Italienisches Unternehmen wollte HSP kaufen

Geschlossener Spundwandhersteller

Ende 2015 lief beim Dortmunder Spundwandhersteller HSP die letzte Schicht. Nun wurde bekannt: Das italienische Unternehmen Calvi war wohl ernsthaft an der Übernahme von HSP interessiert - dessen Mutterkonzern Salzgitter AG nahm aber keine Verhandlungen auf. Hätte HSP gerettet werden können? Die Meinungen gehen auseinander.

DORTMUND

, 02.02.2016, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ende 2015 war bei HSP an der Alten Radstraße in Dortmund Schluss. Jetzt wurde bekannt, dass ein italienisches Unternehmen den Spundwandhersteller übernehmen wollte.

Ende 2015 war bei HSP an der Alten Radstraße in Dortmund Schluss. Jetzt wurde bekannt, dass ein italienisches Unternehmen den Spundwandhersteller übernehmen wollte.

Der Dortmunder Spundwandhersteller Hoesch Spundwand und Profil (HSP) hat Ende 2015 geschlossen. Der Mutterkonzern, die Salzgitter AG, wollte die Verluste nicht länger hinnehmen. Die letzte Schicht bei HSP war bereits Mitte Dezember gelaufen. 

Italienisches Stahlunternemen Calvi war ernsthaft interessiert

Monatelang hatte zuvor ein Unternehmensberater im Auftrag des HSP-Betriebsrates und der Gewerkschaft IG Metall versucht, doch noch einen Investor für HSP zu finden und das Werk so zu retten. Immer wieder war von Interessenten die Rede. 

Einer davon ist jetzt auch namentlich bekannt: Das italienische Stahlunternehmen Calvi war offenbar ernsthaft daran interessiert, HSP zu kaufen. So berichtet es der WDR. Calvi hatte 2005 das Unternehmen Hoesch Schwerter Profile gekauft. 

Auf Anfrage dieser Redaktion bestätigte am Dienstag Salzgitter-Konzernsprecher Bernhard Kleinermann, dass Calvi im Herbst 2015 Kontakt zur Salzgitter AG aufgenommen habe. Allerdings: Einen Kaufpreis habe Calvi nicht geboten, ein Angebot habe es somit nicht gegeben. 

Salzgitter AG: Interesse war "nicht seriös"

Aus Sicht der Salzgitter-Konzernspitze handelte es sich um "kein seriöses Interesse". Calvi, so der Konzernsprecher, habe "kein tragfähiges wirtschaftliches Konzept" präsentiert. Dreh- und Angelpunkt für den wirtschaftlichen Weiterbetrieb von HSP wäre laut Kleinermann gewesen, günstiger als bisher an Rohstahl als Vormaterial heranzukommen. Diese Möglichkeit hätte Calvi nicht gehabt. HSP habe das Vormaterial so günstig gekauft wie möglich.

Bei Salzgitter hat man das Interesse vorrangig als Interesse am Erwerb des HSP-Anlagevermögens (der Maschinen) wahrgenommen. Calvi hat sich bisher auf eine Anfrage dieser Redaktion nicht geäußert.

IG Metall und NRW-Ministerien waren involviert

Das Interesse der Italiener bestätigte auf Anfrage dieser Redaktion Hans Jürgen Meier, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Dortmund. Auch bei der Wirtschaftsförderung Dortmund hatte Calvi Interesse an HSP bekundet, sagte deren Geschäftsführer Thomas Westphal. 

Meier stand mit dem beauftragten Unternehmensberater in Kontakt und vermittelte Kontakte zwischen Calvi und dem NRW-Arbeits- sowie dem Wirtschaftsministerium. Mit deren Unterstützung hätte Calvi auf Salzgitter zugehen sollen. 

Betriebsratskreise: Calvi-Konzept war gut

Meier sagt: "Ich hatte nicht den Eindruck, dass Calvi nur darauf aus war, die Anlagen zu verwerten." Auch aus Betriebsratskreisen hieß es am Dienstag, das technische und vertriebsmäßige Konzept von Calvi sei gut gewesen. Und: Günstiger an Vormaterial heranzukommen, wäre möglich gewesen - dieser Meinung sei der Betriebsrat immer gewesen.

Westphal sagte, er könne den Ausgang  der Gespräche zwischen Salzgitter und Calvi nicht bewerten. Fakt sei: Nach dem Aus von HSP gebe es mit dem luxemburger Unternehmen Arcelor nur noch einen Spundwandhersteller in Europa - "das hätten wir gerne anders gehabt".

Jetzt lesen

Jetzt lesen

 

Lesen Sie jetzt