Thomas Grüner (r.), Chef der Lackmanufaktur Kaddi Lack im Dortmunder Hafen, freut sich über seinen neuen Mitarbeiter Jörg Behnert (l.). Der 51-Jährige war fünf Jahre arbeitslos und wurde ihm vom Jobcenter vermittelt. © Peter Wulle
Beschäftigungsförderung

Jobcenter-Wunder in Dortmund? 1000 Langzeitarbeitslose vermittelt

Das Jobcenter Dortmund hat trotz Corona 1000 Langzeitarbeitslose vermittelt. Das ist in keiner anderen Stadt in Deutschland gelungen. Da stellt sich die Frage: Wie haben die das gemacht?

Jörg Behnert ist 51 Jahre alt und hat vor einigen Jahren seinen Job als Gas- und Wasserinstallateur verloren. „Krankheit und private Probleme spielten damals eine Rolle“, sagt der Dortmunder. Als es ihm besser ging, war es schwer, wieder in den Beruf zurückzukommen. „Aber beim Jobcenter haben sie gemerkt, dass ich Bock habe zu arbeiten. Die haben sich gekümmert, das war eine wichtige Hilfe“, so Jörg Behnert.

Er ist einer von 1000 Langzeitarbeitslosen, die das Jobcenter Dortmund über das Teilhabechancen-Gesetz vermitteln konnte. Seit wenigen Wochen arbeitet Jörg Behnert in der Lackmanufaktur Kaddi Lack im Dortmunder Hafen.

Dort hat er es jetzt mit Lösemitteln und Farben zu tun statt mit Muffen und Klemmen. „Das ist eine Umstellung. Aber, es gefällt mir sehr gut. Das ist hier sehr familiär und deshalb habe ich mich auch für diese Firma entschieden“, sagt Jörg Behnert.

Arbeitgeber bekommen Lohn bis zu 100 Prozent erstattet

Mit ihm beschäftigt Firmenchef Thomas Grüner an der Drehbrückenstraße 13 nun sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Vermittlung des 51-Jährigen durch das Jobcenter kam für ihn wie gerufen. „Wir brauchten noch Unterstützung in unserem Team, konnten in diesem Jahr aber auch so ohne Weiteres keine zusätzliche Stelle schaffen. Da passte das Angebot, Herrn Behnert mit einer 100-prozentigen Lohnförderung zu beschäftigen“, so Thomas Grüner und ergänzt. „Alle profitieren davon und es gibt kein finanzielles Risiko. Die Zeit, die man investiert, um jemanden einzuarbeiten, investiert man gerne. Es ist ein tolles Konzept.“

Programm funktioniert in Dortmund besonders gut

Das Konzept heißt eben Teilhabechancen-Gesetz. Es ist ein Bundesgesetz, das seit Anfang 2019 gilt. Das Förderprogramm sieht unter anderem vor, dass Arbeitgeber, die Langzeitarbeitslose einstellen, zwei Jahre lang das Gehalt bis zu 100 Prozent erstattet bekommen.

Diese Form der Beschäftigungsförderung funktioniert in Dortmund besonders gut. Allerdings eben nicht nur in diesem Jahr, sondern schon im vorigen Jahr. „Unser Ziel war es von Beginn an, mit diesem Programm 1000 Langzeitarbeitslose zu vermitteln. Das haben wir jetzt trotz der Corona-Pandemie geschafft und liegen damit bundesweit vorne“, sagt Dr. Regine Schmalhorst, die Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund.

Zwei Erfolgsfaktoren

Sie nennt zwei Erfolgsfaktoren: Erstens konnte ein hoher Anteil aller geförderten Beschäftigungsverhältnisse bei privatwirtschaftlichen Unternehmen erzielt werden. Die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen beschränkt sich in Dortmund also nicht auf städtische Betriebe oder karitative Einrichtungen.

„Die Förderkonditionen sind so attraktiv, dass Arbeitgeber in der freien Wirtschaft gerne bereit sind, motivierten Langzeitarbeitslosen eine berufliche Perspektive zu geben“, sagt Regine Schmalhorst.

Dr. Regine Schmalhorst, die Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund, lobt das Teilhabechancen-Gesetz als gesetzlich verankertes Förderinstrument.
Dr. Regine Schmalhorst, die Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund, lobt das Teilhabechancen-Gesetz als gesetzlich verankertes Förderinstrument. „Wir freuen uns sehr”, sagt sie, „dass wir bereits 1.000 unserer Kundinnen und Kunden auf diese Weise eine neue berufliche Perspektive ermöglichen konnten.“ © Jobcenter/Frauke Schumann © Jobcenter/Frauke Schumann

Als zweiten Erfolgsfaktor macht sie ein besonderes Engagement beim Coaching aus. Dieses verringere die Abbruchquote. Das Geld für die Job-Coaches wird anderen Jobcentern zwar auch vom Bund zur Verfügung gestellt, aber das Jobcenter Dortmund hat eigene Mitarbeiter geschult und die Coaches nicht extern eingekauft.

Rundum glücklich: „Am liebsten bis zur Rente“

Das Jobcenter hat also kein Wunder vollbracht, aber das Teilhabechancen-Gesetz als Hebel zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit erfolgreich genutzt. Und Jörg Behnert ist einer von nunmehr 1000 Dortmundern, die langjährig Arbeitslosengeld II bezogen haben, und davon profitieren.

Auch, wenn Jörg Behnert seinen Job bei Kaddi Lack, der kleinen Lackmanufaktur für Industrielacke im Hafen, gerade erst begonnen hat, steht für ihn schon fest, wie lange er dort bleiben möchte: „Am liebsten bis zur Rente“, sagt er.

Teilhabechancen-Gesetz

Es gibt noch Fördermöglichkeiten

  • Interessierte Arbeitgeber können sich weiter an das Jobcenter Dortmund wenden unter der Durchwahl (0231) 842 99 00
  • Informationen zu den Fördermöglichkeiten und ein Kontaktformular gibt es auch online unter zukunft-macher.com
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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