Jörg Oswald zeigt "Trigger": Spannung durch gespannte Bogen

Kunstverein

"Trigger" - Abzug - nennt Jörg Oswald seine Schau im Kunstverein. Er richtet Hochleistungs-Flitzbogen auf Ziele - aber drückt nicht ab. Dadurch entsteht eine intensive Spannung. Vor Ausstellungsbeginn hat Jörg Oswald für die Ruhr Nachrichten eine Ausnahme gemacht - und doch geschossen.

DORTMUND

07.04.2011, 21:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hinter einem seiner Schuss-Apparate steht der Künstler Jörg Oswald: Während der Ausstellung wird der Schuss nicht ausgeführt, nur angedroht.

Hinter einem seiner Schuss-Apparate steht der Künstler Jörg Oswald: Während der Ausstellung wird der Schuss nicht ausgeführt, nur angedroht.

Metallscheiben schnalzen, keuchend schlägt die Sehne vorwärts und peitscht den Pfeil von sich. Einen Wimpernschlag später hat der Pfeil den Raum durchstochen und bohrt sich krachend in den schwarzen Gummiblock in der anderen Raumecke. Zum vorerst letzten Mal – denn für die Dauer der Ausstellung hält Jörg Oswald die Bögen auf Spannung. „Trigger“, auf Deutsch Abzug, prägt den gesamten Ausstellungsraum im Kunstverein: In zwei Ecken steht je eine solche Bogen-Apparatur, in den gegenüberliegenden Ecken die Gummi-Blöcke. Unsichtbar, aber deutlich vorstellbar durchkreuzen die Schusslinien den Raum. Die Schau hinterfragt die Wirklichkeit von Gegenwart und Zukunft und veranschaulicht die Zeit.

„Zeit ist mein Medium“, sagt Jörg Oswald, „wie die Farbe für den Maler.“ Den Moment vor dem Abschuss, die Sekunden des Zielens, dehnt Oswald auf knapp zwei Monate. Wie ein Renaissance-Maler, der in einem Schlachtenbild den dramatischsten Augenblick der Geschichte festhält – der letzte Moment vor dem Mord oder der tragischen Erkenntnis – friert auch Oswald nicht den Schuss selbst, sondern den Moment davor ein. Diese Spannung droht dem Betrachter. Es kostet Überwindung, die Schusslinie zu durchschreiten – auch wegen des Warntons, der dann losnölt. Denn der kalte, technische Aufbau und die nadelspitz zulaufenden Pfeil-Enden sind das Versprechen auf einen wuchtigen Schuss. Mit geladener Waffe lauert die Zukunft der Gegenwart auf.

Jörg Oswald ist Hobby-Bogenschütze. Ein Bogenschuss ist für ihn ein Abschied von dem süßen Augenblick, in dem der Schütze versucht, sich nicht bewusst zum Schuss zu entscheiden, sondern ihn unbewusst „passieren zu lassen“, wie Jörg Oswald es ausdrückt: Wenn das klappt, ist es ein guter Schuss, die Präzision ist zweitrangig. Dennoch: „Für den Schützen ist das Auslösen immer eine Enttäuschung.“ Denn dann ist alles vorbei. „Trigger“ von Jörg Oswald im Kunstverein, Hansastraße 2-4. Eröffnung heute (8.4.) um 19 Uhr, bis 29.5., Di-Fr 15-18, Sa/So 11-16.

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