passagiere direkt vor Ort testen lassen.

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Die Stadt Dortmund meldete für diesen Zeitraum 6.264 Tests bei Reiserückkehrern – hier sind auch diejenigen, die sich im städtischen Testzentrum am Klinikum haben testen lassen, eingeschlossen.

Und als Reiserückkehrer gelten nicht nur die Flugpassagiere, sondern auch alle, die auf dem Landweg nach Dortmund zurückgekommen sind. Zudem weist die KVWL darauf hin, dass sich Urlauber auch bei ihrem Hausarzt testen lassen können.

Außerdem sind unter den 10.397 Fluggästen nicht nur Dortmunder Bürger. Und wer sich als Nicht-Dortmunder anderswo testen lässt, taucht in der Dortmunder Statistik nicht auf.

Reiserückkehrer müssen sich beim Gesundheitsamt melden

Fest steht aber: Wer aus einem Risikogebiet einreist, ist verpflichtet, sich beim Gesundheitsamt zu melden und 14 Tage in häusliche Quarantäne zu gehen. Ausgenommen davon ist nur, wer einen negativen Corona-Test vorweisen kann.

So steht es in der Corona-Einreiseverordnung des Bundes. Noch im Flugzeug müssen die Fluggäste Einreisekarten ausfüllen, die nach der Landung von der Bundespolizei eingesammelt werden, erklärt Sprecherin Davina Ungruhe.

„Diese werden an die entsprechenden Gesundheitsämter verteilt, sodass eine Rückverfolgung und eine stichprobenartige Kontrolle, ob Tests durchgeführt wurden und die Quarantänebestimmungen eingehalten werden, durchgeführt werden kann.“ Das Bundesinnenministerium plant, diese Praxis zum 8. November durch eine digitale Einreiseanmeldung zu ersetzen.

Auch wer auf dem Landweg einreist, muss sich beim Gesundheitsamt melden – das Formular gibt es online. Der Knackpunkt ist die Kontrolle. „Wir sind keine Ermittlungsbehörde“, sagt Amtsleiter Dr. Frank Renken. Es fehlt das Personal, um zu kontrollieren, ob sich alle, die in Quarantäne sein müssten, daran halten.

Das Problem sind für Renken die Reiserückkehrer, „die sich nirgendwo melden, nicht testen lassen und nicht in Quarantäne gehen“. Auf diese stoße man nur zufällig, wenn man einen anderen Fall nachverfolge. In diesem Zusammenhang appelliert er an das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen - und weißt darauf hin, dass man sich an der Teststelle Klinikum unkompliziert testen lassen kann.

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