Eine Studie warnt vor Sonnencreme. Doch wie schützen wir uns vor der Sonne, wenn der vermeintlich verlässlichste Schutz doch nicht so gesund ist? Eine Dortmunder Hautexpertin gibt Antworten.

von Ameli Uszball

Dortmund

, 25.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Die USA hat eine Studie durchgeführt und verkündet: „Sonnencreme ist giftig“. Eine Aussage, die man nicht einfach so stehen lassen kann, findet Dr. Pia Dücker, Oberärztin in der Hautklinik des Klinikums Dortmund und Mitglied im Westfälischen Krebszentrum.

Die Studie sei nicht fundiert genug, meint die Expertin - doch Dücker gibt auch keine Entwarnung. Warum genau sie sich gegen die Studie stellt und was man sonst noch tun kann, um sich gegen Sonne zu schützen.

? Welche Auswirkungen haben Sonnenstrahlen eigentlich?

Mittlerweile ist wohl jedem klar, dass zu viele Sonnenstrahlen definitiv nicht gut für unsere Haut sind, da sie im schlimmsten Fall zu Hautkrebs führen können.

Die UV-Strahlen führen nicht nur zu Hautalterung, sondern sorgen auch dafür, dass die Erbsubstanz der Zellen geschädigt wird. Wenn diese nicht durch Reparaturenzyme behoben werden können, entstehen Tumore, welche sich im weiteren Verlauf zu Krebs entwickeln. Aber unsere treue Sonnencreme ist ja der Retter in der Not, oder?

? Ist unsere Sonnencreme schädlich?

Glaubt man den Amerikanern, dann ja. Die Sonnencreme, die wir jedes Jahr mit in den Urlaub nehmen, könnte potentiell schädlicher sein, als die Sonnenstrahlen, die auf unsere Haut einwirken.

Um dies zu beweisen, wurde eine Studie mit 24 jungen Menschen durchgeführt, denen über vier Tage viermal täglich 75% ihre Hautoberfläche mit Sonnenschutz eingecremt wurde.

Daraufhin überprüften Toxikologen, inwiefern sich verschiedene chemische UV-Blocker, zum Beispiel Avobenzon oder Octocrylen, im Blut der Testpersonen befanden und verglichen diese Werte mit, für unbedenklich befundenen, Basisgrenzwerten.

? Was sagt unsere Expertin dazu?

So kritisch wie die Amerikaner sieht Dücker das ganze nicht. „Der Basisgrenzwert ist nur eine geschätzte Konzentration, bis zu der - wie man vermutet - diese Substanzen unbedenklich sind. Dieser Wert wurde nicht durch Untersuchungen am Menschen belegt“, sagt die Expertin.

Ist Sonnencreme giftig? Das hilft wirklich gegen gefährliche UV-Strahlen

Dr. Pia Dücker äußert sich zu der Sonnencreme-Studie. © Klinikum Dortmund

? Also doch Entwarnung?

„Jein“, erklärt Dr. Pia Dücker. Zwar findet sie, dass die Studie nicht aussagekräftig genug sei und man die Bedenken über krebserregende Stoffe nur auf hohe Konzentrationen und auf das Inhalieren solcher Stoffe beziehen könne, trotzdem sieht sie die Sonnencremes auf dem Markt kritisch. Wirkstoffe würden kombiniert, ohne dass ausreichend untersucht worden sei, ob diese Kombinationen sich vertragen.

Eine forschungsbasierte Entwarnung gibt es also auch nicht. Man solle sowieso noch weitere „wissenschaftlich, groß angelegte Untersuchungen“ durchführen, da die dargelegten Bedenken über UV-Blocker Anlass zur Besorgnis geben.

? Was kann ich tun, wenn ich Sonnencreme vermeiden will?

Dr. Dücker verrät einige Tipps: Zunächst einmal helfen zum Beispiel dunkle, trockene T-Shirts viel besser als helle, nasse, denn anders als häufig behauptet, nehmen dunkle Kleidungsstücke die Strahlungen zwar eher auf, reflektieren aber den infraroten Anteil.

Dadurch sind sie weniger durchlässig für Sonneneinstrahlungen. Also im Sommer besser zum schwarzen T-Shirt greifen, am Besten zu Kleidung mit UV-Siegel. Ebenfalls hilfreich ist es, die Sachen mit Waschmitteln mit UV-Absorber zu waschen.

? Kann ich mich nur äußerlich schützen?

Auch von innen heraus ist es möglich, sich gegen die Sonne zu schützen. Die australische Bevölkerung schwört zum Beispiel auf Nikotinamid (Vitamin B3), da es zu einer Reduktion des weißen Hautkrebses führen soll.

Im Internet kursieren auch weitere angebliche „Wundermittel“ wie Astaxanthin aus Rotalge und Lachs, Beta-Karotin in Kombination mit Vitamin E und Polyphenonen aus grünem Tee, ihre tatsächliche Wirkung ist aber umstritten.

? Naturkosmetik - Unser Retter in Sachen Sonnenschutz?

Zwar arbeiten Hersteller von naturbelassenen Produkten mit mineralischen UV-Blockern anstatt chemischen, da Titandioxid aber zu diesen Stoffen gehört, besteht dennoch ein Risiko. Dieses Partikel gehört zu den Stoffen, die bei Inhalation potentiell krebserregend sein kann, wie Dr. Dücker zuvor erklärt hatte.

Mittlerweile gibt es aber auch Natursonnencreme ohne Nanopartikel, die wohl eine sehr gesunde Alternative zu den chemischen darstellen, jedoch erreicht diese häufig nur einen Lichtschutz mit LSF 30.

? Nie wieder Sonnencreme?

Dr. Dücker rät deutlich von dieser Entscheidung ab, da zum Beispiel Studien aus Australien zeigen, dass die Verwendung von konsequentem Sonnenschutz „die Häufigkeit sowohl des weißen als auch des schwarzen Hautkrebs reduzieren kann“, so die Expertin.

Noch dazu gehört das Basalzellkarzinom, also der weiße Hautkrebs, noch zu den Top-Tumoren in den Tumorregistern.

„Ein Lichtschutzfaktor ist also nach wie vor lebenswichtig“, unterstreicht Dr. Dücker. Dennoch empfiehlt es sich eher eine Creme anstatt ein Spray zu verwenden, um eine mögliche Inhalation gefährlicher Stoffe zu verhindern.

Die Expertin

Frau Dr. Pia Drücker ist die Oberärztin in der Hautklinik im Klinikum Dortmund und Mitglied im Westfälischen Krebszentrum.
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