Große Geste in Corona-Zeiten: Junge Dortmunder springen für Tafel-Mitarbeiter ein

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Da viele ehrenamtliche Mitarbeiter zur Risikogruppe gehören, blieb die Scharnhorster Tafel zwei Wochen lang geschlossen. Jüngere sprangen in die Bresche – sie lassen die Tafel nicht im Stich.

Scharnhorst

, 08.04.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für manche Scharnhorster waren die beiden letzten Märzwochen besonders schwer. Sie sorgten sich nicht nur um ihre Gesundheit, sondern hatten zudem noch weniger Geld als sonst im Portemonnaie, da die Filiale der Dortmunder Tafel an der Droote geschlossen blieb. Doch diese Zeit ist nun vorüber, denn seit Donnerstag (2. April) können bedürftige Menschen dort wieder preiswert einkaufen.

Helfer gehören zur Risikogruppe

Wie auf so viele Lebensbereiche, so hatte sich das Coronavirus auch auf die Tafel in Scharnhorst und anderen Stadtteilen ausgewirkt. „Zu unseren Teams gehören viele ältere Ehrenamtliche, die zur Risikogruppe zählen“, erläutert Ansgar Wortmann, Betriebsleiter der Dortmunder Tafel. „Deshalb mussten wir dort zwei Wochen schließen.“

Ansgar Wortmann, Betriebsleiter der Dortmunder Tafel, ist froh, dass zahlreiche junge Helfer für die älteren Ehrenamtler in die Bresche springen.

Ansgar Wortmann, Betriebsleiter der Dortmunder Tafel, ist froh, dass zahlreiche junge Helfer für die älteren Ehrenamtler in die Bresche springen. © Gregor Beushausen (Archiv)

Doch diese schwierige Situation habe auch etwas Positives mit sich gebracht, sagt der Betriebsleiter: „Sehr viele junge Menschen, darunter zahlreiche Studenten, haben von den vorübergehenden Schließungen gehört und sich als ehrenamtliche Helfer bei uns gemeldet.“

Sicherlich eine erfreuliche Entwicklung, doch in welcher Form der Betrieb weitergeht, wenn Schulen und Universitäten ihre Pforten wieder öffnen, vermag Wortmann nicht zu sagen: „Wir hangeln uns von Tag zu Tag, von Woche zu Woche.“

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Dass am Montag (6. April) statt der ansonsten 150 Menschen nur rund 70 den Weg zur Droote fanden, um dort für 2,50 Euro Milchprodukte, Wurst, Obst oder Gemüse einzukaufen, hat laut Wortmann zwei Gründe: Einerseits wüssten noch nicht alle von der Wiedereröffnung, andererseits „herrschen auch bei unseren Kunden Angst und Verunsicherung“.

Um ihnen diese zu nehmen und außerdem für mehr Sicherheit zu sorgen, haben die Mitarbeiter der Scharnhorster Tafel reagiert: Vor die Theken und Stände, in denen die Lebensmittel liegen, wurden Plastikkörbe gestellt. So ist der Abstand zwischen Kunden und Personal automatisch größer.

Um den Abstand zwischen Kunden und Belegschaft zu vergrößern, stehen bei der Tafel in Scharnhorst nun Kisten vor den Warentheken.

Um den Abstand zwischen Kunden und Belegschaft zu vergrößern, stehen bei der Tafel in Scharnhorst nun Kisten vor den Warentheken. © Michael Schuh

Als die vorübergehende Schließung feststand, habe es viele lange Gesichter gegeben, erinnert sich eine Mitarbeiterin, die – trotz ihres ehrenamtlichen Engagements – nicht namentlich genannt werden möchte. „Die Jalousien waren jetzt aber der Tippgeber. Als die hochgezogen wurden, wussten die Menschen, dass geöffnet ist. Und sie sind dankbar und froh, wieder hier einkaufen zu können.“

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„Hätte die Tafel hier in Scharnhorst noch länger geschlossen, dann wäre es für uns schwer geworden“, sagt eine alleinerziehende Mutter von zwei drei- und achtjährigen Kindern, die vor der Filiale mit ihrer Tochter auf Einlass wartet. Obwohl die Tafel-Zentrale in der Nordstadt die ganze Zeit geöffnet blieb, sei das für sie keine echte Alternative: „Das ist ein ganz schön weiter Weg.“

Am Montag warteten die Menschen – natürlich mit dem nötigen Abstand – vor der Scharnhorster Tafel, um dort preiswert Nahrungsmittel einzukaufen.

Am Montag warteten die Menschen – natürlich mit dem nötigen Abstand – vor der Scharnhorster Tafel, um dort preiswert Nahrungsmittel einzukaufen. © Michael Schuh

Sie wolle ihren Kindern ja auch mal etwas Nettes, zum Beispiel ein kleines Spielzeug, kaufen, fährt die Hartz-IV-Empfängerin fort: „Aber das kann ich nicht, wenn ich im normalen Supermarkt das ganze Geld für Lebensmittel ausgeben muss.“

Deshalb helfe ihr das Angebot der Tafel immens dabei, den Alltag zu meistern: „Von dem, was ich hier für 2,50 Euro einkaufe, kann ich zwei oder drei Tage lang das Mittagessen für uns kochen. Und dazu kommen noch Joghurt oder Pudding, die die Kinder gerne essen.“

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