Jobcenter Dortmund hat 2700 Minijobs in Vollzeitstellen umgewandelt

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Die Zahl der Minijobs ist seit 2003 rasant gestiegen. Immer mehr Arbeitnehmer erledigen zwei oder mehr Minijobs. Das Jobcenter in Dortmund hat 2700 Verträge in Vollzeitstellen umgewandelt.

Dortmund

, 27.02.2019, 15:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit dem seit 2003 gültigen „Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ sollten Haushaltshilfen, Putzfrauen, Gärtner und andere Gelegenheitsarbeiter mehr Geld verdienen und Arbeitgeber in die Sozialversicherungen einzahlen. Das Gesetz führte laut Jobcenter in Dortmund zu einem sprunghaften Anstieg der überwiegend von Frauen ausgeübten Minijobs. Im Juni 2018 erledigten 55.311 Dortmunder einen Minijob. Und sogar 16.922 Arbeitnehmer haben einen Minijob als Zweitjob.

Für Jobcenter-Geschäftsführer Frank Neukirchen-Füsers sind die Zahlen zu hoch. Die ursprüngliche Idee, haushaltsnahe Dienstleistungen sozialversicherungspflichtig abzusichern, habe nicht funktioniert. Ihr Anteil an allen Minijobs in Dortmund liege derzeit bei nur 3,5 Prozent. Voll zugeschlagen haben dagegen das Sicherheitsgewerbe, der Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie sowie Dienstleister wie Gebäudereiniger. In den „Reinigungsberufen“ und in der Gastronomie seien mehr Minijobber beschäftigt als Vollzeitkräfte. Das soll sich ändern.

Bereits seit 2011 arbeitet ein Team von acht Spezialisten im Jobcenter daran, Minijobs in Gesprächen mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Vollzeitstellen umzuwandeln. Bisher konnte das Team 2700 Minijobs umwandeln. Immer mehr Arbeitgeber springen auf. Weil sie erkannt haben, dass Vollzeitstellen günstiger sind und die nicht nur als Aushilfen beschäftigten Arbeitnehmer zuverlässiger arbeiten, mehr Verantwortung übernehmen und seltener ausfallen würden. In den Gesprächen mit Arbeitgebern muss das Jobcenter-Team gängige Vorurteile aus dem Weg räumen.

Arbeitgeber sparen bei den Sozialabgaben

Viele Arbeitgeber glaubten daran, dass Vollzeit-Verträge teurer seien. Doch das sei falsch, betont Frank Neukirchen-Füsers. Die Arbeitgeber in Dortmund könnten ihre Ausgaben für Renten- und Krankenversicherung deutlich senken. Weil der Arbeitnehmer-Anteil an den Sozialversicherungsabgaben zugleich steigt, fließt viel mehr Geld in die Sozialkassen.

Zugleich sinken die Ausgaben des Jobcenters für Kunden, deren Minijob-Lohn fürs Leben nicht reicht. Frank Neukirchen-Füsers erkennt ein „langsames Umdenken bei den Arbeitnehmern. Sie sagen: Das rechnet sich für uns.“

Größere Identifikation mit der Firma

Genau das weiß inzwischen auch Serpil Karakilic vom „Evinger Supermarkt“ an der Derner Straße 43 in Eving. Das 2013 gegründete Familienunternehmen beschäftigt 17 Angestellte. Alle, mit einer Ausnahme, in Vollzeit. „Ich muss mich bedanken“, sagte sie bei einem Kundenbesuch des Jobcenters im Supermarkt. Denn der erwartete Effekt sei eingetreten: Das frühere Minijob- und heutige Vollzeit-Personal arbeite zuverlässiger, übernehme viel mehr Verantwortung und falle nicht so oft aus. „Die Identifikation mit der Firma ist größer“, stellt die Chefin fest.

Jobcenter Dortmund hat 2700 Minijobs in Vollzeitstellen umgewandelt

Chefin Serpil Karakilic stellt Frank Neukirchen-Füsers, Damniel Biermann und Boris Burkl vom Dortmunder Jobcenter den Supermarkt vor. Rechts der Sohn in dem Familienunternehmen. © Peter Bandermann

Sie selbst müsse nicht mehr so oft einspringen und könne sich darauf konzentrieren, den Betrieb zu organisieren. Das liegt auch an dem früheren Minijobber Ilyas Isik. Als Minijobber habe er hier und da gearbeitet. Jetzt hat er die Obst- und Gemüseabteilung unter seinen Fittichen - und achtet penibel darauf, dass sie picobello aussieht.

Ganz im Sinne der Chefin: Die Vollzeit-Verträge bedeuten weniger Papierkram als die Minijob-Bürokratie. Auch die ein wenig nervige Einsatzplanung für die Minijobber falle weg.

Personal ist besser motiviert

Der Evinger Supermarkt brummt. Das Personal wirkt ausgesprochen motiviert. Die Chefin, der Mann und der Sohn packen tatkräftig mit an. Mehrfach haben sie an- und umgebaut. Gute Laune ist spürbar. Die neue Fleischtheke mit frisch zubereiteten Waren ist der ganze Stolz des Unternehmens.

Boris Burkl, Mitarbeiter im Minijob-Team des Jobcenters, überrascht das alles nicht. Nach vielen Fragen würden Arbeitgeber ihre Chancen ausloten und dann Schritt für Schritt weitere Erfolge erzielen. Arbeitnehmer können zusätzliche Aufgaben übernehmen. Ist eine intensive Einarbeitung erforderlich, kann das Jobcenter bis zu zwölf Monate einen Eingliederungszuschuss zahlen (50 Prozent der Personalkosten).

Mehr Lohn, bessere Rente

Serpil Karakilic wirkt zufrieden. Sie hat zwar schon schlechte Erfahrungen mit arbeitslosen Bewerbern gemacht, aber die jüngste Zusammenarbeit mit dem Jobcenter habe sich an der Kasse und in der Betriebsorganisation ausgezahlt. Jobcenter-Teamleiter Daniel Biermann sagt, dass sehr schnell zu ermitteln sei, ob sich für einen Betrieb die Umwandlung von Minijobs in Vollzeit-Verträge lohne.

Für Arbeitnehmer lohnt sich das auf jeden Fall: Sie verdienen mehr Geld und haben später eine höhere Rente. Eine weitere gute Zahl: Das Jobcenter Dortmund konnte durch Umwandlung von Minijobs in Vollzeitstellen 1661 Langzeitarbeitlose in echte Arbeit vermitteln.

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