Jazz bis Metal: Diese 6 Neuerscheinungen helfen durch die Corona-Krise

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Quarantäne und Corona-Lockdown können langweilig sein – die perfekte Chance, um neue Musik zu entdecken. Hier sind sechs kürzlich erschienene Alben und zwei Klassiker zum Wiederentdecken.

Dortmund

, 13.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Philosoph Friedrich Nietzsche schrieb einmal: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“. Daran ist durchaus etwas dran. Musik kann Halt geben, gerade in schweren Zeiten.

Auch bei der Corona-Krise: Ob Quarantäne oder Lockdown, nun ist die perfekte Gelegenheit, mit der Musik auf Tuchfühlung zu gehen. Deshalb haben wir sechs kürzlich erschienene Alben rausgesucht, die diese Zeit etwas erleichtern können. Jazz-Liebhaber kommen dabei genauso wie Metalheads oder Pop-Fans auf ihre Kosten. Außerdem haben wir noch zwei weitere Klassiker zu empfehlen.

The Weeknd – After Hours

Abel Tesfaye, The Weeknd’s bürgerlicher Name, steht trotz engelsgleicher Stimme, die an Michael Jackson erinnert, für düsteren R‘n‘B. Dem bleibt er sich bei seinem neuen Album treu: Sein autobiographisches Konzeptwerk über einen jungen Kanadier, der Toronto gegen Los Angeles eintauschte, zum „Starboy“ (Titel seines vorherigen Albums) wurde und mit Drogen, Depression und Einsamkeit zu kämpfen hat. Tesfayes viertes Album hat trotz dieser schweren Themen einen angenehmen 80er-Synthesizer-Sound, der gut ins Ohr geht. VÖ: 20.3. (XO/Republic)

„After Hours“ hier anhören: Spotify | Apple Music

Anspieltipps: Blinding Lights, Heartless, Too Late

Ringo Deathstarr – Ringo Deathstarr

Star Wars oder die Beatles haben hier, außer bei den Namen, keine Rolle gespielt. Nur ihr größter Einfluss ist, wie die Beatles, britisch: Shoegaze, wie man die Musik der Band nennt, wurde in den 80ern von den Iren Band My Bloody Valentine erfunden. „Ringo Deathstarr“ klingt voluminös, laut und effektvoll, dabei aber nie anstrengend, sondern immer schön melancholisch-träumerisch. Das Trio aus Texas mit dem vielleicht besten Namen aller Zeiten schafft es, dass ein 30 Jahre altes Genre nicht staubig klingt und schafft den perfekten Soundtrack fürs Homeoffice oder Tagträumen auf der Couch. VÖ: 27.3. (Club AC30)

„Ringo Deathstarr“ hier anhören: Spotify | Apple Music

Anspieltipps: Be Love, Cotton Candy Clouds, Gazin‘

Die Arbeit – Material

Achtung, Wortspiele: „Die Arbeit“ hat gute Arbeit geleistet und super „Material“ abgeliefert. Nein ernsthaft, gleich der erste Song ist ein angenehmer, aber harter Schlag ins Gesicht. Wuchtiger Bass, schrille aber auf den Punkt gebrachte Gitarren-Riffs und ein mitreißender Drum-Beat lösen ein Gefühl der persönlichen Revolte aus. Darum geht es quasi auch in den Songtexten, die übrigens alle auf Deutsch gesungen werden. Ein bisschen Denkarbeit benötigt es dennoch bei dem Post-Punk-Rock-Mix, den die Dresdener Band fabriziert hat – die Kunst muss ja auch zum Bandnamen passen. VÖ: 21.2. (Undressed)

„Material“ hier anhören: Spotify | Apple Music

Anspieltipps: Gott Generator, Leichen, Gewalt

Bohren & der Club of Gore – Patchouli Blue

Dark Jazz ist das, was das Trio aus Mühlheim auf seinem achten Album produziert. Auf „Patchouli Blue“ passiert nicht viel. Also schon, aber die Songs sind offen, zwischen den wenigen Tönen ist viel Platz. Platz für Emotionen.

Anders als beim traditionellen Jazz geht es hier nämlich nicht um die Virtuosität am eigenen Instrument. Die Songs, alle ohne Gesang, sind trotzdem herrlich bedrückend. Jede einzelne Note ist ein besonderer Moment, der zum Gedanken-schweifen-lassen einlädt. VÖ: 24.1. (PIAS)

„Patchouli Blue“ hier anhören: Spotify | Apple Music

Anspieltipps: Tief Gesunken, Vergessen & Vorbei, Verwirrung am Strand

Mac Miller – Circles

Der US-amerikanische Musiker Mac Miller starb im September 2018 an einer Überdosis Drogen, mit gerade mal 26 Jahren. „Circles“ wurde posthum veröffentlicht. Trotz seines jungen Alters klingt das Album unheimlich erwachsen und ausgetüftelt. Deutlich sind die Hip-Hop-Wurzeln des Musikers zu hören, aber auch Funk, Jazz und Soul. Kein Vergleich zu seinen ersten Veröffentlichungen, die eher von Partys und Drogen handelten und sich auch so anhörten.

Circles hingegen ist melancholisch, aber doch lebensbejahend. Mac Miller klingt auf seinem letzten Album so, als ob er seinen inneren Frieden gefunden hat und mit seinen Depressionen umgehen kann – das macht seinen frühen Tod umso tragischer. VÖ: 17.1. (Warner)

„Circles“ hier anhören: Spotify | Apple Music

Anspieltipps: Woods, I Can See, Good News

Heaven Shall Burn – Of Truth and Sacrifice

Eine Warnung vorweg: Sollte Musik der extremeren Gangart nicht Ihrem Geschmack entsprechen, überspringen Sie diesen Tipp einfach. Metal-Fans kommen jedoch bei dem neuen Doppel-Album der Thüringer Band Heaven Shall Burn auf ihre Kosten: „Of Truth and Sacrifice“ bietet 19 Songs, fast 100 Minuten Laufzeit, die gespickt mit hämmernden Blastbeats, wuchtigen aber melodischen Metal-Riffs und kritischen Geschrei über politische Themen wie Klimawandel oder rechte Gewalt sind.

Und das funktioniert – so gut, dass es vor Pietro Lombardi auf Platz 1 der deutschen Album-Charts debütierte. Der war davon etwas überrascht, weil er von einer „völlig unbekannten Band aus dem Nichts“ überholt wurde, wie er seinen Fans mitteilte – Heaven Shall Burn machen seit über 20 Jahren Musik. VÖ: 20.3. (Century Media)

„Of Truth and Sacrifice“ hier anhören: Spotify | Apple Music

Anspieltipps: My Heart and The Ocean, What War Means, Critical Mass

Bonus: Bill Withers

Vor Kurzem starb Soul-Legende Bill Withers mit 81 Jahren. Viel gibt es zu dem Musiker nicht zu sagen. Songs wie „Ain‘t No Sunshine“ , „Lean on Me“ oder „Just the Two of Us“ sind Meilensteine der Musik und sprechen für sich – aber es lohnt sich, einen tieferen Blick in sein musikalisches Werk zu werfen. Nicht umsonst werden Teile seiner Songs bis heute in unglaublich vielen Pop- und Rap-Songs als Sample genutzt. Withers hatte ein Händchen für Hits.

Bill Withers hier anhören: Spotify | Apple Music

Bonus: John Prine

Der Country- und Folk-Sänger ist vermutlich eines der bekannteren Opfer von Covid-19. Am 7. April starb Prine mit 73 an den Folgen des Coronavirus. Seine Lieder wie „In Spite of Ourselves“, „Illegal Seile oder „Paradise“ werden aber weiter leben. Mit weniger Worten sang Prine über große Themen wie Liebe, das Leben und aktuelle Ereignisse – sehr oft mit viel Humor, aber mindestens genauso oft bierernst.

John Prine hier anhören: Spotify | Apple Music

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